Balkan, Balkan, Balkan, ovo je Balkan

von Niklas Kaapke, 19 Jahre
aus Neumünster, Deutschland
Projekt Bundesbüro

VON: NIKLAS KAAPKE

26.09.2011 20:00 Alter: 234 Tag(e)

Vom 22. September bis zum 05. Oktober 2011 dürfen die Deutschlandfreiwilligen aus dem Bundesbüro von SHL zwei Wochen Balkan pur erleben. Der Auftrag: Projekte von SHL und Südosteuropa kennen lernen. In diesem Blog lassen sie euch an ihren Erlebnissen teilhaben.

 

Mittwoch, 05.10.2011 und Donnerstag, 06.10.2011

Da ich (Niklas) freiwillig die alternative Balkan-Bus von Skopje für die Heimreise gewählt habe, folgt hier eine kleine Darlegung meines Abenteuers.

8:00 Uhr: Laut Plan fährt der Bus nun ab. Doch ich seh ihn nicht. Ich schiebe Panik. Die Frau am Schalter sagte doch er fährt von Station 1, 2, 3 oder 4?!

8:15 Uhr: Was nun? Irgendjemand muss hier doch auch nach Deutschland fahren. Vielleicht sollte ich jemanden Fragen...

8:30 Uhr: Ein großer Bus fährt ein. Ja der ist es! Ich bin jedoch sehr verdattert, als ich merke, dass nahezu alle Leute aus dem Busbahnhof da rein wollen. Was wollen die alle in Deutschland?! Meine Hoffnung auf zwei Sitze für besseren Schlafkomfort zerschlagen sich sofort. Was soll's ... Auf geht's nach "Minhen" (zu Deutsch: München)

9:00 Uhr: Ich esse ein Schokocroissant, das ich zuvor am Busbahnhof als Marmeladencroissant erworben hatte. Es schmeckt beschissen.

10:00 Uhr: Der Bus steht an der mazedonisch-serbischen Grenze. Eine Frau in einem Jogginganzug mit dem wundervollen Farbton Schweinchenrosa scheint den Grenzern Probleme zu bereiten.

11:00 Uhr: Wir stehen immer noch an der Grenze. Inzwischen habe ich bemerkt, dass ich der einzige Deutsche an Board bin. Na toll! Immerhin können viele etwas deutsch sprechen. Den Grenzern haben unsere Busfahrer inzwischen Cola und Saft geschenkt. Das führt anscheinend aber nicht zur Beschleunigung des Abwicklungsprozesses.

12:00 Uhr: Wir sind in Serbien. Mein Sitznachbar, Mazedonier (sieht aber aus wie ein Russe), baut aus seiner Zigarettenschachtel einen Zahnstocher. Dann schluckt er die Konstruktion runter - so sieht es zumindest aus.

13:00 Uhr: Ich schlafe.

14:00 Uhr: Mir ist langweilig.

15:00 Uhr: Mein Bus kommt übrigens aus Deutschland, was die Beschriftung des Notausgangs verrät. Wieso der wohl nicht mehr in Deutschland fährt? Naja immerhin hat der noch einen Notausgang.

16:00 Uhr: Bei einer Pause kurz vor Belgrad, werde ich zum dritten Mal gefragt, ob Mazedonien denn schön sei (aus der Sicht eines Deutschen) und wo es mir auf dem Balkan am besten gefallen hat. Na wo wohl? In Mazedonien, sage ich.

18:00 Uhr: Werner - er heißt sicher anders aber er sieht so aus - versucht mich immer wieder in einen Smalltalk zu verwickeln. Generell sind alle sehr höflich und fragen mich oft, wie es mir geht. Irgendwie muss ich aufgefallen sein...

20:00 Uhr: Inzwischen sind wir zu einer kleinen Schicksalsgemeinschaft zusammengewachsen, weshalb ich jetzt nur noch "wir" benutze.
Also, wir versuchen, über die Grenze nach Kroatien zu kommen. Das klappt auch. Nur müssen wir alle aussteigen und den Pass einzeln vorzeigen, da der Grenzbeamte wohl keine Lust hatte, in den Bus zu kommen. Der Busfahrer überreicht erneut ein paar Getränke an die Beamten.

