Kurzinformationen über das Kosovo

Albanien

Das Kosovo ist mit nur ca. 11.000km² das flächenmäßig kleinste Land der Region Südosteuropa, und in etwa halb so groß wie das Bundesland Hessen. Es grenzt im Norden an Serbien, im Süden an Mazedonien und Albanien und im Westen an Montenegro. Heute leben dort geschätzte 1,8 Millionen Menschen, davon allein 550.000 in der Hauptstadt Prishtinë/Pristina. In den letzten Jahren hat es im Kosovo tiefgreifende Veränderungen gegeben: Nach jahrelangen, letztlich gescheiterten Verhandlungen über den endgültigen Status erklärte die ehemals serbische Provinz am 17. Februar 2008 ihre Unabhängigkeit.

Zuvor stand das Kosovo schon seit dem Krieg von 1999 unter Verwaltung der Vereinten Nationen, außerhalb der Kontrolle der serbischen Regierung und Institutionen. Über 90 Staaten der Erde, darunter auch Deutschland, haben die Unabhängigkeit des Landes bereits anerkannt. Nicht akzeptiert wird die Loslösung allerdings von Serbien und der Mehrheit dessen Bevölkerung, die ihre historischen Wurzeln im Kosovo sieht. Darüber hinaus erkennen fünf der 27 EU-Mitglieder Kosovo - zumeist aus innenpolitischen Gründen - nicht an (Spanien, Griechenland, Rumänien, die Slowakei, Spanien und Zypern).

Im ehemaligen Jugoslawien war das Kosovo eine autonome Provinz innerhalb der Republik Serbien und genoss weitgehende Autonomierechte. Die kosovarischen Behörden hatten Kompetenzen in den Bereichen Justiz, Polizei, Bildung. Darüber hinaus erhielt die Bevölkerungsgruppe der Albaner weitreichende politische, soziale und kulturelle Rechte.

Nach dem Tod des jugoslawischen Staatsoberhauptes Josip Broz Tito im Jahre 1980 demonstrierten albanische Studenten der Universität Prishtinë/Pristina für eine Ausweitung der Autonomierechte und für den Status des Kosovos als gleichwertige Republik innerhalb der Jugoslawischen Sozialistischen Föderation (welche bis zum Jahr 1991 aus Slowenien, Kroatien, Makedonien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, sowie Serbien mit seinen beiden Provinzen Kosovo und Vojvodina bestand). Diese Protestaktionen wurden gewaltsam durch jugoslawische (serb. JNA: Jugoslovenska narodna armija) Armee- und Polizeieinheiten unterdrückt.

Ende der 1980er Jahre kamen zunehmend nationalistische Kreise in der Republik Serbien an die Macht. Diese versuchten den Autonomiestatus des Kosovos aufzuheben und der angeblichen Unterdrückung der Serben auf dem Gebiet des Kosovos ein Ende zu setzen. Berüchtigt ist in diesem Zusammenhang die Rede des damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Miloševićs anlässlich des 600-jährigen Gedenkens der Schlacht auf dem Amselfeld (1389). Im Jahre 1988 wurde dem Kosovo durch einen Beschluss des serbischen Parlaments der Autonomiestatus entzogen. Fortan unterstand das Kosovo (wie bereits bis 1974) der serbischen Zentralregierung.

Zentrale Figur des Widerstands der Kosovo-Albaner war der Literaturwissenschaftler Dr. Ibrahim Rugova (1944-2006), dessen Mitstreiter die Wiederherstellung der Autonomie Kosovos und volle Rechte für die albanische Bevölkerung forderten. Im Zuge der Unabhängigkeitsbewegungen in Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina erweiterte man die Forderungen auf staatliche Souveränität, Unabhängigkeit und Freiheit des albanischen Volkes. Erst im Jahre 1996 trat die Kosovo-Befreiungsarmee UÇK (albanisch "Ushtria Çlirimtare e Kosoves") als bewaffnete Widerstandsgruppe öffentlich auf. Durch gezielte Aktionen gegen die Serben versuchte die UÇK das Kosovo zu befreien.

Im Jahre 1998 antwortete die jugoslawisch-serbische Armee mit einer Großoffensive gegen die UÇK und verübte dabei zahlreiche Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen gegen die albanische Zivilbevölkerung. Als es 1999 im Zuge weiterer Kampfhandlungen zwischen der UÇK und der jugoslawisch-serbischen Armee zu schweren Übergriffen auf die albanische Bevölkerung kam (z.B. in Račak), übte die internationale Gemeinschaft verstärkt Druck auf die serbische Regierung aus. Den wiederholten Forderungen nach Abzug der serbischen Polizei und des Militärs kam Milošević nicht nach. So entschloss sich die NATO im März 1999 - ohne ein entsprechendes Mandat der Vereinten Nationen - zu Luftangriffen gegen serbische Stellungen und zivile Infrastruktur in der Bundesrepublik Jugoslawien (die zu diesem Zeitpunkt nur noch aus Serbien und Montenegro bestand).

Nach dem Abzug der jugoslawisch-serbischen Armee aus dem Kosovo marschierten NATO-Bodentruppen in das Kosovo ein, entwaffneten die Verbände der UÇK und ermöglichten Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung. Die NATO-Truppen verhinderten jedoch nicht albanische Übergriffe auf die serbische Zivilbevölkerung. So mussten viele Serben das Kosovo verlassen oder flüchteten in serbische Enklaven in der Region (u.a. in Kosovska Mitrovica, Bresovica, Gračanica). Die Resolution 1244 des Sicherheitsrates aus dem Jahr 1999 unterstellt die Provinz Kosovo dann der Verwaltung der Vereinten Nationen.

Obwohl seit 1999 im Kosovo offiziell Frieden herrscht kommt es dennoch zu vereinzelten Übergriffen auf nichtalbanische Minderheiten im Kosovo. Die Unruhen im März 2004, ausgelöst durch Gerüchte, führten nicht nur zu Angriffen auf serbische Zivilisten und zur Zerstörung serbischer Siedlungen und Kulturgüter (z.B. die Altstadt von Prizren), sondern auch zu Übergriffen kosovo-albanischer Demonstranten auf die NATO-Truppen im Kosovo (KFOR).

Wirtschaftlich ist das Land extrem schwach, die Arbeitslosigkeit mit über 40 Prozent sehr hoch. Die politische Instabilität, insbesondere im serbisch dominierten Norden, die marode Infrastruktur und unsichere Rahmenbedingungen für ausländische Investoren erschweren die Situation zusätzlich.

Besonders für die Jugendlichen ist die Lage besorgniserregend. Das Land gehört von der Bevölkerungszusammensetzung her zu den jüngsten Staaten Europas. Die Hälfte der Bewohner ist unter 25 Jahre alt. Sie sind von den großen Herausforderungen des Landes in besonderer Weise betroffen: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 60 Prozent, Jugendliche leiden unter den interethnischen Konflikten und schlechten Bildungsmöglichkeiten. Vielen jungen Menschen fehlen zudem sowohl die Möglichkeiten als auch die Fähigkeiten, ihre Situation zu verändern und sich in politische Prozesse einzubringen.

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