Rezensionen zur Buchmesse
Die Leipziger Buchmesse fand dieses Jahr vom 17. bis 20. März statt. Wir nehmen die Wahl Serbiens zum Schwerpunktland als Anlass, die belebte Literaturszene des Landes zu betrachten und Leserinnern und Lesern aus Deutschland näherzubringen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir Rezensionen einer Auswahl neu veröffentlichter oder neu übersetzter Literatur von serbischsprachigen Autorinnen und Autoren.
Vladimir Pistalo: "Millennium in Belgrad"
Vladimir Pistalo zeichnet im Prolog zu seinem Roman "Millennium in Belgrad" die immer wieder in die Stadt zurückkehrende Zerstörung als einen Fluch der Götter, als Strafe für den Menschen, der sich von ihrer großen Kreation abgewendet hat. Statt eine Stütze für ihren Bewohner sollte sie auf ewig eine offene Wunde sein.
Erzählt wird die Geschichte von fünf Jugendlichen, die 1980 der Beerdigung Titos indifferent per Fernseher beiwohnen und ihres Erwachsenwerdens und ihrer Zerrüttung in den folgenden zwei Jahrzehnten, analog zum Niedergang Jugoslawiens und vor allem seiner Hauptstadt, aus der heraus Gewalt gesät wird, um erneut Zerstörung zu ernten. Milan, der Erzähler, Zora, Bane, Boris und Irina sind Teil der Generation nach Tito, desillusioniert von der Inszenierung einer schon vor ihrem Führer gestorbenen Ideologie und zukunftslos in einer im Zerfall befindlichen Gesellschaft. "Ich habe etwas zu sagen, aber ich weiß nicht wie", beschreibt Bane nicht nur seine musikalischen Perspektiven. Die Flucht in den New Wave, in Liebe, Bier und Sex ist weniger ein letztes Aufbäumen als eine extreme Form des Wartens auf den großen Knall.
Genauso kaputt wie der Staat und die meisten Menschen darin sind auch ihre Familien. Vom Gebrüll des "aggressiven Faschisten im Wohnzimmer", dem Fernseher, betäubt oder angestachelt, resignieren sie entweder in ihrer schrumpfenden Existenz oder stimmen triumphierend ein. Als sich 1991 endlich die Spannung entlädt und der Krieg in Slowenien und Kroatien ausbricht, wird Bane zum Militärdienst eingezogen. Er, der als einziger der Gruppe in die Emigration hätte flüchten können, fügt sich der ihm zugewiesenen Rolle und zerbricht, als sich in Vukovar Menschen, die zehn Jahre zuvor gemeinsam um Tito getrauert haben, zum Sound des New Wave gegenseitig umbringen. Er verlässt das Land, das mit sich selbst darum kämpft, Länder zu sein.
Zora zieht sich immer vehementer in eine idealisierte Traumwelt zurück, ihre Beziehung zu Boris geht an dessen entgegengesetzter Entwicklung hin zum Gläubiger des nationalen Wahnsinns zugrunde. Auch Milan und Irina entfremden sich, er betrachtet den sie alle längst nicht mehr umgebenden Zerfall immer hilfloser, während sie zurück zum Heroin flüchtet. "Ich habe schon gesagt, dass das eine Geschichte vom ständigen Wegbrechen der Stützen ist". Boris geht nach Bosnien, kehrt als versehrter Kriegsgewinnler zurück und steigt weiter in der Belgrader Unterwelt auf. Hier scheint es, als drohe Pi?talo den Bogen zu überspannen und die fünf Personen auf Archetypen ihrer Generation zu reduzieren. Wieviel hatte der Freundeskreis zuvor gemeinsam, als dass sich dessen Mitglieder so weit voneinander entfernen konnten? Doch genau da schließt die Analogie zum Land: Wieviel hatten die Menschen Jugoslawiens zuvor gemeinsam, als dass sie sich einmal in solcher Unbarmherzigkeit gegenüberstehen konnten?
Beraubt aller Stützen, wird am Ende des Romans die Wunde Belgrad erneut aufgerissen. Der Krieg kehrt nach Hause zurück und Milan hadert mit dem Schicksal der Stadt, das auch seines ist. Doch bricht kurz darauf ein neues Millennium an und mit ihm die Chance, den Mensch mit den rachsüchtigen Göttern zu versöhnen.