20:30 Uhr: Es wird ein balkanesisches Tanzvideo aufgelegt. Was soll ich jetzt noch tun?! Der Akku meines mp3-Players ist fast leer. Keine Chance das zu übertönen.

20:45 Uhr: Das Video hängt sich auf und funktioniert nicht mehr. Schade...

23:30 Uhr: Wir reisen aus Kroatien aus: Wieder Cola, wieder Saft. So viel, wie Busse da vorbei fahren, können die Grenzbeamten doch gar nicht trinken!

23:45 Uhr: Die Grenze zur EU, Slowenien. Jetzt wird aussortiert! Gründliche Passkontrolle. Ich habe keine Schwierigkeiten und reise offiziell ein. Dann aber doch ein Problem: Die Frau im rosa Jogginganzug.

0:30 Uhr: Wir warten immer noch. Es gibt für die Frau keine Chance mehr. Wieso sie nicht einreisen darf, weiß ich nicht. Für uns bedeutet das erst einmal umdrehen: Also aus Slowenien raus, wieder nach Kroatien, hinter der Grenze die Frau einem anderen Bus übergeben, aus Kroatien raus, wieder in die EU. Inzwischen weiß ich die innereuropäische Reisefreiheit doch zu schätzen.

1:30 Uhr: Ich versuche einzuschlafen.

3:00 Uhr: Ich schlafe.

4:00 Uhr: Ich drehe mich in meinem Sitz. Erstaunlich was für Positionen man einnehmen kann. Wir fahren durch die Alpen.

7:00 Uhr: Nach einem Wechsel aus Schlaf, Albtraum, Dösen und Rückenschmerzen gebe ich's auf.

7:30 Uhr: Wir sind in Deutschland!!!

8:00 Uhr: Bei einer Pause überrascht uns der Bundesgrenzschutz in Zivil und natürlich mit BMW. Beinahe legen sie eine schwangere Frau in Handschellen. Ein 45 Minuten langes Missverständnis, das sich dann aufklärt. Sie müssen muss wohl weiter suchen.

9:00 Uhr: Wir sind in "Minhen". Gott sei Dank! Völlig überrascht, dass es am Ende doch so schnell ging, haste ich aus dem Bus. Komisch, die Gastarbeiter aus meiner Reihe werde ich wohl nie wieder sehen. Was soll's ich muss zum Zug. Nach so einer Nacht freue ich mich richtig auf die Deutsche Bahn.
Mein nächstes Ziel: Neumünster - und wie ich es ernsthaft vermisst habe!


Mittwoch, 05.10.2011

Ab nach Hause! Heute ist unser letzter Tag auf dem Balkan. Während Niklas schon seit heute morgen im Bus von Skopje nach München sitzt, besuchen wir anderen noch einmal das Projekt. Wir fahren mit an eine Schule, wo neue Schulmaterialien in Rucksäcken verteilt werden, und haben danach noch einmal die Möglichkeit, mit den ProjektmitarbeiterInnen zu sprechen.
Am Flughafen haben wir noch genügend Zeit, alles zu sortieren, Flaschen aus dem Handgepäck zu nehmen und die Tickets am Schalter abzuholen. Keine Probleme - niemand hat Übergepäck und alle dürfen wieder raus aus dem Land!
Nach einem Zwischenstopp in Zürich geht's dann weiter nach Hannover. In Zürich stand unser Gepäck zunächst noch neben der Maschine, aber auf unsere Nachfrage hin wurde es dann verladen... Ab Hannover ging es dann mit dem Mietwagen - Opel Astra (natürlich kein Kombi), da passt ja locker Gepäck rein - etwas gequetscht in den Norden. Nach einem Mitternachtssnack in der Küche von Annekes Eltern fuhren dann die übrigen vier von sechs Freiwilligen nach Neumünster. Wir sind wieder da!


Stefan und Gunnar auf dem Rückflug.

