Über Serbien

Kurzinformationen über Serbien

Serbien

Die Republik Serbien (Republika Srbija) ist eine parlamentarische Demokratie und war zusammen mit Montenegro einer der beiden letzten Nachfolgestaaten der Sozialistischen Föderativen Bundesrepublik Jugoslawien (SFRJ). Nach dem erfolgreichen Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro Ende Mai 2006 fungierte Serbien als ein einzelner Staat mit den zwei autonomen Provinzen Vojvodina (im Norden) und Kosovo (im Süden). Im Februar 2008 erklärte sich dann auch das Kosovo für unabhängig.

Mit seinem Territorium von ca. 77.000 km² (zum Vergleich: das Bundesland Bayern ist etwa 70.000 km² groß), das im Norden ursprünglich zu Österreich-Ungarn und im Süden zum Osmanischen Reich gehörte, grenzt Serbien an Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Mazedonien, den Kosovo, Montenegro, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien. Die Hauptstadt und der Regierungssitz Belgrad (Beograd) gilt als die größte Kulturmetropole des Balkans und spiegelt stark eine Mischung zwischen den west- und osteuropäischen bzw. orientalischen Kultureinflüssen wider. Die Diskrepanz, sowohl zwischen dem modernisierten Norden und dem sehr traditionellen Süden des Landes, als auch zwischen dem sehr kirchlich geprägten und den pro-westlichen politischen Milieu, die das Bild Serbiens nach Außen bestimmen, kann für Außenstehende oft verwirrend wirken.

Mit rund 7,5 Millionen Einwohnern und mehr als 25 nationalen Minderheiten ist Serbien eines der heterogensten Länder Europas. In der Vojvodina leben neben den Serben u.a. Ungarn, Rumänen, Slowaken, Kroaten und Deutsche; im Sandzak (Sandschak) an der Grenze zu Montenegro neben Serben vor allem Bosniaken und Montenegriner. Neben der serbisch-orthodoxen Bevölkerungsmehrheit sind sowohl die römisch-katholische und protestantische Kirche als auch die islamische und jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten.

Obwohl Serbien während des Jugoslawienkriegs 1992-1995 nicht selbst Schauplatz von Kampfhandlungen war, initiierte und beteiligte sich das Land unter der nationalistischen Regierung Milosevićs an den Kriegen mit den Nachbarländern Kroatien und Bosnien und Herzegowina, während derer viele Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen begangen wurden.

Im Kosovokrieg 1999 wurde Serbien aber von der NATO bombardiert. Seitdem verfügen die serbischen Institutionen auch nicht mehr über Kontrolle über die ehemalige südliche Provinz. Erst stand das Kosovo unter internationaler Verwaltung in den Händen der Vereinten Nationen, dann erklärte es Anfang 2008 seine Unabhängigkeit. Diese wird aber bis heute von der Mehrzahl der Serben nicht anerkannt.

Obwohl bisher eine Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle in und der daraus wachsenden Verantwortung an den Kriegen nicht auf allen gesellschaftlichen Ebenen stattgefunden hat, sind in den letzten Jahren doch vermehrt Schritte in diese Richtung getan worden. Ende März 2010 entschuldigte sich beispielsweise das serbische Parlament für die Verbrechen im bosnischen Srebrenica, im November dann der serbische Präsident Boris Tadić für die im kroatischen Vukovar.

Wirtschaftlich bleibt Serbien angeschlagen. Nachdem sich das Land von den Folgen der Teilnahme an den Kriegen, den ökonomischen Sanktionen und der NATO-Bombardierung weitgehend erholt hatte, wurde es schwer durch die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen. Auch aus diesem Grund konkretisierte die serbische Regierung noch einmal ihren europäischen Integrationskurs und stellte Ende 2009 den formalen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Auf dem Weg dahin sind aber vor allem noch Fortschritte bei der Bekämpfung der Korruption, die Modernisierung des Rechtssystems und eine bessere Kooperation mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal vonnöten.

SHL-Artikel

SHL-Artikel über das Geschehen in Serbien

SHL-Projekte

Von SHL unterstützte Projekte in Serbien

Jugendzentrum gegen Rechtsextremismus (unterstützt seit 2005)

Miteinander Leben (unterstützt seit 2007)

Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit (unterstützt von 2008 bis 2010)

Jugendzentrum in Zaječar (unterstützt seit 2009)

Union serbischer Schülervertretungen (unterstützt seit 2010)

Jugendzentrum gegen Rechtsextremismus (unterstützt seit 2006)
Serbien Jugendzentrum

Das Engagement der Schülerinnen und Schüler am Sozialen Tag 2006 machte dieses Projekt möglich. Das Jugendzentrum belegte den zweiten Rang auf der Rangliste des Projektauswahltreffens. Mit diesem Projekt unterstützen wir Jugendliche, die sich gegen Fremdenhass und für Toleranz engagieren.

