Über Mazedonien
Kurzinformationen über Mazedonien
Mazedonien ist der einzige Staat des ehemaligen Jugoslawien, der ohne einen kriegerischen Konflikt aus dem Staatenverbund ausgeschieden ist. Dennoch ist auch Mazedonien nicht frei von Problemen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Beziehungen zwischen den ethnischen Gruppen innerhalb des Landes, namentlich zwischen den slawischen und albanischen Mazedoniern. Doch haben auch immer wieder Probleme mit den Nachbarn Griechenland und Bulgarien zu Verstimmungen geführt. Die Situation der Jugendlichen ist insbesondere im ländlichen Bereich von allgemeiner Perspektivlosigkeit geprägt. Hoffnung verbreitet die Aussicht auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union.
Mazedonien liegt im Süden des ehemaligen Jugoslawien, umgeben von Albanien, Kosovo, Serbien, Bulgarien und Griechenland. In Mazedonien leben ca. 2,1 Millionen Menschen, die sich mehrheitlich als mazedonische Slawen (ca. 64%) und Albaner (ca. 25%) bezeichnen. Bedeutsame Minderheiten bilden weiterhin Türken, Roma, Serben, und Bosniaken. Die Mehrheit der mazedonischen Bürger haben bei einer Volkszählung aus dem Jahre 2002 keine Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft angegeben (ca. 45%), aber 32,4% bezeichnen sich als orthodoxe Christen (meist slawische Mazedonier), ca. 16,9% sind Muslime (meist albanische Mazedonier) und weitere 5% gehören anderen Religionen an.
Das heutige Mazedonien war in der Geschichte schon immer ein Zankapfel umliegender Herrschaftssphären und Großmächte gewesen. Insbesondere Serbien, Bulgarien und Griechenland erhoben immer wieder Anspruch auf die Region. Slawische Stämme wanderten erst im 6. und 7. Jahrhundert in diese Region ein. Im 9. Jahrhundert wurden Teile des heutigen Mazedoniens dem serbischen Reich angeschlossen. Im 10. Jahrhundert kamen Teile des Landes unter bulgarische Herrschaft. Vor dem Einmarsch der Osmanen im 15. Jahrhundert gehörte das heutige Mazedonien fast 400 Jahre zum serbischen Königreich. Fast 500 Jahre herrschten die osmanischen Sultane über das heutige Mazedonien, bis am Ende des 19. Jahrhunderts - wie fast überall auf dem Balkan - Unabhängigkeitsbewegungen die Ablösung der osmanischen Vorherrschaft herbeisehnten.
Mit zunehmenden Machtverlust der osmanischen Herrscher erwachten auch die Begehrlichkeiten der Nachbarn des heutigen Mazedoniens einen Teil der Überbleibsel des Großreiches abzubekommen. Mit dem Ende der osmanischen Herrschaft 1912 und als Resultat der Balkankriege wurde Mazedonien unter Serbien, Bulgarien und Griechenland aufgeteilt. Der serbische Teil Mazedoniens (das sog. Vardar-Mazedonien) wurde wiederholt durch bulgarische Truppen besetzt. Doch im Jahre 1918 wurde Vardar-Mazedonien offiziell Teil des neuen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (1918-1941), einem Vorgänger der späteren sozialistisch-föderativen Republik Jugoslawien.
Das faschistische Bulgarien besetzte im Jahre 1941 Vardar-Mazedonien. Die kommunistischen Partisanen unter Josip Broz, genannt Tito, übernahmen 1944 dort die Herrschaft, erkannten das mazedonische Volk als eigenständige Nation an und machten Mazedonien zu einer Teilrepublik der jugoslawischen Föderation.
Im Jahre 1991 schied Mazedonien friedlich aus dem jugoslawischen Staatenverbund aus. Die Namensgebung der neuen Mazedonischen Republik führte zu Streitigkeiten insbesondere mit Griechenland.
Zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen mazedonischen Institutionen und albanischen Nationalisten kam es 2001. Diesem Konflikt waren Forderungen albanischer Politiker nach mehr Rechten für die albanische Bevölkerung ergebnislos vorausgegangen. Albanische Extremisten griffen daraufhin mazedonische Polizeistationen und Einrichtungen der Regierung an. Die Auseinandersetzungen wurden durch das Rahmenabkommen von Ohrid beigelegt, das eine territoriale Neuaufteilung und Dezentralisierung des Landes festschrieb und somit der albanischen Minderheit in Mazedonien gewisse Selbstverwaltungsrechte zugestand.
Die Europäische Union hat mit Mazedonien Assozierungs- und Kooperationsabkommen abgeschlossen. Eine rasche Integration Mazedoniens in die Europäische Union bleibt das Ziel und die Hoffnung der mazedonischen Regierung sowie der Bevölkerung. Insbesondere die Jugend erhofft sich von diesem Schritt nach Europa nachhaltige Verbesserungen der eigenen Lebensperspektiven.