Dienstag, 04.10.2011 

Nach dem ersten Augenaufschlag, einem kurzen Strecken und Dehnen ist der erste Gedanke "Ich lebe ja immer noch". Tatsächlich haben wir alle in die Nacht in unserer fragwürdigen Untergrundunterkunft überlebt, aber werden dann mit Yummie-Yummie-Breakfast im Freien bei Goa-Musik (wie auch auf der Homepage des Hostel Hostels angepriesen) für die letzte Nacht belohnt: Burek, Ajvar und Joghurt lassen uns erst mal alle Sorgen der letzten zehn Stunden vergessen.

Wir werden abgeholt und fahren nach Shutka, dem größten Romaviertel in Europa. Wir fahren an heruntergekommen Häusern, Blechhütten, aber auch prunkvollen Häusern vorbei auf unserem Weg zum Jugendzentrum von der Organisation Nadez.

Bei einer Tasse Kaffee und Keksen gewährt uns Clara, die Projektleiterin, einen Einblick in die Arbeit von Nadez, aber auch in einige Familiengeschichten von Projektkinder.

Bewegt von dem, was wir gerade erzählt bekommen haben, überqueren wir die kleine Wiese, die zwischen den Bürocontainern und dem Jugendzentrum, einem Holzbungalow liegt.  Auf dem angrenzenden Basketballplatz spielen Jungs Fußball. Wir betreten das Jugenzentrum und werden von den Kindern erstmal fragend gemustert. Wir  lassen uns von Lena erklären, was in welchem der drei Räumen gemacht wird und welche Projekte sie mit den Kindern, aber auch mit den Eltern hier durchführen. Unsere Jungs schließen sich danach dem Fußballspiel an, während Lena und Sabine im Zentrum bleiben um mit einigen Mädchen Bibi Blocksberg zu lesen. Auf einmal ist die anfängliche Distanz der Kinder verflogen, sie springen auf uns drauf, wollen hochgehoben werden oder nehmen uns gelegentlich in Arm und wir sind alle gerührt von ihrer Herzlichkeit, obwohl wir kein Wort von ihnen und sie keines von uns verstehen, bis auf die paar auswendig gelernten Sätze: "Wie heißt du?" und "Wie alt bist du?"

Das Jugendzentrum schließt um drei und wir bahnen uns unseren Weg durch Shutka zur Bushaltestelle. Der Anblick, der sich uns in einigen Straßen bietet, lässt uns aus Verlegenheit auf den Boden schauen. Wir fallen als Deutsche unvermeidlich auf und haben das Gefühl, das Image eines gaffenden Touristen perfekt zu erfüllen, dementsprechend froh sind wir, als wir im Bus auf dem Weg zur Lenas Wohnung sitzen.

Wir essen bei ihr zu Abend und fahren zurück in die Stadt und lassen unseren letzten Projektreiseabend gemeinsam in einer Bar ausklingen. Wir erinnern uns zurück, dass wir vor nicht mal zwei Wochen von Neumünster nach Sarajevo gefahren sind und es kommt uns vor, als wären Monate dazwischen vergangen. Manche von uns freuen sich auf die morgige Heimreise, andere wären gerne länger an manchen Orten geblieben. Aber wir sind alle darüber froh bald wieder in unseren eigenen Alltag im Bundesbüro und der WG zurückzukehren und nicht mehr jeden zweiten Tag im Bus auf dem Weg zu neuen Orten und Projekten zu sitzen. Der Gedanke, dass man morgen wieder im eigenen Bett schläft, lässt - wohlbemerkt bei angeschaltetem Licht - auch die Augen der letzten Angsthäsin in unserem Kellerloch zufallen.

 

