Herbstcamp 2009 Bericht
Unsere Reise begann in München, da wir aus unterschiedlichen Bundesländern kamen und der Zug von dort bis nach Budapest fuhr.
Erst kurz vor Mitternacht fuhr der Nachtzug los und so versuchten wir, angenehme Schlafpositionen zu finden. Am nächsten Morgen hatten wir dann einige Stunden Aufenthalt in Budapest, die jeder individuell nutzen konnte.
Unsere Reise nach Serbien ging weiter, genauer gesagt nach Novi Sad. Es war bereits dunkel, als Ansgar und Rose uns am Bahnhof abholten. Die beiden sind zwei unserer Auslandsfreiwilligen, Ansgar in Rahovec (Kosovo) und Rose hier in Novi Sad.
Vom Bahnhof ging es direkt ins Hotel, das mit dem Bus leicht zu erreichen war. Wir gingen noch gemeinsam essen um uns besser kennenzulernen und zu unterhalten.
Unser erster richtiger Tag in Novi Sad begann mit einer Besichtigung der Burg in Novi Sad. Dazu überquerten wir die Donau und sahen die Auswirkungen des Jugoslawienkrieges: Überreste alter Brücken ragten aus dem Fluss und sogar einige der Fährschiffe, welche die Brücken ersetzten, lagen noch am Ufer. Die Brücken wurden als wichtige Verkehrsverbindungen während des Krieges zerstört. Kaum waren wir bei der Burg angekommen, fing es an zu regnen! Also tranken wir zunächst einen Kaffee im Burgcafé.
Danach sahen wir uns die Burg an und bekamen einige Zusatzinfos. Es gab auch noch eine kleine Stadtführung, soweit der Regen es zuließ.
Nach dem Mittagessen machten wir uns auf zum "CK13", dem linken
Jugendzentrum von Schüler Helfen Leben in Novi Sad und gleichzeitig Roses Arbeitsplatz. Rose erzählte uns viel über ihre Tätigkeit und welche verschiedenen Jugendgruppen hier Platz finden. Auch für Aktionen wie Musik- oder Diskussionsabende ist hier Platz. Am Abend wurde wieder gemeinsam gegessen und viel geredet.


Der nächste Morgen war auch schon unser letzter in Novi Sad. Wir besuchten die EHO, eine Hilfsorganisation aus dieser Stadt, die sich zum Beispiel um Roma-Familien kümmert, HIV-Infizierten Unterstützung anbietet oder Menschen mit Behinderungen verschiedene Aktionen wie Computerkurse möglich macht. Nach diesem Besuch fuhren wir mit dem Bus nach Zajecar, was mehrere Stunden dauerte. Spät am Abend kamen wir an und bezogen unsere Zimmer im Hotel. Wir lernten gleich Mitarbeiter der Jugendinitiative Zajecar kennen.
Das High School Zentrum Zajecar war unser erstes Ziel am nächsten Tag. Lehrer gaben uns Führungen durch die einzelnen Gebäude und eine ehemalige Schülerin übersetzte für uns ins Deutsche. Das Schulsystem in Serbien ist anders als unseres, deshalb ist die weiterführende Schule aufgeteilt in Gymnasium und berufsbezogene Schulen. Uns bot sich auch noch die Möglichkeit, mit dem Schülerparlament des Schulzentrums zu reden. Die Medien in Zajecar freuten sich kurze Zeit später, als zwei aus unserer Reisegruppe eine Pressekonferenz zum Thema Schüler Helfen Leben und Sozialer Tag gaben.
Auch das Rathaus in Zajecar lag noch auf unserem Vormittagsplan.
Nach dem Mittagessen besichtigten wir die Räumlichkeiten des neuen Jugendzentrums, das mit den Geldern des Sozialen Tages 2009 gefördert wird. Wir waren von den Räumlichkeiten begeistert und Danko Nikolić von der Jugendinitiative erklärte ausführlich, wie es nach den Umbauarbeiten aussehen wird. Gemeinsam mit ihm und seinen Mitarbeitern ließen wir unseren letzten Abend in Zajecar ausklingen.
Das Stadtmuseum Zajecar und eine Ausgrabungsstätte von römischen Bauten waren unsere letzten Zwischenstopps auf dem Weg nach Pristina. Mit einem Kleinbus machten wir uns auf den Weg in die Hauptstadt des Kosovo. An der Grenze bemerkte man zum ersten Mal konkret den Konflikt der beiden Länder. Während die serbischen Beamten uns keinen Ausreisestempel gaben, bekamen wir vom Kosovo keinen Einreisestempel. Stattdessen gab es eine Karte, die uns die spätere Wieder-Einreise nach Serbien vereinfachen sollte, da Serbien den Kosovo noch nicht anerkennt.
Abends erreichten wir Pristina und sahen uns das Konzert einer Band aus Dresden an, die im Rahmen der Deutschen Wochen dort war. Dies war eine Aktion der deutschen Botschaft.
Good morning Pristina! Diesmal unter anderem auf unserem Plan: Besuch des Parlamentes mit Kurzinformation über die Sitzverteilung und Überblick der Parteien. Auf unserem späteren Weg zur deutschen Botschaft kamen wir an interessanten Plätzen vorbei. Neben einem Ehrenmal für den ehemaligen Präsidenten der Region Kosovo waren Gräber von Kämpfern der kosovarischen Befreiungsarmee.
Der Botschafter nahm sich Zeit für uns und wir sprachen über wichtige Themen wie Visafreiheit.
Nachdem einige von uns noch über den Markt schlenderten gab es wieder das gemeinsame Abendessen und wir gingen früh schlafen.
Über Nacht hatte es geschneit! Mit geteilter Meinung darüber gingen wir frühstücken und brachen danach nach Rahovec auf, der nächsten Station auf unserer Reise. Hier schlief unsere Gruppe in getrennten Häusern, manche im Jugendzentrum von Schüler Helfen Leben, manche in Ansgars Gastfamilie und manche in Ansgars Wohnung. Wir trafen noch am selben Nachmittag Jugendliche aus der Stadt und es entstand eine lockere Atmosphäre. Der Abend wurde abgerundet mit Diskussionen auf Englisch zu Themen wie Perspektiven.
Das gemeinsame Frühstück im Jugendzentrum am nächsten Morgen war unser Abschied von Ansgar, der in Rahovec blieb. Wir fuhren mit dem Kleinbus nach Belgrad und verbrachten dort unseren letzten Abend, gingen essen und redeten. Im Hostel saßen wir dann noch eine Weile zusammen, bevor wir schlafen gingen.
Schon war es Sonntag morgen, wir frühstückten und fuhren zum Flughafen. Die serbischen Grenzbeamten strichen die Kosovostempel in unseren Reisepässen durch, was im Moment aufgrund der Probleme noch "normal" ist. Nach einem Aufenthalt in der stickigen Wartehalle machten wir es uns im Flugzeug bequem und nur 90 Minuten später erreichten wir Stuttgart. Von dort aus verabschiedeten wir uns nach und nach voneinander und der letzte Teil trennte sich schließlich in Neumünster.
Alles in allem haben wir eine Menge gelernt, über die Kultur des Balkan, die Konflikte dort und wie schnell Zeit vergehen kann.




