Fonds für Jugendprojekte

Warum?

Jugendliche in Bosnien und Herzegowina haben meist wenig Erfahrung mit zivilgesellschaftlichem Engagement. Aufgrund fehlender Zukunftsperspektiven, der schlechten wirtschaftlichen Situation und eines korrupten, auf ethnischen Prinzipien beruhenden politischen Systems haben sie wenig Vertrauen in die eigene Fähigkeit, einen Beitrag zu Veränderungen zu leisten.

Was?

Schüler Helfen Leben ermöglicht mit dem Fonds für Jugendprojekte (FOP) die Verwirklichung von Projektideen von und für junge Menschen in Bosnien und Herzegowina.

Seit Anfang 2009 können sich Jugendliche im Alter von 14 bis 30 Jahren aus allen Teilen Bosnien und Herzegowinas mit eigenen Projektideen beim FOP für Kleinprojekte bewerben. Das Bewerbungsverfahren ist bewusst einfach und unbürokratisch gestaltet, damit es Jugendliche zu einer Bewerbung ermutigt. Ausgewählt und begleitet werden die Projekte durch die Gruppe der so genannten Multiplikator*innen. Dies sind Jugendliche, die bereits zuvor Projekte durchgeführt haben und ihre Altersgenoss*innen daher mit Erfahrungen aus erster Hand unterstützen können.

In Seminaren treffen sich die Jugendlichen mit Gleichaltrigen aus dem ganzen Land zur Projektvorbereitung, erlernen grundsätzliche Projektmanagementfähigkeiten und knüpfen ethnien-übergreifende Kontakte. Eine solche Annäherung ist besonders wichtig, da Vorurteile zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen nach wie vor verbreitet sind.

Jugendliche haben durch den FOP eine konkrete Chance, ihr Lebensumfeld aktiv zu gestalten. Multi-ethnisches, ökologisches, kulturelles und soziales Engagement werden so gestärkt. Durch erste Engagementerfahrungen werden Jugendliche motiviert, sich auch in Zukunft an der Stärkung der Zivilgesellschaft zu beteiligen und einen Beitrag zu gesellschaftlichen und politischen Prozessen in Bosnien und Herzegowina zu leisten.

Wie?

Für eine finanzielle Unterstützung in Höhe von bis zu 4.000 Konvertible Mark (entspricht ca. 2.000 Euro) können sich Einzelpersonen, informelle Jugendgruppen oder Jugend-bzw. Nichtregierungsorganisationen bewerben, die in ihrer Umgebung etwas Positives bewegen wollen. Vorrang haben junge Menschen, die ihre Projekte in kleineren Städten und ländlichen Gebieten realisieren wollen sowie diejenigen, die erstmals einen Antrag beim Programm stellen. Projektideen können laufend eingereicht werden und werden einmal im Monat durch die Multiplikator*innen ausgewählt. Bei der Umsetzung der Projekte leisten die Multiplikator*innen Unterstützung und geben ihre eigenen Erfahrungen aus der Projektumsetzung weiter.

Mit diesem Peer-to-Peer-Ansatz in der Engagementförderung ist das FOP-Programm innovativ und einzigartig in Bosnien und Herzegowina. Es fördert das Verantwortungsbewusstsein von jungen Menschen und hilft ihnen, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren. Durch das Projekt vernetzen sich hunderte Jugendliche verschiedener ethnischer Gruppen in ganz Bosnien und Herzegowina, die gemeinsam für ihre Gesellschaft aktiv werden. Jugendliche werden so mittel- und langfristig als gesellschaftliche Gestalter sichtbar und ernst genommen. Durch die schnelle und unbürokratische Umsetzung ihrer eigenen Projektideen werden sie motiviert, sich auch in Zukunft aktiv für die Verbesserung ihres Umfelds einzusetzen.

Durch gezielte landesweite Öffentlichkeitsarbeit und Promo-Touren insbesondere in ländliche Gebiete informiert SHL Jugendliche, Eltern und Lehrende über das FOP-Programm. In der Regel starten die Jugendlichen mit einer Teilnahme an einem Seminar. Das Ziel: Jugendliche an die Projektarbeit heranführen und ihnen neben jugendrelevanten Tätigkeitsbereichen erste Kenntnisse in der Planung und Durchführung von Projekten vermitteln. Da die Seminare zu inhaltlichen Themen wie Schüler*innenvertretung, Jugendmedien, Versöhnung, Kultur und Jugendpolitik durchgeführt werden, bekommen die Teilnehmenden Anregungen zur Entwicklung einer eigenen Projektidee, die sie anschließend ausarbeiten und bei SHL einreichen. Dabei sind die Jugendlichen thematisch keineswegs auf die genannten Bereiche beschränkt, sondern können ihre Kreativität voll entfalten.

Um nicht nur den Dialog und die Vernetzung zwischen Jugendlichen aus Bosnien und Herzegowina zu stärken, sondern auch grenzübergreifende Zusammenarbeit und damit Mobilität und Völkerverständigung zu fördern, wurde Ende 2013 eine neue Programmkomponente eingeführt: Das „Movement Across Borders“-Programm (MAB) fördert gemeinsame Projektideen von Jugendlichen aus Bosnien und Herzegowina und Serbien.

Was wurde bisher erreicht?

Das FOP-Programm erreicht seit seinem Start 2009 ca. 400 Jugendliche pro Jahr aus allen Landesteilen Bosnien und Herzegowinas, indirekt mindestens doppelt so viele. Pro Jahr werden um die 50 Projekte in Bosnien und Herzegowina sowie 10 grenzübergreifende Projekte gefördert.

Jugendliche werden zu zivilgesellschaftlichem Engagement motiviert. Sie werden darin unterstützt, sich für ihre Ideen einzusetzen und ihre soziale Umgebung aktiv mitzugestalten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Jugendlichen sich auch weiterhin für soziales Engagement und informelle Bildung interessieren. Bei SHL finden sie weitere Bildungsangebote, kommen darüber aber auch in Kontakt mit anderen NGOs.

Darüber hinaus vernetzen sich Jugendliche beständig mit Gleichaltrigen im ganzen Land, was die Grundlage für spätere gemeinsame Aktivitäten bildet und der gesellschaftlichen Trennung nach ethnischen Kriterien aktiv entgegenwirkt.

Weiterführende Informationen

Der Projektkoordinator für dieses Projekt ist Ermin Numić.

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