Montag, 03.10.2011

Nach einem etwas längeren Abend stehen wir heute morgen auf und gehen wiedermal den mittlerweile schon gewohnten Weg zum "Tante Emma Laden" gegenüber. Wie mittlerweile üblich gibt es labber Weißbrot mit Marmelade und der "Number one Chicken sausage in Europe". Kurz nach dem Essen erscheint auch schon der Projektmanager Mderim von SHL Kosova. Wir unterhalten uns mit ihm über das Projekt an sich und über die Probleme, die in den letzten Jahren aufgetreten sind. Melancholische Abschiedszeremonie, dann das obligatorische Gruppenbild vorm Jugendzentrum und schon sitzen wir wieder im Bus. Die Reise nach Prishtina verläuft ohne Probleme. Aber als wir den Bus nach Skopje sehen, mit dem wir wirklich und ganz im Ernst fahren müssen, bleibt uns echt die Spucke weg. Dieses motorisierte Gefährt ist dem Namen "Reisebus" nicht würdig! Beim betreten des Busses müssen wir uns bücken, damit wir nicht mit dem Kopf an die aus der Decke hängenden Stromkabel einer nicht vorhandenen Lampe kommen. Der Motor tuckert wie der eines uralten Lanzbulldog Traktors, während wir langsam aber doch zu schnell für diesen Bus Prishtina verlassen. Ein Stoßgebet gen Himmel und Augen zu. Allerdings lässt es sich auf den Sitzen anscheinend nicht wirklich schlafen, da diese teilweise nicht einmal festgeschraubt sind und munter durch unser Höllenfahrzeug schunkeln. Das Schlafen funktioniert dann aber doch erstaunlich gut, da es im ganzen Bus nach Abgasen stinkt und man kaum Luft bekommt. Auf einmal ein lautes "Mööööp" - der Bus hat also zumindest eine Hupe. Und wie wir alle wissen, ist diese auf dem Balkan eh wichtiger als Bremsen. Kurz nach der mazedonischen Grenze hält der Fahrer plötzlich an und steigt aus. An einem Straßenstand holt er sich 3 Gläser Honig, quatscht noch ne Runde mit dem Verkäufer und fährt dann weiter. In Skopje angekommen geht es erstmal zum "Hostel Hostel". Wir dachten ja, dass es nach der geradeso überlebten Busfahrt nicht schlimmer kommen kann, aber das tat es: Das "Hostel Hostel" bietet uns einen wirklich kleinen mit 7 Betten vollgepropften Keller-Abstellraum als Unterkunft an. Nett ausgedrückt ist es hier "urig und schummrig", nicht nett ausgedrückt ist es eng, dunkel, schimmelig und absolut ranzig! Naja ein wenig alternativen Charme muss man diesem Etablissement jedoch zusprechen. In diesem Sinne gute Nacht.


Der Mann, der am Straßenrand Honig verkauft.

 

Sonntag, 02.10.2011

Nachdem wir gestern einen guten Einblick in das Jugendzentrum erhalten haben, ist es heute an der Zeit, die Umgebung von Rahovec zu erkunden. Die Landschaft in Kosovo ist einmalig. Von kleinen Weinbergen bis zu hohen Gipfeln, von Wald bis steppenartigem Terrain ist alles dabei. Wir fahren zu den Mirusu Wasserfällen ganz in der Nähe und unternehmen eine kleine Wanderung. In einer engen Schlucht fällt ein Fluss auf mehreren Stufen ins Tal. Einzigartig. Nur leider lässt auch an diesem wundervollen Ort, wie im ganzen Land, der Umgang mit der Natur zu wünschen übrig. Überall liegt Müll, einfach so hingeworfen.

Auf dem Rückweg erfahren wir mal wieder mehr vom Land. Unser Fahrer regt sich über die Verkehrsverhältnisse auf. Er bemängelt, dass es zu viele Raser gibt, die Polizei nie kontrolliert und oft schon Kinder Autofahren (wir können das bestätigen ? wozu braucht man auch einen Führerschein?!). Es gibt außerdem zu viele Verkehrstote, sagt er, beschimpft daraufhin den Autofahrer vor uns mit "Arschloch" und beschleunigt auf 110 km/h, um ihn dann in der nicht einsehbaren Kurve zu überholen. Wir haben es überlebt.

Beim anschließenden Einkauf hilft unser Fahrer uns netterweise. Eine freundliche Dame packt unsere Sachen an der Kasse ein. Die paar Kleinigkeiten für unser Abendessen werden in nicht weniger als sieben Plastiktüten verpackt. Wer wundert sich da noch über das Müllproblem?

Tja, es gibt einiges in diesem Land, was angepackt werden müsste. Aber irgendwie funktioniert das Leben hier trotzdem.