Das Buch ist, übersetzt von Brigitte Döbert, im März 2011 in der Edition Balkan des Dittrich Verlags erschienen. Die Veröffentlichung des Originals "Milenijum u Beogradu" liegt bereits zwei Jahre zurück. Sein Autor Vladimir Pistalo wurde 1960 in Sarajevo geboren und wuchs in Mostar, Kraljevo und Belgrad auf. Für seinen Roman "Tesla, portret među maskama" ("Tesla, ein Porträt zwischen den Masken", bisher nicht ins Deutsche übersetzt) erhielt er 2008 den NIN-Preis. Heute lebt er in Worcester (Massachusetts, USA) und Belgrad.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
Jovan Nikolić: "Seelenfänger"
"Mamas Angelegenheiten" machen da weiter, wo Bora Ćosić in seinem auch in Deutschland bekannten Klassiker "Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution" aufgehört hat: Mit der Erzählung des Alltags einer jugoslawischen Familie in Belgrad vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Deren Leben zwischen Normalität und dem Wahnsinn dieser Zeit beschreibt Ćosić wieder aus der Sicht des Sprösslings der Sippe, der die Absonderlichkeiten seiner Verwandtschaft so selbstverständlich hinnimmt, dass sich bald auch Leser und Leserin mit deren Absurdität abfinden. Alle kommen sie zu Wort: Die Tanten ungefragt zu wirklich jedem Thema, der Schürzen jagende Onkel am liebsten über Frauen, Opa weiß es in jedem Fall besser und die vergeblich um Fassung und Anstand ringende Mama weist den schon wieder besoffenen Papa zurecht. Zwischendurch erzählen die Nachbarn die neuesten Gerüchte übereinander.
Von allen Seiten kommentiert wird dabei auch die finstere Realität der 40er Jahre, als erst Deutsche den Ton angeben und Menschen jagen und dann unter umgedrehten Vorzeichen die russischen Befreier Kollaborateure und jene, die sie dafür halten - und das sind viele -, hinrichten. Umgekommen wird leicht im umkämpften und neu gegründeten Jugoslawien, und wen es nicht gleich dahinrafft, der/die wird von Hunger und Kälte geplagt. Umstürze werden hingenommen, in der Schule werden neue Parolen gelehrt, Opa bleibt skeptisch und die Tanten erfreuen sich an der wechselnden Mode. Ganz nebenbei werden in "Mamas Angelegenheiten" so Triviales und Weltgeschichte vermengt. Das alles passiert aber in einem so liebenswert absurden und vor allem absurd liebenswerten Tonfall, dass der Sprung von der Farce ins Groteske vonstattengeht ohne Narben zu hinterlassen. Mama weiß, "das Leben bleibt bitter und unheilbar!", also: Weitermachen und sich nicht allzu sehr ins gefährliche Geschehen einmischen.
Genauso wenig wie die Charaktere einander und das Leben, nimmt Bora Ćosić dabei sich selbst besonders ernst. Mit viel Ironie legt er seinem kindlichen Erzähler in den Mund, "daß man nur älter zu werden braucht, um dann gleich eine Erzählung über irgend etwas zu schreiben. Man muß bloß viele sinnlose Beispiele zu einem Thema verbinden, welches, was am schlimmsten ist, mit diesen Beispielen fast gar nichts zu tun hat." Dass hinter all dem beschriebenen Absurditäten aber doch grundlegende Wahrheiten stecken, klärt der Autor am Abschluss des Buches in einer Anmerkung. Und offenbart einen kleinen Einblick in die jahrzehntelange Entwicklung der Geschichten im Buch.
"Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten" ist im Februar 2011 beim Folio-Verlag (Wien/Bozen) erschienen. Die deutsche Übersetzung des serbischen Originals aus dem Jahr 2008 stammt von Katharina Wolf-Grießhaber. Bora Ćosić wurde 1932 in Zagreb geboren und war lange Zeit in Belgrad tätig, dass er 1992 aus Protest gegen die Politik des Milosević-Regimes verließ. Heute lebt er in Rovinj (Kroatien) und Berlin.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
Bora Ćosić: "Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten"
"Mamas Angelegenheiten" machen da weiter, wo Bora Ćosić in seinem auch in Deutschland bekannten Klassiker "Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution" aufgehört hat: Mit der Erzählung des Alltags einer jugoslawischen Familie in Belgrad vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Deren Leben zwischen Normalität und dem Wahnsinn dieser Zeit beschreibt Ćosić wieder aus der Sicht des Sprösslings der Sippe, der die Absonderlichkeiten seiner Verwandtschaft so selbstverständlich hinnimmt, dass sich bald auch Leser und Leserin mit deren Absurdität abfinden. Alle kommen sie zu Wort: Die Tanten ungefragt zu wirklich jedem Thema, der Schürzen jagende Onkel am liebsten über Frauen, Opa weiß es in jedem Fall besser und die vergeblich um Fassung und Anstand ringende Mama weist den schon wieder besoffenen Papa zurecht. Zwischendurch erzählen die Nachbarn die neuesten Gerüchte übereinander.
Von allen Seiten kommentiert wird dabei auch die finstere Realität der 40er Jahre, als erst Deutsche den Ton angeben und Menschen jagen und dann unter umgedrehten Vorzeichen die russischen Befreier Kollaborateure und jene, die sie dafür halten - und das sind viele -, hinrichten. Umgekommen wird leicht im umkämpften und neu gegründeten Jugoslawien, und wen es nicht gleich dahinrafft, der/die wird von Hunger und Kälte geplagt. Umstürze werden hingenommen, in der Schule werden neue Parolen gelehrt, Opa bleibt skeptisch und die Tanten erfreuen sich an der wechselnden Mode. Ganz nebenbei werden in "Mamas Angelegenheiten" so Triviales und Weltgeschichte vermengt. Das alles passiert aber in einem so liebenswert absurden und vor allem absurd liebenswerten Tonfall, dass der Sprung von der Farce ins Groteske vonstattengeht ohne Narben zu hinterlassen. Mama weiß, "das Leben bleibt bitter und unheilbar!", also: Weitermachen und sich nicht allzu sehr ins gefährliche Geschehen einmischen.
Genauso wenig wie die Charaktere einander und das Leben, nimmt Bora Ćosić dabei sich selbst besonders ernst. Mit viel Ironie legt er seinem kindlichen Erzähler in den Mund, "daß man nur älter zu werden braucht, um dann gleich eine Erzählung über irgend etwas zu schreiben. Man muß bloß viele sinnlose Beispiele zu einem Thema verbinden, welches, was am schlimmsten ist, mit diesen Beispielen fast gar nichts zu tun hat." Dass hinter all dem beschriebenen Absurditäten aber doch grundlegende Wahrheiten stecken, klärt der Autor am Abschluss des Buches in einer Anmerkung. Und offenbart einen kleinen Einblick in die jahrzehntelange Entwicklung der Geschichten im Buch.
"Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten" ist im Februar 2011 beim Folio-Verlag (Wien/Bozen) erschienen. Die deutsche Übersetzung des serbischen Originals aus dem Jahr 2008 stammt von Katharina Wolf-Grießhaber. Bora Ćosić wurde 1932 in Zagreb geboren und war lange Zeit in Belgrad tätig, dass er 1992 aus Protest gegen die Politik des Milosević-Regimes verließ. Heute lebt er in Rovinj (Kroatien) und Berlin.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
Dragan Aleksić: "Vorvorgestern"
Dragan Aleksić lässt in seinen "Geschichten, die vom Glück handeln" Kindheitserinnerungen wiederaufleben. Mit großer Liebe zum Detail erzählt er aus dem Leben und aus der Perspektive eines kleinen Jungen, der in den 60er Jahren in einer Kleinstadt in Jugoslawien aufwächst. Seine Welt ist klein und beschränkt sich auf die "Serbenstraße", die "Zigeunerstraße" und die "andere Seite des Grabens". In dieser Gegend leben Serben und Roma neben- und miteinander - das Haus seiner Eltern befindet sich direkt an der Ecke der beiden Straßen. Die Nachbarschaft erscheint als eine große Familie, und das nicht nur, weil aus der Sicht des kleinen Bata alle Erwachsenen durchweg als Tanten und Onkel bezeichnet werden, sondern weil sie einander Teil des Lebens sind.
