Ehemalige Freiwillige

Ein Jahr lang woanders hingehen, etwas völlig Neues kennenlernen und dabei noch etwas Sinnvolles tun. Das war meine Vorstellung von einem Freiwilligendienst im Ausland.
 Kaum zu glauben, dass meine Bewerbung für den Freiwilligenplatz mittlerweile schon gut zwei Jahre zurückliegt. Unglaublich schnell ist die Zeit verflogen obwohl doch so vieles passiert ist, ich so viel Neues erlebt und gelernt habe. Nie hätte ich erwartet, dass mich diese Erfahrung in dem Maße prägen würde, wie sie es letztendlich getan hat.

Die Erfahrungen, die ich in meinem Jahr auf dem Balkan machen konnte, sind zu vielschichtig um sie in einen kurzen Abschlussbericht zu packen. So hat das Jahr vieles mit sich gebracht: Das Gefühl von unendlicher Freiheit, absolute Hilflosigkeit, große Glücksmoment, eine neue Sprache, strahlende Gesichter und einen schrägen Sinn für Humor in scheinbar ausweglosen Situationen, übermotiviertem Aktivismus, großer Verwirrung, Entsetzten über die Zustände in Europa, neue Formen von (In-) Toleranz, denen ich begegnet bin, kulturelle Barrieren und Missverständnisse, die es zu überwinden galt, Dankbarkeit und Ehrfurcht vor den Privilegien, die ich von Kindheit an genießen durfte, ein Verständnis dafür wie komplex und frustrierend einfach nur „helfen“ sein kann und wie wichtige es ist, dass wir alle in globaler Solidarität ein Stück näher zusammenrücken um realistische Chancen für jeden und jede zu eröffnen.


Lena Groh-Trautmann (Romaprojekt CSI Nadez, Mazedonien 2011/12)

Immer wieder war ich im Kosovo mit Situationen konfrontiert, denen ich mich im ersten Moment nicht gewachsen fühlte, doch ich konnte auch immer wieder erfahren wie schnell man in einer fremden Umgebung Halt finden und über sich hinauswachsen kann. Menschen im meinem Alter kennenzulernen, die bewusst einen Krieg miterlebt haben, für die Worte wie Verlust, Schmerz, Gewalt, aber auch Frieden eine ganz andere Bedeutung haben, und diese Menschen dabei unterstützen zu dürfen sich ihren Weg unabhängig dieser Begriffe zu suchen, ist eine unbezahlbare Erfahrung. Auch dass Jugendarbeit nicht überall so gute Voraussetzungen genießt wie in Deutschland und dass der Wille zu Helfen eben doch nicht alles ist, sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Viele Gegebenheiten, die für Menschen im Kosovo Alltag sind, sind für die meisten Westeuropäer unvorstellbar – auch wenn sie teils ohne Probleme zu ertragen sind.


Sarah Houter (SHL Kosova, Rahovec/Orahovac 2011/12)

Das Freiwilligenprojekt war für mich eine große Bereicherung, durch die ich viel über Projektmanagement gelernt habe - von einer kleinen Idee bis hin zur Ausarbeitung eines Konzepts, des Projektantrags und letztlich der Aufstellung und Ausführung von Projektaktivitäten, um das Projekt umzusetzen. Es war eine besondere, lernintensive Zeit meines Freiwilligendienstes. Bereichernd nicht nur durch die vielen, neuen Menschen, die ich kennen gelernt habe, sondern auch durch den Entwicklungsprozess, in dem wir letzten Endes ein fertiges Workshop-Zentrum „errichtet“ und nutzbar gemacht haben.
Wenn man genau hinhört, erfährt man jeden Tag etwas über die Meinung der Bürger in diesem Land. Besonders in Bosnien, so ist mein Eindruck, scheinen viele noch das Bedürfnis zu haben über die gegenwärtige Situation und die Vergangenheit zu sprechen. Ich habe dadurch ganze viele, verschiedene Perspektiven und doch wiederum viele Parallelen kennen lernen und entdecken können.
Persönlich habe ich so viel dazu gewonnen. Ich habe mich anders kennen gelernt und weiter entwickelt. Aber auch fachlich konnte ich ganz viel Neues dazu lernen - durch meine Kollegen, innerhalb der Partnerorganisation, an meinem vielfältigen Aufgabenbereich, mit der Zielgruppe und zu allerletzt durch mein Freiwilligenprojekt.


Tasnim Hanachi (Otaharin, Bosnien und Herzegowina 2011/12)

„Mit mehr als einem Jahr Abstand zu meinem Freiwilligendienst bin mir immer stärker bewusst darüber, dass mein Freiwilligendienst alle meine nachfolgenden Entscheidungen erheblich beeinflusst hat: Wahl des Studienfaches, Wahl des Studienortes und Engagement im Allgemeinen. Die Erfahrungen vor Ort aber auch die Arbeit der Organisation im Allgemeinen hatten mich so nachhaltig beeindruckt, dass ich daraus die Motivation schöpfte mich auch weiterhin bei SHL zu engagagieren. Nicht zu guter Letzt ist mein Freiwilligendienst bei SHL Grund daür, dass ich mein Austauschsemester im Rahmen des Erasmus Programmes an der Universität Zagreb verbringen werde.“

 

Patricia Weykopf (SHL Sarajevo 2010/11)

Viel Weiterbildung […] hat bei mir auch in den einzelnen inhaltlichen Bereichen der verschiedenen Events, durch das Lesen und Sammeln von Material für die Bibliothek oder eben auch das Kochen für viele Menschen stattgefunden.
Geographisch habe ich außerdem, auch durch das Reisen, eine ganze Region neu für mich entdeckt, sowie Zugang zur lokalen Sprache, Geschichte und den Bräuchen gefunden. Auch meine Englischkenntnisse konnte ich durch den täglichen Gebrauch im Laufe des Jahres enorm verbessern.
Das wichtigste an Lernprozessen ist, da bin ich mir ziemlich sicher, ganz unbewusst abgelaufen; durch all die verschiedenen Menschen, die ich getroffen und mit denen ich zusammengearbeitet habe, durch Fehler, die ich gemacht habe und Erfolge, die ich erzielt habe.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass es für mich eine wirklich sehr wichtige und bereichernde Zeit war. Und ich hoffe, denke und habe es teilweise auch gesagt bekommen, dass es auch für das Projekt, in dem ich aktiv war, sowie für die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet und gelebt habe, auch bereichernd war.


Jakob (Kulturzentrum CK 13, Serbien 2010/11)

Mir ist bewusst geworden, in was für einer privilegierten Gesellschaft ich aufgewachsen bin, welchen Stellenwert Deutschland in der internationalen Sicht einnimmt und dass der Standard, den ich an meine Lebensqualität setze, längst nicht der Normalstandard auf unserer Erde ist. Diese Erfahrung kann man sicherlich jederzeit im Internet nachlesen, allerdings ist es etwas anderes, diesen Sachverhalt nicht nur zu wissen, sondern auch gefühlstechnisch zu verinnerlichen.
 Abschließend kann man zu den Lernergebnissen sagen, dass ich durch all diese kleinen Aspekte eine Sicherheit durch mich selbst bekommen habe. Meine Einstellung zu meinem eigenen Leben ist sehr viel zuversichtlicher geworden, da ich meiner eigenen Stärke und meinen eigenen Fähigkeiten vertrauen kann.


Henrike Pauling (Romaprojekt CSI Nadez, Mazedonien 2010/11)

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