Vor den Mirusu Wasserfällen


Samstag, 01.10.2011:

Wir lernen Adnan, den Hausmeister des Jugendzentrums in Rahovec/Orahovac kennen. Rahovec/Orahovac ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine geteilte Stadt. Der obere Teil ist serbisch geprägt, der untere albanisch. Getrennt werden die beiden Stadtteile durch einen Nato-Draht, der nach wie vor an den Hauswänden hängt. Er ist zwar aufgerollt, erinnert aber dennoch an den ethnischen Konflikt.

Adnan, der hervorragend deutsch sprechen kann, zeigt uns die Umgebung um Rahovec/Orahovac mit den bekannten Weinbergen und einige Besonderheiten Kosovos.

Er setzt uns am Jugendzentrum im oberen Stadtteil ab. Dort hält Sebastian gerade einen Deutschworkshop als wir ankommen. Die Jugendlichen stellen sich uns in gebrochenem deutsch mit ablesen vom Blatt vor. Es ist eine sehr fröhliche Stimmung im Raum, aber die Anstrengung, die die Kinder mitunter darstellen, ist Sebastian förmlich ins Gesicht geschrieben.

Nach dem Mittagessen laufen wir vom oberen Stadtteil zurück zum großen Jugendzentrum im unteren Stadtteil. (Ja, SHL Kosova hat zwei Jugendzentren, das eine im oberen Stadtteil und das andere im unteren Stadtteil von Rahovec/Orahovac.) Wir passieren bewohnte Rohbauten, herunter gekommene Häuser und jede Menge an Obst- und Gemüseläden. Unten angekommen spielen Steffen, Stefan und Gunnar ein paar Duelle Tischfußball mit einigen einheimischen Jugendlichen und trotz der sprachlichen Schwierigkeiten lassen sich Gespräche ausmachen.

Glücklicherweise beherrschen manche Teenager die deutsche oder englische Sprache, sodass auch weiterführende Konversationen, die über "Jaeyyy, Goaaaal" und Handzeichen hinausgehen, geführt werden können.

Nachdem um 18:00 Uhr beide Jugendzentren geschlossen werden, warten wir auf Sebastian der von oben kommt und lassen dann den Abend ausklingen.

 

Deutschkurs im Jugendzentrum, in den Weinbergen


Freitag, 30.09.2011

Tschüss Zajecar, hallo Rahovec!
So lautet heute morgen das Motto, als wir uns um 7 Uhr auf zum Busbahnhof machen. Nina begleitet uns und verabschiedet uns am Bus, dann fahren wir über Nis und Skopje nach Rahovec. Dafür müssen wir zwar durch Mazedonien, aber aufgrund der Probleme im Norden des Kosovo machen wir diesen Umweg gern. Die Fahrten sind eigentlich auch sehr angenehm, im NisEkspres haben wir grandiose Beinfreiheit und auch die Busse danach sind sehr gut. Im Bus von Prizren nach Rahovec läuft Partymukke und es sind fast nur Jugendliche im Bus.
Gegen Abend sind wir dann in Rahovec und werden von Sarah und einigen Jugendlichen empfangen. Basti ist nicht dabei, der steht nämlich schon am Grill. Sehr erfreut machen wir uns auf den Weg zum Jugendzentrum, können Basti begrüßen, reden viel mit Jugendlichen aus Rahovec und haben einen schönen Abend, bis wir irgendwann müde vom Reisetag ins Bett gehen.

 

 

Donnerstag, 29.09.2011

Inzwischen vermissen wir die deutsche Küche schon etwas. Zum Frühstück gibt es bei uns heute Pizza, Burek (eine Art Blätterteigtasche) und Eurocrem- Croissants. Nicht, dass die Balkanesen sowas zum Früstück essen würden, aber die "Brötchen" sind auf Dauer auch keine Alternative. Wir laufen dann zum Jugendzentrum und trinken erst mal nen Kaffee. Das - so haben wir auf dem Balkan bisher gelernt - kann man für jede Verspätung als Ausrede nehmen. Aber um nicht gänzlich unproduktiv zu sein, haben wir dann noch ein Meeting mit Danko, dem hiesigen Projektleiter. Viele Fragen stellen wir und alle werden beantwortet :) Es macht Spaß und ist außerdem sehr interessant. Ein Jugendlicher spricht sehr gut deutsch und hat uns erst mal zum Ligretto spielen überredet. Ligretto ist in Zajecar inzwischen eines der Lieblingsspiele der Jugendlichen geworden. Nach ein paar Runden geht es dann auch schon zum Mittagessen (viel zu viel Pizza). Einige produktive Minuten verbringen Stefan, Nina und Danko mit dem Herbstcamp.

