Otvorena Kuhinja- der letzte Coup

von Rose Simon, 19 Jahre
aus Novi Sad, Serbien
Projekt Ck13
12.09.2010 14:12 Alter: 2 Monat(e)

Die letzten drei Monate gab es im Büro und auch in meiner Freizeit kaum ein anderes Thema als die "kuhinja" zu Deutsch "Küche".


Ein bisschen was zur Vorgeschichte:

Bei dem Seminar "Wie Freunde über Nacht zu Feinden wurden" (28.3.-9.4.10) haben wir deutlich gemerkt, wie viel besser es gewesen wäre, eine funktionstüchtige Küche zu haben. So hatten die Vegetarier und Veganer in der Gruppe oft ein Problem in dem Restaurant, wo wir unser Mittagessen gegessen haben, weil diese alternative Form der Ernährung in Serbien einfach nicht verbreitet ist. Außerdem ist die Küche irgendwie immer das Herz eines Hauses.

Daraus wuchs die Idee, Geld und Zeit in den Raum im CK zu investieren, der eigentlich auch einmal als Küche geplant war und alle Voraussetzungen erfüllt.

Doch einfach nur Renovierungsarbeiten zu organisieren ist nicht das, was ich mir- und was sich auch alle anderen SHL-Freiwilligen-zur Aufgabe gemacht habe.


Im ersten Küchenkonzept hatte ich meiner Koordinatorin Hannah geschrieben: "[...]außerdem gibt es schon seit längerem die Vision, im CK13 eine Volxküche (VoKü) einzurichten.", worauf die Antwort kam: "Na, das ist doch dein Projekt!"(nicht ganz wörtlich zitiert).

Und so kam es zu Stande, dass sich das ganze Team (wirklich das GANZE Team) des CK 13s vorgenommen hatte, eine Volxküche einzurichten.


Natürlich lief nichts so, wie nach dem ersten Plan, aber das ist wahrscheinlich überall so.

Niemand wollte uns eine Holztür einbauen- wir brauchen eine Tür, um das Büro von der Küche abzutrennen, also musste doch eine Plastiktür her.

Die Keramiker, die uns die Wände verfliest haben, kamen und gingen, wann sie wollten.

Der obligatorische Voher-Nachher-Vergleich:

 

 

 

 

Was wir eigentlich für so eine Küche brauchten, wurde auch lange und ausgiebig diskutiert und gefühlte 100 mal geändert. Schließlich haben wir uns aber entschieden, den Sandwichtoaster vom Budget zu streichen und doch lieber Töpfe zu kaufen, die 25 Liter fassen. Unterstützt wurden wir bei allen Schritten von unserem befreundeten Koch Branko (der aus seinem Nachnamen ein großes Geheimnis macht).

 


 

 

Am Montag hatten wir eine Pressekonferenz, um den Journalisten noch einmal genau unser Konzept zu erklären. VoKüs sind hier nämlich eher unbekannt und es war uns sehr wichtig, dass allen den Unterschied zwischen Suppenküche und Volxküche verstehen.

Deshalb haben wir uns als Ziel gesetzt:


  • Essen wertzuschätzen

  • eine Alternative zu Fastfood zu sein

  • Essen gemeinsam zu genießen

  • dagegen vorzugehen, dass Läden am Ende des Tages gutes Essen wegwerfen

  • dabei keinen Profit zu machen


Am Mittwoch war es dann soweit, die die Küche sollte mit einer ersten VoKü und einem Konzert von Red Union, einer bekannten Punkband aus Novi Sad, eröffnet werden.


Ab 13h kamen die ersten Freiwilligen ein und fingen fleißig an zu schnippeln und zu kochen.

Wir hatten vorher auf unserer Website mit dem Spruch: "Mögt ihr schneiden, rühren, mischen, kochen und all das gewürzt mit Aktivismus?" dazu aufgerufen, dass wir noch Unterstützung für die Küche brauchen. Es hatten sich circa 15 Leute gemeldet, von 13 bis 30 Jahren war alles dabei und was mich besonders gefreut hat war, dass es zu 90% neue Gesichter im CK waren.

Das Essen sollte im Hof stattfinden, und wir waren einfach davon überzeugt, dass es nicht regnen würde. Gott sei Dank tat es das auch nicht und wir konnten pünktlich um sieben (also um viertel nach sieben) die ersten Essen ausgeben. Es gab aktivistische Bohnen, gebacken und gekocht, dazu gekochte Maiskolben, Kohlsalat und Brot.

 

 

 

Im verlaufe des Abends waren über 60 Leute da, soviel, wie noch bei keiner Veranstaltung, die ich mit organisiert habe.

 

 

 

 

 

 

 

Die Stimmung war gut, das Essen hat gereicht, war pünktlich fertig und nicht verbrannt

(alles meine Alptraumversionen aus den Nächten davor)

und auch wenn das unrealistisch klingt, war eigentlich alles gut.


 

 

 

Das war also mein letzter Coup hier in Novi Sad, am Mittwoch fahre ich wieder nach Hause.


ich bedanke mich hiermit noch mal bei allen, die geholfen haben dieses Projekt zu verwirklichen und auch bei allen, die mich sonst über das Jahr in irgendeiner Weise unterstützt haben.

hier noch einige Liks zu Artikeln über die "Otvorena Kuhinja", alle in BKS: