Tag 4 - Samstag, 23.04.2011
Nach dem täglichen Schoko-Croissant ging es los zu einem weiteren Jugendzentrum. Nach dem Projektbesuch von ARSIS am Freitag war dies eine ganz neue Erfahrung, da hier die Zielgruppe keine Roma-Kinder waren, sondern sich das Jugendzentrum zwar an Jugendliche mit einem schwierigen familiären Hintergrund richtet, aber dabei nicht explizit auf die Roma eingeht. Nachdem uns eine Psychologin, die verschiedene Workshops anbietet in die Arbeit des Jugendzentrums eingeführt hat, kam auch noch die Ärztin des Projekts hinzu und wir hatten die Gelegenheit alle Fragen, die wir hatten zu stellen. Zusammengefasst bietet das Projekt eine Plattform für die Jugendlichen, wo sie sich treffen und austauschen können, über persönliche Probleme sprechen können und in Workshops etwas über verschiedene Themen wie den Umgang mit häuslicher Gewalt oder AIDS erfahren können. Gegen halb zwei kamen dann auch die ersten Jugendlichen, die einen Workshop im Jugendzentrum besuchen wollten. Hier hatten sowohl wir die Gelegenheit den albanischen Jugendlichen alle möglichen Fragen über ihr Leben und ihre Zeit im Jugendzentrum zu stellen, waren aber auch überrascht von der Offenheit der Fragen, die uns die albanischen Jugendlichen stellten. Diese waren vor allem an der Arbeit von SHL interessiert und fragten uns auch, ob wir es denn nicht auch irgendwann einmal satt haben werden, Projekte im Balkan zu unterstützen.
Auf dem Weg zu unserer Partnerorganisation DIGE
Nach dieser aufregenden und interessanten Fragerunde machten wir uns auf dem Rückweg zu unserem Hotel und machten dabei noch einen kurzen Halt an einem albanischen Fast-Food-Restaurant. Zurück am Hotel mussten wir auch nicht lange warten, als auch schon unser Experte für die Zeit des Kommunismus in Albanien kam und wir uns zusammen mit ihm und der Psychologin des Jugendzentrum, die für uns übersetzte, an einen Tisch setzten. Gerade diese Kombination aus einem Dolmetscher und einem Experten machte für uns das Gespräch besonders interessant, weil man nicht nur den Worten folgen konnte, sondern dabei auch noch die Mimik des Experten zu beobachten war, besonders wenn dieser über persönliche Erlebnisse berichtete. Unser Experte war ein Elektroingenieur, der für ein albanisches Stromversorgerunternehmen arbeitete, viele Kinder hatte, die auch teilweise im Ausland studierten und der so, wie er vor uns saß, einen zufriedenen und ruhigen Eindruck machte. Interessiert hörten wir ihm zu, als er uns in einer kurzen Einleitung über die Ereignisse des Kommunismus in Albanien berichtete.
Projektbesuch bei DIGE
Danach konnten wir auch noch viele Frage stellen und erfuhren dabei, dass die kommunistische Zeit durch einen intensiven Aufbau der Infrakstruktur in vielen verschiedenen Bereichen wie dem Gesundheitswesen nicht nur Schlechtes nach Albanien gebracht hat. Nichtsdestotrotz war aber doch in all den Antworten zu erkennen, dass diese Zeit insgesamt nicht positiv für die albanische Bevölkerung war, weil mit ihr auch willkürliche Verhaftungen, STASI-ähnliche Zustände und viele andere Missstände wie die Enteignung der Landwirtschaft einhergingen. Doch nicht nur über die kommunistische Zeit, sondern auch über die aktuelle politische Situation Albaniens, wo am 8. Mai die nächsten Kommunalwahlen stattfinden, konnte uns unser Experte einiges berichten. Wir verbrachten einige interessante Stunden mit ihm und verabschiedeten ihn wahrscheinlich deshalb besonders herzlich.
Bild der Jugendlichen zum Thema häusliche Gewalt
Besonders hervorzuheben ist für diesen Tag unserer Albanienreise ein weiteres Mal der große Kontrast. Doch heute lag dieser auf einem anderen Fokus, nämlich dem Kontrast zwischen der Geschichte Albaniens und den aktuellen Interessen und Themen der albanischen Jugendlichen heute.