Jetzt aber mal raus aus dem Jugendzentrum und rein in die Stadt... . Nina bringt uns an einen künstlichen Strand an einem Fluss, welcher von Sportplätzen, einer Minigolfanlage und einem Spielplatz gesäumt ist. Der Abend endet dann gemütlich mit allen Mitarbeitern des Zentrums in einem irischen Pub.


Mittwoch, 28.09.2011

Am Busbahnhof von Novi Sad verabschieden wir uns heute morgen von Mona. Wir fahren mit dem Bus nach Belgrad, die Hauptstadt Serbiens. Generell fährt man auf dem Balkan viel besser Bus als Bahn. Das Schienennetz ist nämlich sehr schlecht ausgebaut. Dafür gibt es aber permanent Busse in verschiedenste Richtungen.

Als wir in Belgrad aus dem Bus steigen, werden wir von zahlreichen Taxifahrern und Kofferträgern umgeben. Sie reißen uns fast das Gepäck aus den Händen. Doch wir wollen nicht in die Stadt, sondern steigen hier nur um. Mit dem Bus geht es weiter nach Zajecar an die bulgarische Grenze. Weitere fünf Stunden sind wir unterwegs. Und je näher wir unserem Ziel kommen, desto schlechter werden die Straßen. Als wir es dann geschafft haben, werden wir von Nina und zwei Mitarbeiterinnen aus dem Jugendzentrum in Zajecar, Dragana und Ivana, abgeholt. Nina hat zuvor ein Jahr als Aktivenbetreuerin im Bundesbüro verbracht. Jetzt hängt sie noch ein Jahr in Serbien hinten dran. Das Projekt in Zajecar wird von SHL unterstützt. Hier können Jugendliche aus der Region Zeit verbringen. Es gibt ein kleines Café, kostenlose Workshops und vieles mehr.

Wir sind alle vom modernen Jugendzentrum sehr begeistert. Mit Hilfe von SHL wurde das Haus komplett saniert und renoviert. Nina zeigt uns alles. Am Abend werden wir von Danko, dem Projektleiter, zum Essen eingeladen.


Das Jugendzentrum in Zajecar


Dienstag, 27.09.2011

Morgens ausschlafen hat auf einer Reise wie der unseren auch gewisses Potenzial den Tag zu verbessern. Als wir spät das Hostel verlassen werden wir auf der Straße sogleich von der Sonne und Mona begrüßt. Wir begeben uns wieder ins CK13, wo wir gemeinsam frühstücken. Dank der orthodoxen Kirche, die es ihren Gläubigen empfiehlt zwei bis drei mal in der Woche nur Vegan zu essen, bekommen wir im Laden um die Ecke wunderbares, selbst zusammenstellbares Müsli. Nach diesem ausgiebigen Frühstück und ein wenig Arbeit für das Bundesbüro, machen wir uns auf den Weg zur Donau. Als die Sonne langsam hinter den Häusern verschwindet begeben wir uns hinauf zur Festung hoch über dem Fluss. Der Sonnenuntergang, den wir bestaunen, ist wunderbar und die Lichtshow an der großen Brücke mit LEDs eine Sache für sich. Als wir zurück im CK13 sind, warten schon zwei Reggae-Bands, die diesen Abend einen Auftritt im Jugendzentrum haben, auf uns. Funkige Rhythmen und chilliger Sound runden den Abend ab. Dann zurück zum Hostel und gute Nacht. Morgen geht?s ja schon weiter nach Zajecar.


Mona (rechts) zeigt uns den Donaustrand


Montag, 26.09.2011

Heute geht?s für uns sechs auch schon wieder weiter! Nachdem wir morgens eine Grundschule besucht haben und uns mit den Kindern unterhalten haben, sind wir noch im Office von Otaharin. Nach einem leckeren ? und fettigen ? Mittagessen bringt Tasnim uns dann zum Busbahnhof und wir reisen weiter mit dem Bus nach Novi Sad.

