Kaffeeklatsch mit der Ordnungsmacht

von Nikolai Schnarrenberger, 20 Jahre
aus Sarajevo, Bosnien
Projekt Schülervertretungsbereich
16.10.2009 11:10 Alter: 3 Monat(e)


... was hatten wir für ein Glück im Unglück. Zwar war das Zündschloss völlig demoliert und das Türschloss aufgebrochen, aber es waren Profis gewesen die keine weiteren Spuren hinterlassen hatten. Ach ja, und das Beste: Unser Auto stand noch dort wo Aida es geparkt hatte, zwischen einem belebten Wohnhaus und einer Einkaufspassage. ?kodas scheinen beliebt zu sein. Erst kürzlich seien zwei Autos dieses Typs in einem anderen Viertel der Stadt verschwunden, erklärte uns ein Taxifahrer. Dabei gab es wirklich rein gar nichts, an unserer netten alten Kiste, das es sich zu klauen lohnen würde..

- "Nein, aber es lohnt sich das Auto wieder an seinen Besitzer zurückzuverkaufen", wurde ich aufgeklärt. Man darf keine Hoffnung in die Polizei haben, viel wahrscheinlicher sei es, einen Anruf der Gauner zu erhalten, wo und wie man sein Auto wiederbekommen könne. Gegen die entsprechende Summe versteht sich.

Doch "unsere" Autoknacker hatten kalte Füße bekommen, vermutete einer der drei Beamten, die nach rekordverdächtigen fünf Minuten am Tatort ankamen. "Wenn ein Einbrecher das Auto innerhalb weniger Minuten nicht zum laufen bekommt ist das Risiko erwischt zu werden viel zu groß!"

Die drei tüchtigen Polizisten besahen sich den Ort des Verbrechens mit der gebotenen Scharfsichtigkeit, notierten wichtige Dinge und rauchten. -Ein klarer Fall für die Forensiker. Auf die galt es nun zu warten...

Aber natürlich darf man sich als gewissenhafter Polizist während der Wartezeit nicht vom Tatort entfernen, was für ein dummer Gedanke.

Also saßen wir wenige Minuten später mit drei netten Polizisten bei einer Tasse Kaffee und ich lernte an diesem Tag, was es heißt ein Polizist in Bosnien und Herzegowina zu sein: Selbst wenn man als Polizist seine Arbeit gut machen würde, selbst wenn man Gauner, Ganoven, Betrüger und Schurken schnappen und überführen würde, selbst wenn man sie vor ein Gericht stellen und verurteilen würde, selbst dann könnte man ihnen am nächsten Tag wieder auf der Straße begegnen. "Die Gefängnisse sind einfach völlig überfüllt hier", erklärte Aida.

Das hat sogar vom Justizministerium festgestellt. Es klagt über zu wenige Gefängnisplätze und enormes Missmanagement. Kein Wunder also, dass man von Zeit zu Zeit von spektakulären Ausbrüchen lesen kann.

Doch um auszubrechen müsste man es überhaupt erst einmal schaffen hinter Gitter zu kommen. Viele verurteilte Verbrecher warten zunächst noch ein paar Jahre in Freiheit bis sie ihre Strafe absitzen dürfen. -Einen besonderen Umgang mit Gefangen hat auch das Gefängnis in Tuzla: Da eine durchgehende Belegung der Zellen zu kostspielig wäre, werden die Sträflinge über das Wochenende kurzerhand nach hause geschickt und müssen sich erst montags wieder melden.

 

... doch keine Sorge bei all den Hiobsbotschaften:

 

Es geht uns gut! -und sogar unter Auto wurde (noch) nicht geklaut!