Kurzinformationen zu Bosnien-Herzegowina

Albanien

Bosnien und Herzegowina ist eine etwa 51.000km² (zum Vergleich: das Bundesland Niedersachsen ist mit knapp 48.000km² etwas kleiner) große Republik im Südosten Europas. Sie war bis 1992 Teil der Sozialistischen Föderativen Bundesrepublik Jugoslawien (SFRJ), die sich in mehreren Kriegen von 1991-1995 schrittweise aufgelöst hat.

Im Norden, Westen und Süden grenzt Bosnien und Herzegowina (auch Bosnien-Herzegowina, kurz BuH oder in den Landessprachen BiH) an Kroatien, im Osten und Südosten an Serbien bzw. Montenegro. Bosnien bildet den nördlichen Teil des Landes mit den Städten Bihać, Banja Luka, Travnik, Zenica, Tuzla und Sarajevo, in dem kontinentales Klima herrscht, während in der Herzegowina mit ihren Städten Mostar, Trebinje, Stolac und Čapljina hingegen ein mediterranes Klima dominiert. Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina ist Sarajevo.
Ethnische und religiöse Zugehörigkeit sind in Bosnien und Herzegowina eng miteinander verbunden. Den Großteil der Bevölkerung machen die drei in der Verfassung festgelegten Staatsvölker aus: 48% mehrheitlich muslimische Bosniaken, 37% überwiegend christlich-orthodoxe Serben sowie 14% Kroaten, die vorrangig katholischen Glaubens sind. Diese Zahlen (Stand 2000, Quelle CIA World Factbook) sind aber mit Vorsicht zu genießen, fand im Staat doch seit 1991 - noch vor den großen demographischen Veränderungen durch den Krieg - keine offizielle Volkszählung mehr statt. Zudem gibt die verengte Sicht auf die drei Staatsnationen nicht die Realität wieder, da damit Minderheiten wie die Roma und Juden sowie Menschen, die sich keiner der drei Volksgruppen zuordnen möchten oder wollen - etwa da sie aus Mischehen stammen - außen vor gelassen werden. Die derzeitige Verfassung wurde deshalb bereits vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gerügt.

Alle Bevölkerungsgruppen sprechen den bosnischen Dialekt der ehemals Serbokroatischen Standardsprache, den sie wahlweise Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch nennen. Auch wenn hauptsächlich von politischer Seite etwas anderes behauptet wird, können sich Bosniaken, Kroaten und Serben untereinander problemlos verstehen.

Der Krieg in Bosnien und Herzegowina begann 1992.
Die Bosniaken und Kroaten votierten bei einem Referendum mehrheitlich für die Unabhängigkeit Bosnien und Herzegowinas vom zu dem Zeitpunkt serbisch dominierten jugoslawischen Zentralstaat, die Mehrheit der Serben boykottierte dieses Referendum. Anfang April 1992 brach dann der Krieg zwischen der jugoslawischen Volksarmee und serbischen Milizen auf der einen und Bosniaken und Kroaten auf der anderen Seite aus. Schon kurz darauf begannen aber auch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den ehemals verbündeten Bosniaken und Kroaten. Im Dezember 1995 wurde der Krieg durch den Friedensvertrag von Dayton beendet, der das Land zwischen den drei Kriegsparteien aufteilte und NATO-Soldaten als Hüter der Waffenruhe nach Bosnien und Herzegowina entsandte. Der Bosnienkrieg, in dem es zu zahllosen Verbrechen an der Zivilbevölkerung und Vertreibungen kam, war der schwerste bewaffnete Konflikt in Europa seit dem 2. Weltkrieg.

Politisch ist das Land als Folge des Krieges 1992-1995 gespalten
. Es besteht aus zwei größeren Verwaltungseinheiten, sogenannten Entitäten, der "Föderation Bosnien und Herzegowina" und der "Republika Srpska" (der "serbischen Republik"). Die Föderation ist nochmals in zehn kleinere Verwaltungseinheiten, die Kantone, aufgestückelt. In dieser Teilung spiegelt sich auch die Bevölkerungsstruktur wider: Die deutliche Mehrheit der Serben lebt in der Republika Srpska und die meisten Bosniaken und Kroaten in der Föderation Bosnien und Herzegowina. Die Schüler werden zumeist getrennt nach ihrer Ethnizität unterrichtet - zuweilen sogar in zwei unterschiedlichen Schulen unter einem Dach.

Die bosnisch-herzegowinischen Politiker sind aufgrund nationalistischer Streitfragen und Aufteilung bei vielen Fragen, die für das Land wichtig sind, schlicht unfähig oder nicht willens, sich auf gemeinsame Lösungen zu einigen. Ein von den Vereinten Nationen beauftragter "Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft" hat seit 1997 Vollmachten, die es ihm erlauben, im Rahmen des Daytoner Friedensvertrages Gesetze zu erlassen und sogar Politiker aus ihrem Amt zu entheben, wenn sie gegen die Abmachungen des Friedensvertrages von 1995 verstoßen. Alle Bemühungen, Bosnien und Herzegowina in die demokratische Normalität zu überführen, das heißt, die Position des Hohen Repräsentanten aufzulösen und die Verfassung zu Gunsten der Beteiligung all der Bürger, die keinem der drei Staatsvölker zuzurechnen sind, zu reformieren, sind bisher gescheitert.

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