Willkommen in der Gastfamilie

von Patricia, 18 Jahre
aus Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
Projekt SHL Office Sarajevo
05.09.2010 12:14 Alter: 2 Monat(e)

Zu Beginn einer jeden Auslandsfreiwilligenzeit bei SHL steht der Gastfamilienaufenthalt. Drei Wochen leben wir Freiwilligen in Familien und bekommen täglich Sprachunterricht, um uns in dem Land, in welchem wir die nächsten dreizehn Monate verbringen werden, einzuleben.

Ich habe das große Glück bei einer wundervollen Familie in Zentralbosnien besser gesagt in der Kleinstadt Gornji Vakuf / Uskoplje wohnen zu dürfen. Na ja, um ehrlich zu sein nicht direkt in der Stadt, aber man kann sagen in der Nähe - nicht mehr ganz so fußläufig - in dem kleinen Dorf Dolac. Ich denke Dolac ist mit einem Wort sehr treffend und genau zu beschreiben: ruhig. Wenn ich es mit mehreren Wörtern beschreiben darf, dann wohl mit diesen: Wald, Wiesen, Berge, Bach, Tal und grün.  Meine Gastfamilie hat hier ein urgemütliches Haus mit einem großen Stück Land und einem Garten, was dazu führt, dass ich hier nicht nur fleißig Vokabeln sondern auch das Ernten von Bohnen lerne.

 

Neben vielen Erfahrungen haben sich auch schon einige andere Dinge, während meinen ersten zwei Wochen hier abgezeichnet:

1. Du bekommst als Gast immer die doppelte Portion an Essen serviert.

2. Wenn du die Frage "Möchtest du noch?" mit  "Nein" beantwortest, folgt die Frage  "Warum?".

3. Auf die Frage "Warum?" ist "Ich weiß nicht!" - auch wenn es die wenigen Wörter sind, die du schon kannst - keine legitime Antwort.

4. Einer der ersten Sätze, die du lernen solltest, ist: "Ja sam cita!" - "Ich bin satt!"

5. Eine Einladung auf einen bosnischen Kaffee sollte man nur einmal am Tag ausschlagen, sonst folgt die Frage "Warum?" auf die "Ich weiß nicht!" und "Ich bin satt" beides keine passenden Antworten sind!

Das Alles sage ich mit einem breiten Lächeln im Gesicht und hoffe, dass die bosnische Gastfreundlichkeit und die große Herzlichkeit, mit der ich hier aufgenommen worden bin, deutlich geworden sind. In Bosnien und Herzegowina werden alle Verwandten, Freunde, Nachbarn oder eben auch Fremde wie ich immer auf das Wärmste empfangen und umsorgt. Diese Lebensart spiegelt sich dann auch im allgemeinen Tagesablauf wieder. Jeden Tag kommen Besucher, manche auch gerne mehrmals und gemeinsam wird geplauscht, bosnischer Kaffee getrunken und mit viel Ruhe der Tag und das Leben angegangen. Im Gegenzug müssen natürlich die anderen auch besucht werden und so befindet man sich oftmals auf dem Weg von seinem ersten Kaffee zu seinem zweiten, setzt Zuhause den Dritten und Vierten auf... Für mich endete damit in der Gastfamilienzeit das "kaffeefreie" Leben und auch ich gehöre nun zu den Anhängern und Liebhabern des traditionellen "bosanska kava". Dieser Kaffee und seine Zubereitung sind eigentlich einen eigenen Blogeintrag wert. Zu Beginn reicht es aber zu wissen, dass dieser Kaffee stets frisch zubereitet wird und ein sehr viel intensiveres Aroma hat als der Kaffee in Deutschland.

Und auch jetzt wird es langsam für Euch und auch mich Zeit, nach dem vielen Tippen und Lesen, eine kleine Kaffeepause einzulegen!

Vidimo se,

Eure Patricia