Schülerinnen und Schüler Helfen in Südosteuropa

Hilfstransport 2010

Foto: Fiona Krakenbuerger

Hilfstransport

Das Abenteuer Hilfstransport beginnt für mich am Montag, den 19. Juli um halb 5 morgens. Ab zum Bahnhof nach Hamburg und dann 6h ICE nach München. Glücklicherweise habe ich keinerlei ausgefallene Klimaanlagen und komme heil an. In München treffe ich dann auf Philipp und Thomas beim "Zeitlager", in dem unsere Hilfsgüter auf den Abtransport warteten. Nach ersten Interviews Münchener Lokalzeitungen treffen wir mit weiteren Mitreisenden aufeinander und bis zum Abend sind wir vollzählig: Philipp als Organisator, Lukas aus dem Vorstand von SHL, Thomas und ich als glückliche Aktive, Steffi und Romy als Filmteam vom Rügen Campus, Steffi vom NDR, Journalist Carsten und Fotografin Fiona. Fehlt nur noch der LKW. Auf den warten wir auch noch eine Weile.

Nach einer Nacht im A&O Hostel München geht es am Dienstagmorgen weiter. Um 11 Uhr können wir dann den LKW einladen und danach geht es endlich los. Mit einem SHL-Auto und einem Mietwagen machen wir uns auf den Weg zur ersten Etappe, Salzburg. Die Journalisten freuen sich über Informationen von Lukas, der den SHL Wagen fährt und das Kamerateam, sowie Thomas und Ich fahren mit Philipp. Nach einer Essenspause, Mietwagen tauschen und Mini-Sightseeing in Salzburg geht es weiter nach Zagreb. Durch Österreich, Slowenien, jede Menge Berge und so einige Raststationen, kommen wir gegen Abend in Zagreb an. Dank einer mäßig guten Wegbeschreibung brauchen wir eine Weile, bis wir das Hostel finden und kommen dort schließlich nachts gegen 0.00 Uhr an. Der Willkommensschnaps wird dankbar entgegengenommen und wir fallen regelrecht in unsere Betten. Erschöpft vom Nichtstun. Dieses Phänomen wird uns in der folgenden Woche noch so einige Male begleiten.

Die Grenze

Am Mittwoch in aller Frühe geht es weiter zur bosnischen Grenze. Hier treffen wir den LKW und Dragan, den Leiter des Projekts, für das wir Hilfsgüter transportieren. Dragan hat vor Ort mit Ministerien und Behörden geklärt, dass unsere Sachen einreisen dürfen und sorgt deshalb auch hier dafür, dass der LKW durch den Zoll und über die Grenze kommt. Trotz allem braucht der LKW für alles länger, der Server des Zolls ist abgestürzt und was einem sonst noch so in die Quere kommen kann, nehmen wir gerne mit. Deadline ist am Zollhof um 18 Uhr, wenn er schließt, bevor der LKW da ist, können wir erst am Donnerstag ausladen. Wir machen uns per Auto schon mal auf den Weg nach Bijeljina und hoffen, dass wir noch am Abend ausladen können.

Um die Sitzsituation im Mietwagen etwas zu lockern nimmt Dragan mich in seinem Auto mit und wir fahren Kolonne, bosnische Landstraßen bis Bijeljina. Die Fahrt ist sehr abenteuerlich, da Dragan mit seinem "balkan-like" Fahrstil ein ordentliches Tempo und Überholverhalten vorlegt. Lukas gibt nach der ersten Pause auf und fährt alleine weiter. Dadurch ist Philipps Auto jetzt ganz auf uns angewiesen, da es hier nur noch kyrillische Straßenschilder gibt. Also ab hinterher. Erschöpft kommen wir alle in Bijeljina an, beziehen unsere Pension, welche glücklicherweise mit einer Klimaanlage ausgestattet ist. Dort treffen wir auf Nikolai, den Freiwilligen aus Sarajevo und dessen Freund Basti. Am Abend stopfen wir dann im Schweiße unserer Angesichter sämtliche Fahrräder und Kisten aus dem LKW in eine kleine Garage mit Nebenraum. Hinterher sind wir alle von oben bis unten nass und von Mücken zerstochen. Da soll noch mal jemand sagen, Schüler Helfen Leben wäre keine Arbeit! Zur Belohnung für uns, zur Strafe aller riechenden Mitmenschen, geht es in einen Pub.

Die Sommerschule

Den Donnerstag verbringen wir mit einem Besuch in einer Sommerschule, wir verteilen Federtaschen, Stifte, Hefte und Süßigkeiten an die Kinder. Die Freude ist groß und wir sind selig, man sieht, dass die Hilfe ankommt. Dass diese Hilfe dringend benötigt wird, sehen wir bei den Besuchen bei zwei Romafamilien. Sie leben in schlimmen Zuständen und der dauerhaften Unsicherheit, wie es am nächsten Tag weitergehen wird. Es ist bedrückend zu sehen, wie die Kinder aufwachsen und wie selbstverständlich es ist, dass sie betteln gehen, um den Familienunterhalt zu sichern.

Essen mit dem Bürgermeister

Anschließend gibt es Mittagessen, spendiert vom Bürgermeister der Stadt, der selbst leider nicht anwesend ist, den wir aber am Freitag treffen. Am Abend gehen wir wieder in den Pub, diesmal mit Dragan und einigen Mitarbeitern einer Jugendorganisation aus Bijeljina. Wir haben unheimlich viel Spaß, die Menschen sind super nett. Nach einem kurzen Abstecher ins "London" zu einem Karaoke-Finale gehen wir mit dem Schließen des "Londons" ebenfalls nach Hause und schlafen uns für den Besuch beim Bürgermeister und die Heimreise so gut es geht aus.

Der letzte Tag der spannenden Reise bricht an. Wir treffen den sympathischen Bürgermeister der Stadt und den Beauftragten für Roma und Sozialhilfe. Sie erzählen uns, welche Möglichkeiten auf Hilfe es seitens Stadt gibt sich ein besseres Leben aufzubauen, aber auch wie schwierig es ist, mit wenig Geld so vielen Menschen zu helfen. Bijeljina ist trotzdem ein Vorreiter, was den Umgang mit Roma und möglichen Perspektiven angeht. Nach einem Gruppenfoto geht es mit Geschenktüten der Stadt unterm Arm zurück in die Pension und dann Nachmittags auf den Weg nach Hause.  

Wir fahren diesmal weniger abenteuerliche Landstraßen, dafür mehr erholsame Autobahnen und sind somit nach 10h in München. Von hier aus geht jeder wieder seine eigenen Wege. Ich fahre noch zusammen mit Steffi und Romy mit dem ersten Zug um 5.16 Uhr aus München hinaus, ab Nürnberg trennt sich auch unser Weg. Ich bekomme noch die Inkompetenz der Deutschen Bahn zu spüren und bin heilfroh, nach 28h auf den Beinen und ca. 17h Fahrt (mit 2h Schlaf) totmüde zu Hause angekommen zu sein.

Ich bin sehr dankbar für diese tolle Reise, denn ich habe eine menge Erfahrungen gemacht, viele neue Menschen kennengelernt und das Gefühl bekommen, vielen Kindern geholfen zu haben.

Das Lager in München

Bijeljina

Abladen des Lastwagens

Abladen des Lastwagens

Initiator Philipp bei der Arbeit

Die fleißigen Helfer

Romakinder mit neuen Schulsachen

Neue Hefte und Stifte für ein Roma-Mädchen

Treffen mit dem Bürgermeister

Die Organisatoren und Helfer vom Hilfstransport

Fotos: Fiona Krakenbuerger

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