Das Projekt verfolgt das Ziel, soziales und politisches Engagement sowie alternative Kultur in Novi Sad und der Region Vojvodina zu fördern. Durch die Einbindung in den Aufbau und Betrieb des Jugendzentrums wird jungen Menschen die Möglichkeit geboten, ihr Umfeld selbstständig und eigenverantwortlich zu gestalten und Erfahrungen und Fähigkeiten in Selbstorganisation, Selbstmanagement und im eigenverantwortlichen Umgang mit Geldern zu erlangen. Workshops, Austausche und Freiwilligenarbeit vervollständigen das Angebot. Die Notwendigkeit des Projekts ergibt sich sowohl aus der ethnisch‐nationalen Polarisierung als auch der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation des Landes, welche die Entstehung nationalistisch motivierter Konflikte in den letzten Jahren massiv gefördert haben.

Miteinander Leben (unterstützt seit 2007)
Mazedonien

Die Region Südserbien mit dem angrenzenden Kosovo und Nordmazedonien ist seit Jahren ein Brennpunkt ethnischer Spannungen und Auseinandersetzungen. Seit September 2007 fördert SHL ein grenzübergreifendes Jugendprojekt, das helfen soll, durch professionelle Kinder- und Jugendarbeit, zur Aussöhnung und Verständigung beizutragen.

Wie es häufig am Balkan üblich ist, bevölkert ein buntes Gemisch an Volksgruppen die Region. Serben, Albaner, Mazedonier und Roma leben seit Jahrhunderten - leider nicht immer friedlich - nebeneinander. Gerade die Konflikte in den letzten 10 Jahren im Kosovo und in geringerem Umfang in Südserbien und Mazedonien, haben zu Misstrauen und Vorurteilen in der Bevölkerung geführt. Die schlechte politische Situation hat natürlich auch die soziale und wirtschaftliche Lage in dieser ohnehin strukturschwachen Region weiter verschlechtert.

Wie fast überall haben unter diesen Bedingungen besonders Kinder und Jugendliche zu leiden. Eine professionelle Betreuung außerhalb der Schulzeit ist praktisch nicht vorhanden, Jugendzentren wurden geschlossen und viele Flüchtlingskinder erhalten keinerlei Unterstützung bei der Aufarbeitung von Traumata. Das von SHL unterstützte und der AWO Bremerhaven in Kooperation mit verschiedenen lokalen Organisationen durchgeführte Projekt bemüht sich durch die Instandsetzung und Wiedereröffnung von zwei Jugendzentren in Bujanovac (Südserbien) und dem nur wenige Kilometer entfernten Kosovska Kamenica (Kosovo) eine Vielzahl bestehender Probleme bei Jugendlichen in der Region zu bearbeiten.

Neben schulischer und beruflicher Bildung werden kreative Freizeitgestaltung, die Integration von Flüchtlingen und Rückkehrern sowie eine psychosoziale Betreuung benachteiligter Kinder und Jugendlicher angeboten. Gleichzeitig entstehen durch die Teilnahme von Jugendlichen aus dem nordmazedonischen Kumanovo auch länderübergreifende Begegnungsmöglichkeiten in Form von Jugendcamps und gemeinsamen Ausflügen.

Die Jugendzentren sind für Jugendliche aus allen Bevölkerungs- und ethnischen Gruppen offen, die gemischten Betreuungsteams bestehen aus Pädagogen mit serbischer und albanischer Herkunft. Dadurch wird der Austausch der Jugendlichen über ihre nationalen Identitätsgrenzen hinweg unterstützt, der im Alltag aufgrund von getrennten Schulen für Kinder unterschiedlicher Herkunft oftmals nicht möglich ist. In einem ersten Schritt mussten beide Jugendzentren zunächst renoviert werden, da sie seit Jahren entweder nicht oder zweckentfremdet benutzt wurden. Eine Gruppe aus mazedonischen, serbischen, albanischen und Roma-Jugendlichen, die gemeinsam ein Feriencamp in Kroatien besuchten, haben bereits regen Kontakt untereinander. Im Oktober nehmen die Jugendlichen auch an einer vom Projekt organisierten Friedenstour teil, bei der die Strecke zwischen dem kosovarischen Kamenica und dem serbischen Bujanovac mit dem Fahrrad zurückgelegt wird. Ein erster Schritt, der Hoffnung macht, dass die Grenzen und Mauern in den Köpfen der Menschen Stück für Stück abgebaut werden können.

Jugendzentrum in Zaječar (unterstützt seit 2009)

Durch SHL ist ein Jugendzentrum in der ostserbischen Kleinstadt Zaječar entstanden. Bisher fehlte den Jugendlichen dort ein Ort für Freizeit- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Zunächst wurde ein Gebäude im Stadtzentrum renoviert, das die Gemeinde zu Verfügung stellt, um es dann als Jugendzentrum mit verschiedenen Angeboten im sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich zu nutzen. Durch öffentliche Debatten und Seminare wird kritisches Denken und Partizipation an gesellschaftspolitischen Prozessen von Jugendlichen gefördert.

Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit (unterstützt von 2008 bis 2010)
Mazedonien

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Beschäftigungsrate unter Jugendlichen zu steigern. Durch das Stärken und Ausbreiten von bereits bestehenden Initiativen (z.B. in Mazedonien, in Serbien und im Kosovo) soll Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden.

