Mit dem Bus hinein und heraus aus dem Kosovo

von Christin Bimberg, 26 Jahre
aus Rahovec/Orahovac, Kosovo,
Projekt Jugendzentrum
30.05.2010 18:27 Alter: 2 Monat(e)

Da Flüge nach Pristina entweder sehr teuer sind oder man sie sechs Monate im Voraus buchen muss (dann sind sie manchmal noch bezahlbar), ziehe ich die Variante vor, auf dem Landweg in und aus dem Kosovo zu reisen. Und da es im Kosovo nur eine internationale Zugverbindung gibt (nach Skopje, Mazedonien), nehme ich immer den Bus. Es gibt von Prizren und Pristina mehrmals am Tag eine Direktverbindung nach Belgrad, für welche der Bus etwa 8 Stunden braucht. In beide Richtungen bin ich bisher immer mit einem Nachtbus gefahren. Wenn der Bus nicht so voll ist, sind die Fahrten eigentlich immer recht angenehm. Es kommt aber auch schon mal vor, dass der Busfahrer die ganze Nacht über serbische Volksmusik in einer Lautstärke laufen lässt, dass es nicht einfach ist zu schlafen...

Am interessantesten wird es aber immer an der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo. Es kommt dann ein Grenzbeamter durch den Bus und prüft die Pässe der Fahrgäste. Die meisten Leute in den Bussen sind (kosovarische) Serben und haben damit einen serbischen Reisepass, der weder bei den serbischen noch bei den kosovarischen Grenzbeamten größere Beachtung findet. Mein Pass allerdings muss immer wieder registriert werden. Dass heißt, der Grenzbeamte nimmt meinen Pass mit raus aus dem Bus in sein kleines Häuschen und ich bekomme ihn dann nach ein paar Minuten wieder. Damit halte ich den Bus also immer ein paar Minuten auf - und das mitten in der Nacht. Einmal dauerte es sogar etwa 10 Minuten, weil dem serbischen Grenzbeamten meine kosovarischen Einreisestempel nicht gefielen und er erst sicher gehen mußte, dass mein letztdatierter gültiger Einreisestempel keiner aus dem Kosovo ist, denn sonst hätte er mich nicht nach Serbien einreisen lassen (Eine Einreise in den Kosovo stellt für die Serbien ein illegales Betreten serbischen Gebietes dar und man darf deshalb nicht über den Kosovo nach Serbien reisen.). Nachdem ich dem Grenzbeamten aber dann vergewissert habe, dass mein letzter gültiger Einreisestempel ein serbischer ist, habe ich dann doch noch meinen Pass wiederbekommen und durfte weiterfahren.

Eine andere ziemlich seltsame Begebenheit, die ich einmal miterlebt habe, war das Bustauschen nachts um etwa 2 Uhr. Es war kurz nach Ostern und ich war auf meiner Rückreise in den Kosovo. Plötzlich hielten wir fernab von jedem Dorf an und der Busfahrer sagte, wir sollen alle aussteigen und unser Gepäck mitnehmen. Aufgewacht durch das plötzliche Anschalten des Lichts, wusste ich erst nicht, was los war und tat einfach, was alle anderen machten. Dann sah ich einen anderen Bus kommen, aus dem auch alle Leute ausstiegen. Wir luden dann einfach unser Gepäck in den anderen Bus, stiegen ein und fuhren nach ein paar Minuten (die Busfahrer brauchten schließlich ihre Zigarettenpause...) weiter. Der Bus, in dem wir nun saßen, war ein wenig kleiner als der, aus dem wir kamen. Und gerade dadurch konnte ich mir ein wenig zusammenreimen, warum wir in einem anderen Bus weiterfuhren. In dieser Nacht wollten viel mehr Leute nach Belgrad und der Bus aus Prizren war sehr voll, während in unserem fast gähnende Leere herrschte. Also waltete Pragmatismus und es wurden einfach die Busse dort getauscht, wo sie sich begegneten. Zumindest glaube ich bis heute, dass das der Grund für das mehr oder weniger unfreundliche Wachmachen mitten in der Nacht war...