SHL-Artikel
SHL-Artikel über das Geschehen in Mazedonien
Roma auf dem Balkan (Dezember 2010)
SHL-Projekte
Von SHL unterstützte Projekte in Mazedonien
Bildung durch Straßensozialarbeit (unterstützt seit 2005)
Miteinander Leben (unterstützt seit 2007)
Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit (unterstützt von 2008 bis 2010)
Bildung durch Straßensozialarbeit (unterstützt seit 2005)
Viele Roma in Mazedoniens Hauptstadt Skopje leben in Slums. Mit Straßensozialarbeit helfen wir ihnen dabei, eine bessere Zukunft zu schaffen. Dieses Projekt wurde durch den Sozialen Tag 2005 angestoßen und wird nun mit Geldern von weiteren Sozialen Tagen fortgeführt - und ausgeweitet.
Die Mehrheit der Roma-Bevölkerung in Mazedonien ist arbeitslos und lebt an oder unterhalb der Armutsgrenze. Der Bildungsstand ist niedrig, viele Roma sind Analphabeten. Ihnen ist es kaum möglich, am gesellschaftlichen Leben der Mehrheitsbevölkerung teilzunehmen, vor allem Kindern und Jugendlichen bleibt der Aufstieg verwehrt. Das wollen wir ändern: Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit bekommen, den für sie wichtigen Schulabschluss zu machen.
Verlauf des Projektes
Die Mitarbeiter des Projektes sind täglich in Kontakt mit den Kindern und ihren Eltern. Sie informieren, verteilen Schulbücher, Schulmaterial und auch Hygieneartikel. Die Unterstützung beginnt bei scheinbar banalen Dingen: Für die Schulanmeldung mussten für die meisten Kinder Ausweise beantragt werden. Außerdem wurden zunächst viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programmes von den Schulen nicht akzeptiert, da ihr hygienischer Zustand nicht den Anforderungen entsprach. Allgemein sind Roma-Kinder aufgrund der schlechten hygienischen Versorgung und Ernährung oft krank und fehlen daher häufig im Unterricht. Da die Eltern meistens nicht im Besitz einer Krankenversicherung sind, muss jedes benötigte Medikament oder jede Operation privat von ihnen gezahlt werden, was sich kaum eine Familie leisten kann.
Da die Eltern der Schulkinder oft selbst über keine Schulbildung verfügen und das Projekt verhindern will, dass die Kinder deshalb einen Nachteil anderen Kindern gegenüber haben, gibt es eine tägliche Hausaufgabenhilfe im Jugendhaus des Projekts. Hier können sie anschließend spielen oder auf der Wiese ein wenig Sport treiben.
Über 250 Kinder eingeschult
Durch die Unterstützung von Pädagogen und Sozialarbeitern konnten diese Probleme in den letzten Monaten vermindert werden. Etwa 250 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und achtzehn Jahren (und die dazugehörigen Eltern) nehmen an dem Projekt teil.
Der gesellschaftliche Status der Roma ist niedrig, sie werden oft nicht als gleichwertig anerkannt und häufig diskriminiert. Es kommt vor, dass ihre Siedlungen mit Bulldozern eingeebnet und ganze Familien vertrieben werden. ?Es sind Zigeuner, sie sind dreckig und stinken", so die gängigsten Vorurteile gegenüber Roma. Gerade deshalb ist Hilfe von Außen wichtig: Durch Bildung wollen wir Selbstbewusstsein schaffen und Roma in die Lage versetzen, sich selbst zu helfen, weiter bemühen wir uns ihnen Aktivitäts- und Freizeitangebote zu bieten. Die Kinder sollen die Chance bekommen, den Kreislauf der Armut und Ausweglosigkeit zu durchbrechen. Mit den Geldern des Sozialen Tages soll das Projekt weiter geführt und so weit wie möglich ausgebaut werden.
Miteinander Leben (unterstützt seit 2007)
Die Region Südserbien mit dem angrenzenden Kosovo und Nordmazedonien ist seit Jahren ein Brennpunkt ethnischer Spannungen und Auseinandersetzungen. Seit September 2007 fördert SHL ein grenzübergreifendes Jugendprojekt, das helfen soll, durch professionelle Kinder- und Jugendarbeit, zur Aussöhnung und Verständigung beizutragen.
Wie es häufig am Balkan üblich ist, bevölkert ein buntes Gemisch an Volksgruppen die Region. Serben, Albaner, Mazedonier und Roma leben seit Jahrhunderten - leider nicht immer friedlich - nebeneinander. Gerade die Konflikte in den letzten 10 Jahren im Kosovo und in geringerem Umfang in Südserbien und Mazedonien, haben zu Misstrauen und Vorurteilen in der Bevölkerung geführt. Die schlechte politische Situation hat natürlich auch die soziale und wirtschaftliche Lage in dieser ohnehin strukturschwachen Region weiter verschlechtert.