An der Grenze haben wir nema problema! Unmittelbar nach der Einreise nach Serbien bekommen wir von einem Mann in der Reihe vor uns mehrere Trauben voll mit roten Weintrauben geschenkt und essen sie aus Höflichkeit natürlich auch gleich. Er verspricht uns immerhin, sie seien "ökologisch" - was soll also schief gehen? Etwas später hält eben dieser Mann dann auch den Bus an. Die Motorklappen sind während der Fahrt aufgegangen und alles riecht verbrannt. Routiniert springt einer der Busfahrer raus, klappt alles wieder zu und wir können weiterfahren. Erstmal mit Tempo 30, dann wieder normal. Muss klappen!

Nach zwei Stunden Saunabus kommen wir dann auch in Novi Sad an und werden von unserer Auslandsfreiwilligen Mona abgeholt. Abends gibt es noch eine Führung durch das Jugendzentrum CK13, das durch SHL unterstützt wird, und wir kochen uns Essen. 


Roma-Kinder bei unserem Schulbesuch


Sonntag, 25.09.2011

Heute starten wir mit einem gemeinsamen Frühstück in den Tag. Kurz darauf geht es mit unserer Auslandsfreiwilligen Tasnim quer durch die Stadt, die ohne Touristenhighlights fast etwas charmlos wirkt. Unser Ziel ist das "Center" von Otaharin nahe des Romaviertels der Stadt. Wir treffen dort auf den Projektleiter Dragan und einige Mitarbeiter und Bewohner des Viertels.

Das Center besteht aus beschaulichen drei Räumen, dem Veranstaltungs- und Besprechungsraum, einem kleinen Aktionsraum und einem Internetcafé mit vier PCs, welches den Jugendlichen zur freien Verfügung steht.

Das Viertel an sich ist sehr kontrovers, da neben Villen, heruntergekommene Häuser oder Rohbauten stehen, die scheinbar niemals mehr ihre Endgestalt erhalten werden.

Der zerrissene Eindruck der Stadt wird durch unseren Besuch in ?Etno Selo" am Nachmittag nur noch verstärkt. Etno Selo ist eine riesige aus dem Boden gestampfte Anlage etwas außerhalb der Stadt. Saftig grüne Wiesen, kleine Seen, Brücken und Kieswege, geziert von typischen serbischen Hütten, die irgendwo abgebaut wurden um dort wieder errichtet und landestypisch eingerichtet zu werden. Hinzu kommen zahlreiche Cafés, Restaurants, eine Eisenbahn, mit der man um einen der Seen fahren kann, und ein burgähnliches Hotel. Finanziert wurde der Komplex von einem serbischen Millionär. Wir lassen es uns dort auch gut gehen und entspannen uns. Aber es ist beim besten Willen nicht verwunderlich, dass wir uns wie in einer anderen Welt vorkommen.

Zurück in der Realität (Bijeljina-Stadt) lassen wir den Abend zusammen mit Tasnim, die uns den ganzen Tag geführt und uns interessante Informationen zukommen lassen hat, ausklingen.


Das Team in Bijeljina mit uns


Samstag, 24.09.2011

Mit einem VW-Transporter werden wir heute morgen vorm SHL-House in Sarajevo abgeholt. Unser "privates Taxi" soll uns nach Bijeljina, eine Stadt im Nordosten des Landes, bringen. Motiviert besteigen wir das Auto und erleben eine wundervolle Fahrt. Die "Hauptstraße" schlängelt sich durch die hohen Berge östlich von Sarajevo. Schade, dass Bosnien und Herzegowina eines der vermientesten Länder der Welt ist. Es ist ratsam, die Wege deshalb nicht zu verlassen.

Auf unserem Weg nach Bijeljina machen wir einen Zwischenstopp, der uns allen sehr wichtig ist. Wir halten in Srebrenica. An diesem Ort fand im Juli 1995 ein schreckliches Massaker statt. Weit über 8000 Männer - allesamt Bosniaken (Bosnier mit muslimischem Glauben) - wurden ermordet. Es ist für uns alle sehr bedrückend. Wie konnte so etwas vor nur so wenigen Jahren einfach passieren?