Dazu werden verschiedene Maßnahmen ergriffen: Politische Maßnahmen:

  • Lokale und nationale Politiker und Manager werden eingeladen, um den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit zu unterstützen.


Weiterbildende Maßnahmen:

  • Praktikumsangebote bei Unternehmen für 16-30 Jährige
  • Verbesserung der Fähigkeiten und Kenntnisse für den Arbeitsmarkt
  • Verbesserung der Kooperationen mit Unternehmen


Warum?
Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen auf dem Balkan ist rund dreimal höher als in den EU-Ländern. In manchen Regionen, wie zum Beispiel im Kosovo, haben von 100 Jugendlichen gerade mal 40 eine Beschäftigung, oftmals auch noch eine unterbezahlte.
Besonders problematisch ist die Situation, wenn Schulabgänger direkt in die Langzeitarbeitslosigkeit entlassen werden. Während ihre Leistungsfähigkeit und Motivation immer mehr abnimmt, steigern sich gleichzeitig Perspektivlosigkeit und Unmut über ihre Situation.
Die Unternehmen haben praktisch keine Erfahrung mit jungen Menschen;
Praktika sind so gut wie unbekannt.
Insgesamt sind die negativen Folgen und Probleme, die Jugendarbeitslosigkeit mit sich bringt, in dieser Region noch immer weitgehend unbekannt.
Daher verstehen viele - vor allem Politiker - auch nicht, wie problematisch es ist, dass die Jugendlichen in der Schule nicht die Bildung erhalten, die sie für einen späteren Job benötigen.

Wie?
Wir möchten den Jugendlichen vor allem 3-monatige Praktika in Unternehmen vermitteln. Ziel ist es, bis zu 400 Jugendlichen (100 Jugendliche pro Land) einen Praktikumsplatz anbieten zu können.
Jungunternehmer wollen wir mit Fördermitteln und Seminaren unterstützen, damit sie ihre Ideen umsetzen können.
Kooperationen mit nationalen Arbeitsagenturen und Kommunen werden vorangetrieben. Gespräche zum Thema Jugendbeschäftigung werden mit allen wichtigen Akteuren gesucht.

Für wen?
Das Projekt richtet sich zum einen an junge Menschen im Alter von 16 bis 30 Jahren, die Unterstützung bei der Suche nach Arbeit benötigen. Zum anderen wird auch der Kontakt zu Regierungs- und Wirtschaftsvertretern auf lokaler und nationaler Ebene gesucht, um die Rahmenbedingungen für Beschäftigungen zu verbessern.

Union serbischer Schülervertretungen (unterstützt seit 2010)

Die Union Serbischer Schülervertretungen (UNSS) ist das Netzwerk von Schülervertretungen aus ganz Serbien. In der Union sind Jugendliche aktiv, die selbst noch zur Schule gehen oder sie gerade erst abgeschlossen haben: Von jungen Menschen für junge Menschen. Sie ist die einzige Organisation ihrer Art im ganzen Land. Erklärtes Ziel der Union ist es, die Rechte von Schülerinnen und Schülern zu stärken und sie stärker in die Entscheidungen um die Lehr- und Lernsituation im Land einzubeziehen - und diese damit von Grund auf zu verbessern. Sie klärt Schüler und Schülerinnen über ihre Rechte auf und verschafft ihnen Gehör beim Bildungsministerium, in Behörden und in der Öffentlichkeit. Um gehört zu werden, müssen die Jugendlichen aber erst einmal aktiv in Erscheinung treten - und auch daran arbeitet die UNSS, indem sie Möglichkeiten zur Partizipation aufzeigt und neu schafft. Das muss nicht immer nur politisch sein: Auch auf den Ausbau des kulturellen Lebens und der Freizeitaktivitäten an Schulen wirkt die Union hin.

Die UNSS repräsentiert dabei Schülerinnen und Schüler gegenüber allen Institutionen und auf Konferenzen, die sich mit Bildung befassen und Einfluss auf deren Gestaltung haben - auf nationaler Ebene, aber auch auf internationaler, beispielsweise beim Organisationsbüro Europäischer Schülervertretungen (OBESSU). Denn obwohl viele der Probleme, mit denen Jugendliche in den Schulen konfrontiert sind, ihre Wurzeln speziell im Bildungssystem Serbiens haben, bleibt doch Raum für intensive Zusammenarbeit und Austausch mit Schülervertretungen anderer Länder. Durch ihre Arbeit hat die UNSS inzwischen so viel Kompetenz und Vertrauen aufgebaut, dass sie immer wieder von den Behörden des Landes als Beratungsinstanz angesprochen wird. So wirkt sie indirekt auch an der Veränderung der Bildungs- und Jugendgesetze Serbiens mit.

Ende 2010 organisierte die UNSS den ersten Sozialen Tag Serbiens, an dem Schüler und Schülerinnen aus 15 Städten teilnahmen. Mit den Einnahmen sollen die zukünftigen Aktivitäten der Schülervertretungen des Landes langfristig und nachhaltig abgesichert werden.

Schüler Helfen Leben e.V. wird unterstützt von

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