Samstag - Workshops

Samstag, 9. Mai

Für einige erscheint das Frühstück um 8 Uhr  viel zu früh und mit müden Blicken schlurfen sie zum Speiseraum. Die meisten jedoch sind aufgeregt, was wohl der Samstag bringen mag.  Als allererstes bringt er Verwirrung, denn keiner weiß so recht, wo die bei der BVG bestellten Busse stehen. Schnell werden sie aber gefunden und das Programm kann starten!

Die erste Runde Workshops hat begonnen: Dabei gibt es im siebten Stock des Ver.di-Gebäudes nicht nur  Gesprächsrunden, Gruppenspiele und Planspiele zur Kultur, Politik und Geschichte des Balkans, sondern auch Überraschendes über das schwul-lesbische Leben in Südosteuropa: "Eigentlich wusste ich schon ganz gut über die politische Lage bescheid. Dass es umstrittene Demonstrationen für Gleichberechtigung gibt, war mir klar, aber überrascht hat mich, dass die Politiker sogar brutale Gegendemonstrationen unterstützen, anstatt die Demonstrationen selbst.", sagt Tobias, ein Teilnehmer.

Nach diesem informativen Vormittag versammelt sich die ganze Mannschaft vor der Ver.di-Kantine zum Mittagessen. Damit nicht alles in einem heillosen Chaos endet, haben die Gruppen  verschiedene Essenszeiten.  Das gute Essen lässt einen schnell müde werden, doch dagegen kämpfen die Betreuer erfolgreich mit den verschiedensten Energizern an: "Do you know the funky chicken?"

Gut gelaunt und gesättigt geht es in die zweite Runde:  Es wird viel über Vorurteile, die Gesellschaft, Medien und Kommunikation gesprochen. Dabei sind  auch immer die Gäste aus Serbien, Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo, die eifrig mitmischen. Vom zweiteiligen Theaterworkshop hört man Rufe, Beschimpfungen, lautes Lachen, Gekicher, Diskussionen oder auch einfach mal nichts - denn auch gemeinsames Schweigen ist eine Erfahrung wert! Lukas leistet bei SHL sein Freiwilliges Soziales Jahr in Sarajevo und hat den Workshop geleitet: "Mich hat es überrascht, dass ich es geschafft habe, mein Team aus Jugendlichen von schüchtern in locker, gelöst und motiviert zu verwandeln."

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Unzählige Liter Kaffee,  Unmengen an Kuchen und weitere verrückte Energizer an der frischen Luft: So gestärkt beginnt nach der Pause die Einführung in den Marktplatz. Marian und Andrea, die Moderatoren des Wochenendes, erklären den Sinn und Zweck und geben den Startschuss. Auf dem Markt werden neben laufenden Projekten in Südosteuropa die sechs Kandidaten für die spätere Wahl  vorgestellt. Drei in Serbien, zwei in Albanien und eins in Montenegro. Schnell kommt man mit den Projektpaten ins Gespräch, Diskussionen über albanische Gefängnisse werden geführt und die letzten serbischen Süßigkeiten verteilt.

Dann stellt sich eine entscheidende Frage: Wer darf die Stimmzettel auslesen? Es scheint, als würden sich mehr als die Hälfte der Teilnehmer melden. Schnell werden ein paar Stühle aufgebaut. Doch diesmal ist es keine Balkanreise, sondern eine Reise nach Jerusalem. Zu Fettes Brot tanzen neun Leute um die Stühle und bald stehen auch schon unsere beiden Wahlhelferinnen fest. Jetzt geht?s ans Eingemachte: Jeder Teilnehmer hat zwei Stimmen und jeder steht vor der Qual der Wahl.

Während Carsten und Sebastian fleißig an der Präsentation für die Wahlergebnisse basteln und die Stimmzettel sortiert und gelesen werden, werden im großen Saal eifrig die letzten Handgriffe für die Wahlparty getätigt. Nachdem alle Zettel dreimal in die Hand genommen und die letzten Fehler aus der Präsentation ausgemerzt sind, ist es endlich soweit: Der Höhepunkt des gesamten Wochenendes steht bevor: "Platz drei: "Ein Projekt für Roma Frauen" - die Spannung steigt! "Platz zwei "Chance auf ein gewaltfreies Lebe" -  die Luft ist wie elektrisiert! "The Winner is: ..." Die Spannung entlädt sich in heftigem Jubel. Laut wird "Za-je-čar" skandiert, denn das ist der Name des Ortes, in dem  SHL ein neues Jugendzentrum errichtet. Auch Marie ist begeistert: "Hier erfolgt eine direkte Hilfe, das gefällt mir. Jugendliche werden in einem geregelten Umfeld aufgefangen und haben so bessere Chancen.? Die Stimmung ist ausgelassen, der ganze Saal fängt an zu tanzen - Let?s get the party started!

Inzwischen arbeitet die PAT-Redaktion auf Hochtouren, damit alle am nächsten Tag eine druckfrische PAT-Zeitung in der Hand halten können. Der Zeitplan steht auf wackligen Beinen und hinkt sogar, aber die Redaktion ist zuversichtlich. "Sagen wir mal so: Wir haben keine andere Wahl.", lacht Chefredakteur Manuel.

Gegen 3 Uhr nachts sind alle ziemlich müde, aber auch froh, dass der Abend so gut verlaufen ist. Die letzten Teilnehmer fahren mit dem Bus zurück zum Hostel, während das SHL-Team die Spuren der ausgelassenen Feier beseitigt. Die letzten Flaschen werden zusammengesammelt, die Toiletten und Flure noch einmal gereinigt und der große Saal für den nächsten Morgen vorbereitet. Der letzte Tag kann kommen.

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