Wir fahren weiter. Es geht entlang des Grenzflusses Drina nach Norden. Bei einem weiteren kurzen Halt besuchen wir den kleinen Ort Krizevici, wo SHL vor einigen Jahren den Aufbau eines Jugendzentrums ermöglicht hat. Anneke hat bei diesem Projekt geholfen und freut sich sehr, bekannte Gesichter aus dem Ort wiederzusehen. Abends erreichen wir dann Bijeljina, wo wir von unserer Auslandsfreiwilligen Tasnim empfangen werden. 


Die Gedenkstätte in Srebrenica


Freitag, 23.09.2011

Zwei Stunden Schlaf sind die ausreichende Vorbereitung für einen überaus ereignisreichen Tag in Sarajevo. Vom SHL-House zum Office ist der schon die erste Herausforderung, da nicht nur die richtige und nichtüberfüllte Tram gefunden, sondern auch Geld gewechselt werden muss. Nach vielen Informationen im Office zu Sarajevo und der Arbeit von OnAuBiH, der bosnischen Jugendpresse, und AsuBiH, der Schülervertretung, begeben wir uns im Anschluss auf einen Städtetrip ... Und wir essen ganz erfolgreich hervorragendes Cevapi.

Nach einem gemütlich Plausch in einem kleinen Café mit Kafa und Caj nehmen wir dann den weiten Weg zur Burg auf uns. Das Taxi ist dabei unser guter Freund und bringt uns sehr zuverlässig an die falsche Stelle! Aber zu Fuß den Berg hinab ist doch immer mal schön. An der weißen Burg angekommen, sitzen wir auf einem schmalen Mauerstück und haben einen brillianten Ausblick über Sarajevo.

Nach einem weiteren Abstieg begleitet von den Gesängen der gefühlt tausend Muezzine, befinden wir uns wieder im Herzen Sarajevos und wandern zurück zur Tramstation, wo unser Abenteuer, Erkundung der Hauptstadt Bosniens, zu Ende geht. 


Der Blick über Sarajevo


Donnerstag, 22.09.2011

Es ist früh, sehr früh. Wir stehen um 4.25 Uhr auf Gleis 4, der Zug Richtung Hamburg rollt quietschend ein. 25 Stunden Fahrt stehen noch vor uns. Hamburg, München, Villach, Zagreb, Sarajevo. Das ist unsere Reiseroute. Der Schaffner im ICE nach München fragt uns nuschelnd: "Weltreise?!" Und lacht sich halb tot. Als wir durch die Alpen fahren, ist selbst Stefan als stolzer Bayer über die Schneemengen verwundert, die bereits die kleinen Dörfer bedecken. Und dann sind wir in Slowenien - als einziges Balkan-Land EU-Mitglied, doch der Unterschied zu Österreich ist klar erkennbar. Dann verlassen wir die Europäische Union, es wird spannend. Unser Zug wird von unten mit Taschenlampen durchsucht. Mit dunkler Miene betritt ein Grenzbeamter unser Abteil und knipst das Licht an. Wir sitzen schnurgerade auf unseren Plätzen die Reisepässe in der Hand. Irgendwie ein mulmiges Gefühl. "Passport!": Das ist unser Stichwort. Nacheinander werden alle Pässe genaustens angeschaut und dann gestempelt. Puh geschafft. Kurze Zeit später steigen wir in Zagreb um - in den Nachtbus. Na das kann ja heiter werden...

Und so wird es dann auch. Zwar geht es noch ruhig über die Grenze nach Bosnien und Herzegowina, doch als alle anfingen einzuschlafen, zeigt uns der Busfahrer, was er wirklich kann. Er heizt mit uns durch die bosnischen Berge wie nichts Gutes. Über Schlaglöcher, durch enge Kurven, vorbei an steilen Abgründen und Felswänden. Die Landschaft wird immer bergiger. Zum Glück ist es dunkel und wir sehen nicht allzu viel. Doch was sich recht dramatisch anhört, endet natürlich gut. Noch am frühen Morgen sind wir in Sarajevo.


Am Münchener Hauptbahnhof