Kurzinformationen über Mazedonien

Mazedonien

Mazedonien ist der einzige Staat des ehemaligen Jugoslawien, der in den 1990er Jahren ohne einen kriegerischen Konflikt aus dem Staatenverbund ausgeschieden ist. Dennoch ist auch Mazedonien nicht frei von Problemen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Beziehungen zwischen den ethnischen Gruppen innerhalb des Landes, namentlich zwischen den slawischen und albanischen Mazedoniern. Doch haben auch immer wieder Probleme mit den Nachbarn Griechenland und Bulgarien zu Verstimmungen geführt. Die Situation der Jugendlichen ist insbesondere im ländlichen Bereich von allgemeiner Perspektivlosigkeit geprägt. Hoffnung verbreitet die Aussicht auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Durch den Namensstreit mit Griechenland ist der Annäherungsprozess allerdings bereits seit einigen Jahren blockiert.

Mazedonien liegt im Süden des ehemaligen Jugoslawien, umgeben von Albanien, Kosovo, Serbien, Bulgarien und Griechenland. In Mazedonien leben ca. 2,1 Millionen Menschen, die sich  mehrheitlich als mazedonische Slawen (ca. 64%) und Albaner (ca. 25%) bezeichnen. Bedeutsame Minderheiten bilden weiterhin Türken, Roma, Serben, und Bosniaken.  Die Mehrheit der mazedonischen Bürger haben bei einer Volkszählung aus dem Jahre 2002 keine Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft angegeben (ca. 45%), aber 32,4% bezeichnen sich als orthodoxe Christen (meist slawische Mazedonier), ca. 16,9% sind Muslime (meist albanische Mazedonier) und weitere 5% gehören anderen Religionen an.

Das heutige Mazedonien war in der Geschichte schon immer ein Zankapfel umliegender Herrschaftssphären und Großmächte gewesen. Insbesondere Serbien, Bulgarien und Griechenland erhoben immer wieder Anspruch auf die Region. Slawische Stämme wanderten erst im 6. und 7. Jahrhundert in diese Region ein. Im 9. Jahrhundert wurden Teile des heutigen Mazedoniens dem serbischen Reich angeschlossen. Im 10. Jahrhundert kamen Teile des Landes unter bulgarische Herrschaft. Vor dem Einmarsch der Osmanen im 15. Jahrhundert gehörte das heutige Mazedonien fast 400 Jahre zum serbischen Königreich. Beinahe 500 Jahre herrschten die osmanischen Sultane über das heutige Mazedonien, bis am Ende des 19. Jahrhunderts - wie fast überall auf dem Balkan - Unabhängigkeitsbewegungen die Ablösung der osmanischen Vorherrschaft herbeisehnten.

Mit zunehmenden Machtverlust der osmanischen Herrscher erwachten auch die Begehrlichkeiten der Nachbarn des heutigen Mazedoniens, einen Teil der Überbleibsel des Großreiches abzubekommen. Mit dem Ende der osmanischen Herrschaft 1912 und als Resultat der Balkankriege wurde Mazedonien unter Serbien, Bulgarien und Griechenland aufgeteilt. Der serbische Teil Mazedoniens (das sog. Vardar-Mazedonien) wurde wiederholt durch bulgarische Truppen besetzt. Doch im Jahre 1918 wurde Vardar-Mazedonien offiziell Teil des neuen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (1918-1941), einem Vorgänger der späteren sozialistisch-föderativen Republik Jugoslawien.

Das faschistische Bulgarien besetzte im Jahre 1941 Vardar-Mazedonien. Die kommunistischen Partisanen unter Josip Broz, genannt Tito, übernahmen 1944 dort die Herrschaft, erkannten das mazedonische Volk als eigenständige Nation an und machten Mazedonien zu einer Teilrepublik der jugoslawischen Föderation.

Im Jahre 1991 schied Mazedonien friedlich aus dem jugoslawischen Staatenverbund aus. Die Namensgebung der neuen Mazedonischen Republik führte zu bis heute andauernden Streitigkeiten insbesondere mit Griechenland.

Zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen mazedonischen Institutionen und albanischen Nationalisten kam es 2001. Diesem Konflikt waren Forderungen albanischer Politiker nach mehr Rechten für die albanische Bevölkerung ergebnislos vorausgegangen. Albanische Extremisten griffen daraufhin mazedonische Polizeistationen und Einrichtungen der Regierung an. Die Auseinandersetzungen wurden durch das Rahmenabkommen von Ohrid beigelegt, das eine territoriale Neuaufteilung und Dezentralisierung des Landes festschrieb und somit der albanischen Minderheit in Mazedonien gewisse Selbstverwaltungsrechte zugestand.

Die Europäische Union hat mit Mazedonien ein Assoziierungs- und Kooperationsabkommen abgeschlossen. Eine rasche Integration Mazedoniens in die Europäische Union bleibt das Ziel und die Hoffnung der mazedonischen Regierung sowie der Bevölkerung. Insbesondere die Jugend erhofft sich von diesem Schritt nach Europa nachhaltige Verbesserungen der eigenen Lebensperspektiven. Durch den Namensstreit mit Griechenland und die europäische Wirtschaftskrise ist die Annäherung jedoch deutlich ins Stocken geraten.

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