Wie fast überall haben unter diesen Bedingungen besonders Kinder und Jugendliche zu leiden. Eine professionelle Betreuung außerhalb der Schulzeit ist praktisch nicht vorhanden, Jugendzentren wurden geschlossen und viele Flüchtlingskinder erhalten keinerlei Unterstützung bei der Aufarbeitung von Traumata. Das von SHL unterstützte und der AWO Bremerhaven in Kooperation mit verschiedenen lokalen Organisationen durchgeführte Projekt bemüht sich durch die Instandsetzung und Wiedereröffnung von zwei Jugendzentren in Bujanovac (Südserbien) und dem nur wenige Kilometer entfernten Kosovska Kamenica (Kosovo) eine Vielzahl bestehender Probleme bei Jugendlichen in der Region zu bearbeiten.
Neben schulischer und beruflicher Bildung werden kreative Freizeitgestaltung, die Integration von Flüchtlingen und Rückkehrern sowie eine psychosoziale Betreuung benachteiligter Kinder und Jugendlicher angeboten. Gleichzeitig entstehen durch die Teilnahme von Jugendlichen aus dem nordmazedonischen Kumanovo auch länderübergreifende Begegnungsmöglichkeiten in Form von Jugendcamps und gemeinsamen Ausflügen.
Die Jugendzentren sind für Jugendliche aus allen Bevölkerungs- und ethnischen Gruppen offen, die gemischten Betreuungsteams bestehen aus Pädagogen mit serbischer und albanischer Herkunft. Dadurch wird der Austausch der Jugendlichen über ihre nationalen Identitätsgrenzen hinweg unterstützt, der im Alltag aufgrund von getrennten Schulen für Kinder unterschiedlicher Herkunft oftmals nicht möglich ist. In einem ersten Schritt mussten beide Jugendzentren zunächst renoviert werden, da sie seit Jahren entweder nicht oder zweckentfremdet benutzt wurden. Eine Gruppe aus mazedonischen, serbischen, albanischen und Roma-Jugendlichen, die gemeinsam ein Feriencamp in Kroatien besuchten, haben bereits regen Kontakt untereinander. Im Oktober nehmen die Jugendlichen auch an einer vom Projekt organisierten Friedenstour teil, bei der die Strecke zwischen dem kosovarischen Kamenica und dem serbischen Bujanovac mit dem Fahrrad zurückgelegt wird. Ein erster Schritt, der Hoffnung macht, dass die Grenzen und Mauern in den Köpfen der Menschen Stück für Stück abgebaut werden können.
Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit (unterstützt von 2008 bis 2010)
Das Projekt verfolgt das Ziel, die Beschäftigungsrate unter Jugendlichen zu steigern. Durch das Stärken und Ausbreiten von bereits bestehenden Initiativen (z.B. in Mazedonien, in Serbien und im Kosovo) soll Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden.
Dazu werden verschiedene Maßnahmen ergriffen: Politische Maßnahmen:
- Lokale und nationale Politiker und Manager werden eingeladen, um den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit zu unterstützen.
Weiterbildende Maßnahmen:
- Praktikumsangebote bei Unternehmen für 16-30 Jährige
- Verbesserung der Fähigkeiten und Kenntnisse für den Arbeitsmarkt
- Verbesserung der Kooperationen mit Unternehmen
Warum?
Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen auf dem Balkan ist rund dreimal höher als in den EU-Ländern. In manchen Regionen, wie zum Beispiel im Kosovo, haben von 100 Jugendlichen gerade mal 40 eine Beschäftigung, oftmals auch noch eine unterbezahlte.
Besonders problematisch ist die Situation, wenn Schulabgänger direkt in die Langzeitarbeitslosigkeit entlassen werden. Während ihre Leistungsfähigkeit und Motivation immer mehr abnimmt, steigern sich gleichzeitig Perspektivlosigkeit und Unmut über ihre Situation.
Die Unternehmen haben praktisch keine Erfahrung mit jungen Menschen;
Praktika sind so gut wie unbekannt.
Insgesamt sind die negativen Folgen und Probleme, die Jugendarbeitslosigkeit mit sich bringt, in dieser Region noch immer weitgehend unbekannt.
Daher verstehen viele - vor allem Politiker - auch nicht, wie problematisch es ist, dass die Jugendlichen in der Schule nicht die Bildung erhalten, die sie für einen späteren Job benötigen.
Wie?
Wir möchten den Jugendlichen vor allem 3-monatige Praktika in Unternehmen vermitteln. Ziel ist es, bis zu 400 Jugendlichen (100 Jugendliche pro Land) einen Praktikumsplatz anbieten zu können.
Jungunternehmer wollen wir mit Fördermitteln und Seminaren unterstützen, damit sie ihre Ideen umsetzen können.
Kooperationen mit nationalen Arbeitsagenturen und Kommunen werden vorangetrieben. Gespräche zum Thema Jugendbeschäftigung werden mit allen wichtigen Akteuren gesucht.
Für wen?
Das Projekt richtet sich zum einen an junge Menschen im Alter von 16 bis 30 Jahren, die Unterstützung bei der Suche nach Arbeit benötigen. Zum anderen wird auch der Kontakt zu Regierungs- und Wirtschaftsvertretern auf lokaler und nationaler Ebene gesucht, um die Rahmenbedingungen für Beschäftigungen zu verbessern.











