Anfahrt
Als wir nach einer langen Fahrt endlich in Zagreb aus dem Zug stiegen, erwarteten uns bereits die Auslandsfreiwilligen, die uns mit etwas Essbarem begrüßten und uns auf die letzte Etappe vorbereiteten. Nach weiteren Autostunden trafen wir im SHL-House in Sarajevo ein. Von dort aus unternahmen wir die Ausflüge der ersten Tage. Zudem hatten wir Termine bei der EUFOR, wo wir etwas über die Geschichte des Landes lernten und uns deutsche Bundeswehrsoldaten von den Einsätzen im Land und von ihren Erfahrungen berichteten. Beim Essen tauschten wir uns weiter aus und erfuhren, dass einige das Land genau so in ihr Herz geschlossen hatten, wie wir es auch bald tun würden.
Sarajevo
Am Nachmittag erfuhren wir etwas über die Minenlage im Land, die noch heute sehr bedenklich ist. Danach fuhren wir ins Stadtzentrum und erkundeten die Innenstadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten und genossen zum Abendbrot den besten Cevapci der Stadt. Den Abend verbrachten wir mit Jugendlichen, die in Sarajevo leben, in einer Bar, wo wir uns über das Land und die Leute austauschten. Sie erzählten uns, dass viele nach der Schule in Deutschland studieren wollten, weil sie in Bosnien keine Perspektive sähen. Eine erschreckende Erkenntnis, denn ein Land ohne Jugend ist ein Land ohne Zukunft.
Am nächsten Morgen gingen wir vom SHL-House in das MAC, das Mine Action Center. Von dort aus brachten uns einige Jeeps zu einem Minenfeld etwas außerhalb von Sarajevo. Uns wurde gezeigt, wie man das Gelände von Minen befreit: Eine gefährliche Arbeit und vor allem eine Suche wie die Nadel im Heuhaufen. Doch genau diese Sisyphosarbeit ist so wichtig für das Land, um den Menschen ein sichereres Leben zu ermöglichen.
Nach diesem Erlebnis ging es zurück ins Stadtzentrum, wo wir uns im Office of the High Representative (OHR), mit einem deutschen Mitarbeiter trafen. Er erzählte uns etwas über seine Arbeit und die des Office. In einer anschließenden Diskussionsrunde kamen wir zu dem Schluss, dass Bosnien zwar auf einem guten Weg in eine positive Zukunft sei, es aber noch Unterstützung benötigen würde.
Nach dem Treffen gingen wir zum SHL-Office, wo uns Aida etwas über die Zukunft des Büros und der Arbeit erzählte. Danach fuhren alle wieder zurück ins SHL-House, wo wir unsere Erlebnisse revue passieren ließen und den ersten Teil der Reise bei einem Film ausklingen ließen.
Impressionen aus dem Herbstcamp
Srebrenica
Der dritte Tag in Bosnien war einer der bewegendsten: Am Morgen fuhren wir zum Mahnmal nach Srebrenica. Im Juli 1995 hatte dort das schlimmste Massaker nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden. Dementsprechend war auch unsere Stimmung, während wir das Mahnmal besichtigten. Selbst im Auto auf der Fahrt zum Jugendzentrum nach Krizevici wollte die Stimmung nicht so recht wieder positiver werden. Erst als wir das Jugendzentrum erreichten und die Jugendlichen aus dem Ort kenne lernten, änderte sich die Stimmung und es wurde wieder gelacht. Den Nachmittag verbrachten wir mit den Jugendlichen, indem wir uns die Zeit mit Unterhaltungen und Spaziergängen vertrieben. Man erzählte uns, dass es hier nichts gäbe außer dem Jugendzentrum. Jeden Tag würden sie hier verbringen, denn hier würde man seine Freunde treffen und Spaß haben können. Diese Erkenntnis, dass wir hier gebraucht würden, schliefen wir am Abend ein.
Tuzla
Der nächste Tag brachte unsere Reisegruppe nach Tuzla. Dort besichtigten wir die Tagesstätte für behinderte Kinder und Jugendliche, die SHL unterstütze. Wir bastelten mit den Jugendlichen und erfuhren etwas über die Arbeit in dem Zentrum. Anschließend sahen wir uns das Zentrum der Industriestadt an, bevor wir wieder nach Krizevici zurück fuhren. Dort packten wir wieder unsere Koffer, denn am nächsten Tag sollte es weiter nach Novi Sad gehen.
Novi Sad
Am nächsten Nachmittag kamen wir dann in Novi Sad, der Hauptstadt der Vojvodina an. Wir bezogen unser Hostel und machten uns auf den kurzen Fußmarsch zum CK13, einem Zentrum gegen Rechtsextremismus, welches von SHL mitfinanziert worden war. Anne, die dortige Freiwillige, führte uns durchs Haus und erzählte uns von den Aktivitäten. Am Abend hatten wir dann frei. Einige jedoch sahen sich die Filme im CK13 an, andere wiederum erkundeten die Stadt.
Der zweite und zugleich auch letzte Tag in Novi Sad begann mit Sightseeing, bevor wir und mit dem Bus in einen Vorort aufmachten, um eine dort ansässige Roma-Organisation zu besuchen. Dort erfuhren wir etwas über die missliche Lage der Roma auf dem Balkan: Die Ablehnung und Diskriminierung gegen die Volksgruppe war noch immer drastisch und Integration lag in der Ferne.
Am Abend war im Sozialzentrum CK13 ein Konzert. Es wurde viel getanzt und gefeiert, sodass das Aufstehen am nächsten Tag nicht allen leicht fiel.
Belgrad
Mit dem Bus ging es dann weiter zu unserer letzten Station der Reise - Belgrad. Wir besichtigten die Stadt auf eigene Faust und genossen die letzten Stunden auf dem Balkan. Nach einer abendlichen Feedbackrunde verließen wir das Hostel für einen letzten gemeinsamen Abend.
Im Flieger am nächsten Tag dachte ich noch einmal an eine tolle Zeit auf dem Balkan zurück. Ich wusste, dass ich nochmal wiederkehren würde, da mich das Gebiet und die Menschen in ihren Bann gezogen hatten.














