"Hristos vaskrse!" - Der Ostersonntagsblog
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"Hristus vaskrse!" - "Vaistinu vaskrse!"
"Christus ist auferstanden" - "Er ist wahrhaftig auferstanden!"
So begrüßen sich die Serben heute am Ostersonntag hier im oberen, serbischen Teil von Rahovec/Orahovac wenn sie einander begegnen. Dieses und nächstes Jahr fallen zufällig westliche (katholische / protestantische) und östliche (orthodoxe) Ostern (zu Serbisch "Uskrsk") auf den gleichen Tag. Die orthodoxen Kirchen verwenden im Gegensatz zu "uns" nicht den gregorianischen Kalender zur Bestimmung von kirchlichen Feiertagen, sondern den julianischen - weshalb es normalerweise zu unterschiedlichen Daten kommt, auch wenn es der selbe Jesus ist, der aufersteht.
Heute morgen um sieben Uhr brach ich also mit meiner Vermieterin Mirjana auf, um zur Kirche zu gehen. Der Gottesdienst begann eigentlich schon um 6 Uhr, aber das war ihr dann doch zu früh. (Als sie die Anfangszeit gestern herausfand meinte sie, dass der "Pope" (Priester) wohl nicht ganz in Ordnung sei, oder zu viel Rakia (Schnaps) getrunken hatte, bevor er den Gottesdienstplan machte.) Eine Stunde später zum Gottesdienst zu kommen ist in der orthodoxen Kirche auch überhaupt kein Problem, denn die Liturgie mit ihren Gesängen läuft quasi so nebenbei und man nimmt davon soviel mit, wie man will. Bevor man sich allerdings zur dicht gedrängten Menge stellt, die im hinteren Drittel der Kirche halbkreisförmig steht, werden Kerzen gekauft, die man für Verwandte anzündet. Dafür gibt es ein bestimmtes Ritual: Erst wird jede Kerze einzeln geküsst, dann bekreuzigt man sich mit ihr und schließlich zündet man sie an einer anderen Kerze an. Der nächste Schritt ist sich vor einem, zwei oder gleich vier Ikonenbildern zu bekreuzigen und sie zu küssen. Jetzt erst folgt man dem Ablauf nd bekreuzigt sich an den richtigen Stellen. Beim Gottesdienst bleibt man so lange, wie man Lust hat. Natürlich bleiben viele Kirchengänger auch die ganze Zeit da, speziell an Ostern, aber es ist allgemein viel offener, als wir das aus den Kirchen in Deutschland kennen. Ganz symbolisch sieht man das an der Türe, die die ganze Zeit über offen steht.

