1992: Ein paar Autostunden südlich von München waren plötzlich Millionen von Menschen unverschuldet in einen Krieg geraten. Jahrelang war Kroatien eines der Lieblingsreiseländer der Deutschen und auf einmal fielen Granaten auf die mediterrane Hafenstadt Dubrovnik.

Der Schrecken über die grausamen Fernsehbilder, die plötzlich aus dem einstigen Urlaubsparadies in unsere Wohnzimmer flimmerten, war der Anfang von Schüler Helfen Leben. Ein paar Schüler*innen aus Bad Kreuznach sammelten Hilfsgüter zusammen und transportierten sie mit privaten Autos in die Flüchtlingslager, die überall an der kroatischen Küste entstanden. Eine kleine Hilfe – aber viel zu wenig, wie bald klar wurde.

1992

Spontane Hilfe mit Papas Auto

Schüler*innen aus Bad Kreuznach fahren mit ihren privaten PKWs nach Kroatien, um Hilfsgüter direkt den Menschen zu bringen. Die Fernsehberichte lassen die Schüler*innen nicht ruhen, sie wollen schnell und unkompliziert helfen, packen Pakete für Gleichaltrige im ehemaligen Jugoslawien.
Spontane Hilfe mit Papas Auto

300 Schulen in Rheinland-Pfalz sammeln Hilfsgüter

30 Tonnen Hilfsgüter kommen zusammen. Die Schüler*innen wollen ihre Pakete nicht „blind" losschicken, sondern dabei sein, wenn die Hilfe ihr Ziel erreicht. Der Name „Schüler Helfen Leben" wird geboren.
300 Schulen in Rheinland-Pfalz sammeln Hilfsgüter
1994

„Jeder Schüler gibt eine Mark"

Es werden bundesweit rund 1,5 Millionen Mark gesammelt. Damit hat niemand gerechnet. Mit dem Geld kann SHL zahlreiche Schulen wieder aufbauen.
„Jeder Schüler gibt eine Mark
1994

Beteiligung am Wiederaufbau der Grundschule VII in Mostar

Gemeinsam mit der EU-Verwaltung in Mostar und einem Finanzaufwand von über 2 Millionen Mark wird die Schule wieder aufgebaut. Damit zählt sie in Sachen Ausstattung zu den besten Schulen der Region.

Schaffung von 500 Kindergartenplätzen in Sarajevo

Nachdem im Februar 1994 schwere Waffen aus dem Zentrum von Sarajevo abgezogen wurden, können Kindergärten wieder aufgebaut werden. SHL setzt fünf große Kindergärten in der Hauptstadt wieder instand.

Instandsetzung der Taubstummenschule

SHL renoviert die vor dem Krieg europaweit anerkannte Taubstummenschule „Nemanja Vlatkovic", in der 50 Schüler*innen unterrichtet werden.

Unterrichtsmaterialien für über 48.000 Schüler*innen

SHL verteilt in ganz Bosnien-Herzegowina 1.200 Kisten voller Stifte und Hefte sowie 400 Kisten mit Sportmaterial wie Bällen, aber auch 200 Kisten mit Lehrer*innenutensilien und 400 weitere Kisten mit Material für den Kunstunterricht.
1996

Erstes Sommercamp in Zuljana auf Peljesac

28 Jugendliche aus Deutschland und Bosnien-Herzegowina campen gemeinsam an der kroatischen Adriaküste. Für die bosnischen Jugendlichen ist es das erste Mal seit vier Jahren, dass sie Urlaub an der Adria verbringen können. Für die meisten deutschen Jugendlichen ist dies die erste Begegnung mit Gleichaltrigen aus der Krisenregion überhaupt.
1997

Youthnet

Vernetzung von Jugendgruppen aus ganz Bosnien-Herzegowina und darüber hinaus

Junge Vertreter*innen aller Bevölkerungsgruppen gründen das erste gesamtbosnische Jugendmagazin mit dem bezeichnenden Titel: Nepitani („Die Ungefragten").
1998

Erster Sozialer Tag

In Schleswig-Holstein haben 35.000 Schüler*innen ihren ganz besonderen Schultag und tauschen ihr Klassenzimmer gegen einen Arbeitsplatz. Über 920.000 Mark kommen beim ersten landesweiten Aktionstag von Schüler Helfen Leben in Schleswig-Holstein zusammen. Alle zwei Jahre wird der Soziale Tag stattfinden.

Das SHL House in Sarajevo

SHL baut ein Jugendbegegnungshaus in Sarajevo, in dem alle Bevölkerungsgruppen willkommen sind.
2000

Zweiter Sozialer Tag

In Schleswig-Holstein und Hamburg bleiben ganze Klassenräume leer, rund 100.000 Schüler*innen arbeiten für den guten Zweck. Am Ende des Tages jubeln sie über 2,15 Millionen Euro für die SHL-Projekte in Südosteuropa. Und wer hat nochmal behauptet, Jugendliche würden sich nicht für das Weltgeschehen interessieren?

„Erste Hilfe" im Kosovo

Es können 25 Schulen mit Unterrichtmaterial, Heizungen, Tafeln usw. ausgestattet werden.
2001

Handschlag-Aktion

Schüler Helfen Leben geht auf große Südosteuropa-Informationstour durch Deutschland. Deutsche Jugendliche demonstrieren mit „Handschlägen" auf Leinentüchern ihre Solidarität mit Gleichaltrigen in Südosteuropa.
2002

Gründung der Stiftung

Am 1. März 2002 wird die Stiftung Schüler Helfen Leben gegründet – als erste Stiftung Deutschland von Schüler*innen. Das Hauptziel ist dabei, die Projekte in Südosteuropa langfristig betreuen und finanziell absichern zu können.
2006

Erster bundesweiter Sozialer Tag

Nachdem in den vergangenen Jahren inzwischen auch Schüler*innen aus Niedersachsen und Berlin teilgenommen haben, bündelt SHL nun seine Kräfte, um Schüler*innen in ganz Deutschland für die gute Sache zu mobilisieren. Rund 200.000 Schüler*innen sind dabei, sie erwirtschaften über 2 Millionen Euro.

Entscheidung in Schüler*innenhand

Und wohin diese 2 Millionen Euro gehen entscheiden ab 2006 die Schüler*innen selbst! Beim Schüler*innenkongress „PAT“ (ProjektAuswahlTreffen) entscheiden rund 300 Delegierte aller teilnehmenden Schulen, wohin ihre Hilfe fließen soll. Das ist neu und das ist richtig, denn wir sind überzeugt: Jugendliche sind Expert*innen.
2007

Gründung der landesweiten Schüler*innenvertreung in Bosnien-Herzegowina

Aus dem SHL-Büro in Sarajevo wird tatkräftig die Gründung der ersten landesweiten Schüler*innenvertretung unterstützt. In der gleichen Zeit gründet sich mit Hilfe SHLs die Jugendmedienorganisation, deren Jugendmagazin schon bald regelmäßig in der Tageszeitung „Oslobođenje“ erscheint.
2012

„Youth makes changes happen“

Schüler Helfen Leben schließt sich mit sechs anderen europäischen Jugendorganisationen zum Dachverband SAME (Solidarity Action Day Movement in Europe) zusammen.

Schüler Helfen Leben ist 20 Jahre jung

Im Oktober findet eine große Jubiläumsfeier in Berlin mit Wegbeleiter*innen aus Schulen, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft statt, um auf 20 Jahre beispielloses Schüler*innenengagement zurück zu blicken. Die Festrede hält der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig. Im Anschluss an die Feier findet eine zweitägige Zukunftskonferenz statt.
2013

Hilfe für Syrien und Jordanien

Auch beim achten bundesweiten Sozialen Tag hinterlassen Schüler*innen erneut ihren sozialen Fingerabdruck. Das erste Mal unterstützen sie damit syrische Geflüchtete in Jordanien. Denn wie im Jahr 1992 ist Schüler Helfen Leben der Meinung: Auch hier wollen wir uns für Kinder und Jugendliche stark machen – auch und gerade in Zeiten von Krieg und Vertreibung.
2015

Nothilfe für Geflüchtete

Als im Sommer 2015 plötzlich die Hauptfluchtroute von Geflüchteten mitten durch Südosteuropa führt, richtet SHL einen Nothilfefonds ein. Dadurch konnten schnell und unbürokratisch rund 60 kleine Hilfsprojekte unterstützt werden.
2017

25 Jahre

25 Jahre SHL. 25 Jahre tatkräftiges Engagement von Jugendlichen für Jugendliche. 25 Jahre Erinnern an Konflikte, die nicht mehr in der Tagesschau zu sehen, aber trotzdem da sind.
2018

Demokratie lernen und leben

Schüler Helfen Leben wagt ein Experiment und baut die Stiftung zu einer partizipativen Jugendorganisation um. Ob das funktioniert? Aber sicher. Unser 20-köpfiger Stiftungsrat hat ein Durchschnittsalter von 21 Jahren.