F O P !
In der Welt der SHL Abkürzungen, inmitten von PAT's, AT's, ST's, EVA's, FW's, MV's und vielen anderen, die mir gerade nicht einfallen wollen, beschäftigen mich drei Buchstaben ganz besonders: F - O - P.
Der FOP ist unser "Fond za omladinkse projekte" (Fond für Jugendprojekte), den das Stiftungsbüro SHL Sarajevo betreut und der seit 2009 Jugendliche in ganz Bosnien und Herzegowina dabei unterstüzt eigene Projektideen zu verwirklichen.
In Bosnien und Herzegowina leben knapp 53% der Bevölkerung in ländlichen Gebieten. Dort werden den Jugendlichen kaum Möglichkeiten geboten sich aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen. Die meisten Organisationen, staatliche sowie nicht-staatliche, haben ihren Sitz in den größeren Städten BiH's. Auf dem Land bleibt den Jugendlichen daher, neben sportlichen Aktivitäten oder dem gewöhnlichen Ausgehen auf einen Kaffee, kaum Raum sich gesellschaftlich zu enagieren. Genau diese Jugendlichen möchte SHL erreichen und ihnen die Möglichkeit bieten ihre Ideen umzusetzen.
Der FOP unterstützt einzelne Jugendliche, Jugendgruppen aber auch etablierte NGOs bei der Umsetzung von Projekten durch Finanzhilfen. Dabei hat SHL im letzten Jahr über 40.000 Euro in verschiedenste Projekte investiert: Festivals, Seminare, kreative Workshops, Theatervorführungen, Versöhnungsarbeit, etc. Ab 2011 können sich Jugendliche und Jugendgruppen jeden Monat mit Projekten bis zu 500 Euro, etablierte NGOs sogar mit bis zu 2000 Euro bewerben. Die Projekte werden dann von dem Büro SHL Sarajevo ausgewählt und unterstützt!
Als Freiwillige im SHL Office haben wir die spannende Aufgabe FOP Projekte während ihrer Durchführung zu besuchen...
Meine Reise zu einem FOP-Projekt beginnt meistens mit einem Stop an der Tankstelle, da der Tank des SHL Autos irgendwie immer leer ist. Dem Tankwart (in BiH gibt es keinen Self-Service) den Wunsch nach Diesel übermittelt, holt mich meine Tollpatschigkeit ein: Die Wasserflasche entleert sich in meinen Armen und der Tankwart hat einen lachenden Start in den Tag. Die Tankstelle, mit noch leicht rotem Kopf, verlassen, bemerke ich 500 Meter weiter, dass ein weiterer SHL Sarajevo Fluch mich eingeholt hat: Es gibt kein Scheibenspritzwasser mehr. Auf früheren Erfahrungen aufbauend habe ich aber eine Flasche Leitungswasser in der Handtasche untergebracht und mit wenigen (schon sehr geübten) Handgriffen wird das Wasser nachgefüllt. Endlich befinde ich mich also - fahrtüchtig - auf dem Weg nach Srebrenik, ein letzter Blick auf die Route, die mir sagt: "Immer geradeaus!". 160km und 3 Stunden später, habe ich den Schnee, Eis, Stau und eingefrorene Scheibenwischer hinter mich gebracht und fahre im Schulzentrum in Srebrenik auf den Parkplatz - nachdem ich zuvor eine Gruppe unschuldiger Schüler angehupt und um Hilfe gebeten habe. Direkt findet mich Majda, die 16jährige Projektkoordinatiorin, und lädt mich erstmal zu original Srebrenik-Čevapi ein - wie sie sagt, die besten in BiH - bevor wir uns auf zu ihrem Projekt machen. Bei Majda's Projekt geht es darum die Schülervertretung des Schulzentrums einmal zusammenzubringen. Weder kennen sich die 120 gewählten Vertreter noch haben sie schon einmal alle zusammen gearbeitet. In verschiedenen Kleingruppen diskutieren sie Teamarbeit, Kommunikation und Freiwilligendasein, eine Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit der SV wird geschaffen. SHL bzw. der FOP unterstützt Majda durch die Übernahme der Materialkosten, insgesamt mit 250 Euro. Während der Workshops darf ich natürlich auch mitmachen. Auch in Srebenik findet die Tradtion der Energizer einen gewissen Anklang: Ein imaginärer Hase wird herumgereicht und jeder muss diesen an eine bestimmte Körperstelle küssen (Gut, dass ich das bosnische Wort für Bauch beherrsche). Nach der Runde verkündet Majda, dass nun jeder den links stehenden Partner an die gleiche Stelle küsst wie den Hasen. Das Mädchen rechts von mir schlägt die Hände über den Kopf zusammen und sagt mir auf Englisch, dass sie den Hasen auf die Lippen geküsst hat. Na ja, noch nie wurden kulturelle Grenzen so schnell ab- und der Körperkontakt aufgebaut, direkt war ich ein vollwertiges Mitglied der Gruppe... Die Zeit während des Workshops verfliegt schnell und nach der letzten Runde "This is the love-train, this is the love-train..." kam nun der eigentliche Teil Arbeit auf mich zu. Gemeinsam mit Majda galt es die FOP Finanzrichtlinien einmal durchzusprechen, mögliche Probleme und das weitere Verfahren mit schriftlichem und Finanzbericht zu klären. Die letzten Rechnungen diskutiert, Beweisfotos geschossen und schon setze ich mich bei -6 Grad Celsius und beginnender Dämmerung wieder ins Auto, schalte mein "Balkan Mixed Tape" an und steure zurück nach Sarajevo. Glücklich parke ich drei Stunden später das Auto vor der WG und gehe Abendessen einkaufen. Mein Tag und mein FOP Projektbesuch enden damit, dass ich nach über 300 km vereisten Straßen vor meinem heimischen Einkaufsladen ausrutsche und auf die Nase fliege.
Dobro do?la u Sarajevu!
