Kurzinformationen über Serbien

Serbien

Die Republik Serbien (Republika Srbija) ist eine parlamentarische Demokratie und war zusammen mit Montenegro einer der beiden letzten Teilstaaten der Sozialistischen Föderativen Bundesrepublik Jugoslawien (SFRJ, von 1992-2003 Bundesrepublik Jugoslawien und zuletzt bis 2006 Staatenbund Serbien und Montenegro). Nach dem erfolgreichen Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro Ende Mai 2006 fungierte Serbien als ein einzelner Staat mit den zwei autonomen Provinzen Vojvodina (im Norden) und Kosovo (im Süden). Im Februar 2008 erklärte sich dann auch das Kosovo für unabhängig.

Mit seinem Territorium von ca. 77.000 km² (zum Vergleich: das Bundesland Bayern ist etwa 70.000 km² groß), das im Norden ursprünglich zu Österreich-Ungarn und im Süden zum Osmanischen Reich gehörte, grenzt Serbien an Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Mazedonien, den Kosovo, Montenegro, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien. Die Hauptstadt und der Regierungssitz Belgrad (Beograd) gilt als die größte Kulturmetropole des Balkans und spiegelt stark eine Mischung zwischen den west- und osteuropäischen bzw. orientalischen Kultureinflüssen wider. Die Diskrepanz, sowohl zwischen dem relativ modernen Norden und dem eher traditionellen Süden des Landes, als auch zwischen dem nationalistisch-kirchlich geprägten und dem pro-westlichen politischen Milieu, die das Bild Serbiens nach Außen bestimmen, kann für Außenstehende oft verwirrend wirken.

Mit rund 7,5 Millionen Einwohnern und mehr als 25 nationalen Minderheiten ist Serbien eines der heterogensten Länder Europas. In der Vojvodina leben neben den Serben insbesondere Ungarn, aber auch Rumänen, Slowaken, Kroaten und Deutsche; im Sandzak (Sandschak) an der Grenze zu Montenegro leben neben Serben vor allem Bosniaken und Montenegriner. Neben der serbisch-orthodoxen Bevölkerungsmehrheit sind sowohl die römisch-katholische und protestantische Kirche als auch die islamische und jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten.

Obwohl Serbien während des Jugoslawienkriegs 1992-1995 nicht selbst Schauplatz von Kampfhandlungen war, initiierte und beteiligte sich das Land unter der nationalistischen Regierung Milosevićs an den Kriegen mit den Nachbarländern Kroatien und Bosnien und Herzegowina, während derer viele Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen begangen wurden.

Im Kosovokrieg 1999 wurde Serbien von der NATO bombardiert. Seitdem verfügen die serbischen Institutionen auch nicht mehr über die Kontrolle der ehemaligen südlichen Provinz. Erst stand das Kosovo unter internationaler Verwaltung in den Händen der Vereinten Nationen, dann erklärte es Anfang 2008 seine Unabhängigkeit. Diese wird aber bis heute von der Mehrzahl der Serben nicht anerkannt.

Obwohl bisher eine Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle in und der daraus wachsenden Verantwortung an den Kriegen nicht auf allen gesellschaftlichen Ebenen stattgefunden hat, sind in den letzten Jahren doch vermehrt Schritte in diese Richtung getan worden. Ende März 2010 entschuldigte sich beispielsweise das serbische Parlament für die Verbrechen im bosnischen Srebrenica, im November dann der damalige serbische Präsident Boris Tadić für die im kroatischen Vukovar. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die neue serbische Führung, in der erstmals seit der demokratischen Wende im Oktober 2000 wieder zahlreiche Weggefährten Miloševićs höchste Ämter bekleiden, diese Politik fortsetzen wird.

Wirtschaftlich bleibt Serbien angeschlagen. Nachdem sich das Land von den Folgen der Teilnahme an den Kriegen, den ökonomischen Sanktionen und der NATO-Bombardierung weitgehend erholt hatte, wurde es schwer durch die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen. Auch aus diesem Grund konkretisierte die serbische Regierung noch einmal ihren europäischen Integrationskurs und stellte Ende 2009 den formalen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Auf dem Weg dahin sind aber vor allem noch Fortschritte bei der Bekämpfung der Korruption, die Modernisierung des Rechtssystems und die Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo vonnöten.

ballons