Meine erste orthodoxe Hochzeit
Am Sonnabend war ich das erste mal auf einer serbisch-orthodoxen Hochzeit.
Ich hatte das Glück, dass meine gute Freundin Verica die Trauzeugin war, so dürfte ich auch dabei sein. Theoretisch darf natürlich jeder in die Kirche kommen, aber man fühlt sich ja schon irgendwie fehl am Platz auf einer fremden Hochzeitsfeier.
Es war viel Trubel und deshalb hatte niemand so richtig Zeit mir alles zu erklären. Daher kann ich schildern, was ich gesehen und gehört habe, aber vieles nicht erklären.
Zunächst kam das Brautpaar und die Trauzeugen mit einem blumengeschmückten Auto vor die Kirche gefahren. Dort warteten schon die meisten Gäste und eine Gruppe von Romamusikanten, die auch sofort anfingen zu spielen. "Buchen" tut die eigentlich niemand, aber für sie ist es eine gute Möglichkeit etwas Geld zu verdienen, am Tag seiner Hochzeit will man schließlich nicht geizig sein. Deshalb sieht und hört man sonnabends vor jeder orthodoxen Kirche in Novi Sad Balkan-Zigeuner-Blechblaskapellen. Ich persönlich bin eher etwas genervt davon, aber das liegt glaube ich daran, dass ich es mindestens einmal die Woche hören muss und die Musiker oft auch nicht besonders gut sind.
Alle Gäste hatten einen Rosmarinzweig an ihre Brust geheftet. Das soll der Ehe Glück bringen.
Dann sind wir in die Kirche gegangen. Dort erwartete uns der Priester in weißem Gewand mit blauen Kreuzen drauf. Sein Umhang war aus dickem Stoff und er muss mächtig geschwitzt haben, denn selbst mir im Sommerkleid war unglaublich warm. Allerdings hatte ich mir auch noch ein Tuch umgelegt, weil ich dachte in Gotteshäusern gehört sich das so. Komischer Weise war ich fast die einzige mit bedeckten Schultern. Aber ich hätte mir es eigentlich denken können, dass die meisten serbischen Frauen es sich nicht nehmen lassen, ihre minikurzen und natürlich auch schulterfreien Kleider anzuziehen, wenn sich schon mal so eine Gelegenheit wie eine Hochzeit bietet.
Die ganze Zeremonie dauerte nur circa eine halbe Stunde, was mich einerseits überrascht hat, andererseits auch gut war, weil es wie schon erwähnt sehr heiß war und man in orthodoxen Kirchen immer den gesamten Gottesdienst steht. Nur für Alte, Schwangere und Kinder gibt es an beiden Seiten ein paar Stühle.
Es wurden viele Gebete gesprochen, wobei ich leider nichts außer "Bog"(= Gott), "gospod"(=Herr) und die Namen der Eheleute verstanden habe. Alle Gebete wurden vom Priester gesprochen und ab und zu kam eine Antwort aus dem vorderenTeil der Kirche. Wahrscheinlich war der Mann, der die Antworten gegeben hat, hinter der Ikonenwand, zumindest konnte ich ihn nicht sehen.
Die Beter haben die ganze Zeremonie über nichts gesagt, gesungen oder gemacht, bis auf das Bekreuzigen. Das gleiche ist mir auch schon bei dem Ostergottesdienst, den ich besucht hatte, aufgefallen, nämlich dass die Beter völlig passiv bleiben.
Dann hat der Priester beiden Eheleuten den Ring aufgesteckt und alle drei sind etwas näher an die Beter und Gäste herangekommen.
Hier wurde dann die eine Hand des Ehemanns mit der einen Hand der Ehefrau zusammengebunden, beiden eine Krone aufgesetzt, Wein gegeben und die obligatorische Frage (nehme ich an) gestellt. Allerdings hat der Priester zwei Fragen gestellt. Auf die erste war die Antwort: "imam( habe ich)" und auf die zweite"nisam( bin ich nicht)".
Was genau gefragt wurde, habe ich leider nicht verstanden.
Dann ist der Priester weihrauchschwenkend in der Kirche herumgegangen und das Ehepaar ist ihm gefolgt. Dabei hat ein weiter Kirchenmann(diesmal konnte man ihn sehen) ein Lied gesungen. Seltsamer Weise hatte dieser Kirchenmann kein Gewand, sondern ein ausgewaschenes schwarzes T-Shirt an. Gesungen hat er aber schön. Allgemein gibt es in der orthodoxen Kirche keine Instrumente, sondern nur Gesang.
Zum Schluss wurden viele Fotos geschossen und dann bin ich auch schon gegangen. Aber sicherlich wurde, wie eigentlich überall auf der Welt, an diesem Abend noch viel gefeiert.



