Tag 3 - Hin- und Hergerissen zwischen sämtlichen, fühlbaren Emotionen
Zuerst begann der Tag, zumindest in unserem Zimmer, sehr fröhlich. Jakob, Thomas und ich hatten einen super Zeitplan beim Duschen eingerichtet und konnten unsere Bedürfnisse in Rekordzeit zufrieden stellen. Der gemeinsame Tag begann dann um 9 Uhr morgens. Nach einer Besprechung erfolgte die traditionelle "Ist-Was-Runde". Nachdem wir diese beendet hatten ging es auch schon los. Wir gingen zusammen zum Treffpunkt, um uns mit einem Mitarbeiter von ARSIS (Die Organisation, die sich mit den Straßenkindern Tiranas befasst) zu treffen.
Wir gingen zu einem der beiden Jugendzentren, in denen die Freiwilligen und Angestellten von ARSIS arbeiten, um uns die aktuelle Lage anzuschauen. In einem Stuhlkreis erörterten wir Probleme, Lagebedingungen und die allgemeine Situation um die Organisation ARSIS. Nach der Einführung in die Organisation machten wir uns auf den Weg nach draussen. Dort begegneten uns schon einige Straßenkinder, die im Sand spielten und am Zaun herumturnten. Die Betreuer gingen sehr, sehr liebevoll mit den Kindern um, so dass mein Eindruck ein sehr positiver war. Nachdem wir uns draußen einige Zeit aufhielten machten wir uns auf den Weg zum 2. Standort der Organisation. Im Herzen von Tirana kamen wir an einem sehr neuen Gebäude an, das mit Kindern, vor allem Roma-Kindern, belebt war. Wir ließen es uns nicht nehmen, mit den Kindern einige lustige Spiele zu spielen. Tischtennis, Rumtoben, Malen und Stibitze-den-Ball-aus-der-Hand standen auf dem Programm.
Social Games in der Roma-Community
Zudem fragten wir die Betreuer Löcher in den Bauch. Die sie mit viel Ruhe und sehr ehrlich beantworteten. Etwas ausgepowert machten wir uns wieder auf den Weg zu den Autos, um die Situation der Roma-Familien in einer Community hautnah zu erleben.
Dieses Erlebnis lässt sich nur sehr schwer beschreiben. Selbst Bilder finden nicht genug Worte, um die vorhandene Situation zu erklären. Es gingen extrem viele Gefühle und Gedanken durch den ganzen Körper. Man war teilweise so weit seine eigene Rolle in dieser Situation zu hinterfragen. Nachdem wir einen kleinen Rundgang durch das Slum gemacht haben und mit der Erlaubnis der dort lebenden Roma-Familien in einige Hütten Einblick haben durften, verbrachten wir mit den Kindern eine lange Zeit, indem wir Energizer und sonstige schöne Sachen spielten. Das war absolute das größte Geschenk, das wir den Familien machen konnten.
Social Games
Die Kinder waren sehr glücklich, dass wir mit ihnen Zeit verbrachten und sie zum Lachen bringn konnten. Zudem haben wir noch einige Kleidungsstücke verschenkt, die wir im Vorfeld aus Deutschland mitgebracht hatten. Nachdenklich und voller Gefühle verliessen wir das Slum. Sehr wichtig war am Abend die Diskussionsrunde, um gewonnene Eindruecke besser verarbeiten zu können.
Bis die Bilder aber verarbeitet sind, wird es noch eine sehr lange Zeit bedürfen, auch wenn die Fahrer versucht haben uns die oben beschriebenen Sachen durch einen sehr Balkan-technischen Fahrstil aus den Köpfen zu schütteln.
Mit besten Grüßen aus dem sehr sonnigen Tirana
Meik