Alle leben sie in Armut, und für alle ist diese Armut Normalzustand - und deshalb unter ihresgleichen auch kein Problem. Dazu und zum Anlass zur Scham wird sie erst beim Verlassen des kleinen Ortes, bei einer Zugfahrt, die nicht selbst bezahlt werden kann. Ansonsten haben Bata und die anderen Kinder der Nachbarschaft alles, was sie zu brauchen scheinen: Zeit zum Spielen, Geborgenheit und Raum für Abenteuer, seien sie real oder nur vorgestellt. So werden, als der Vater Spielzeugmöbel mitbringt, die in dem kleinen Haus der Familie keine Entsprechung finden, diese auch für die Lesenden weniger zum Symbol des Fehlenden als zu einer bemerkenswerten Reihe von Entdeckungen:
"Vater zeigte uns die Möbelstücke für das Zimmer, das 'Wohnzimmer' hieß, und erklärte uns, was das war. [...] Ich fragte Vater, was das für Stühle sind, und er antwortete, das sind Sessel."
Batas eigenes Leben besteht vor allem aus den kleinen Wundern des Alltäglichen, die Aleksić in alle Sinne ansprechenden Momentaufnahmen wiedergibt: Das Trommeln des Frühlingsregens, der ihn durchnässt und das Hemd an seinen Rücken kleben lässt, die vom katholischen Friedhof duftenden Veilchen, die Scheibe Brot mit Hagebuttenmarmelade, mit der er sich schließlich die vom Regen in Pfützen geschlagenen Blasen beobachtend ans Fenster setzt. Aleksićs Sprache ist diesen Betrachtungen angemessen schlicht, aber empfindsam, keine Spielereien lenken von der Reinheit und Naivität der kindlichen Sicht auf die Dinge ab. Das nimmt auch jegliche Schärfe und Bedrohlichkeit aus den großen und kleinen Abgründen des Lebens, die in diesem Blick zurück auf eine Kindheit ebenfalls vorhanden sind. Seine Nachbarin sucht des Nachts Schutz vor ihrem gewalttätigen betrunkenen Ehemann und der Bruder ebenjener "Tante" erhängt sich eines Tages im Schuppen. Hier erscheinen Ereignisse wie diese als weitere Anekdote eines Sommers, nehmen die gleiche Wichtigkeit ein wie fünfblättrige Fliederblüten.
Doch auch dieser Sommer geht zu Ende. Veränderung hält ein, der erste Fernseher taucht in der Nachbarschaft auf und zuletzt zieht die Familie um, "ans andere Ende der Stadt". Wie klein diese auch in Wirklichkeit sein mag, für Bata und die anderen Kinder, deren Leben sich in den zwei Straßen abspielte, muss sie riesengroß sein und es ist klar, dass die Dinge nie mehr sein würden wie sie waren. Und so sind diese Geschichten des kleinen und großen Glücks auch Geschichten des Abschieds, des Abschieds von der Kindheit.
"Vorvorgestern" ist, erstmals ins Deutsche übersetzt von Mirjana und Klaus Wittmann, Anfang 2011 bei Matthes & Seitz Berlin erschienen. Das serbische Original wurde bereits 1994 unter dem Titel "Nakjuče" veröffentlicht. Dragan Aleksić wurde 1958 in Bela Crkva (in der Vojvodina) geboren und lebt seit einigen Jahren in den USA.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
Zoran Zivković: "Der unmögliche Roman"
Beim "Unmöglichen Roman" handelt es sich genau genommen um gar keinen - sondern um eine Sammlung von fünf, zwischen 1997 und 2003 entstandenen und zuvor noch nicht auf Deutsch veröffentlichten, Erzählreihen. In jeder einzelnen untersucht Zoran Zivković unter dem Deckmantel der Phantastik die Beziehung zwischen Verfasser, Text und der von ihm darin erschaffenen Welt. Das geschieht von Reihe zu Reihe - hier als Bücher bezeichnet - auf inhaltlich unterschiedliche, konzeptuell und sprachlich aber stark vergleichbare Art und Weise. Die Grenzen zwischen Unmöglichem, Erdachtem und Metafiktion - bei der das Erdenken und Schreiben selbst thematisiert wird - verschwimmen dabei spätestens in einer jede einzelne Reihe abschließenden Erzählung, die das verbindende Thema der vorangegangen aufnimmt und ihm eine Pointe hinzufügt.
Das ist nicht besonders revolutionär, weiß aber zumindest anfangs noch zu interessieren. Im ersten Buch ("Zeitgeschenke") tritt der Autor als Vergangenheit und Zukunft verändernder Schicksalsmacher im Text selbst in Erscheinung. Er gibt den Charakteren - seinen Charakteren - die Chance, durch das Eingreifen in einem ihr Leben definierenden Moment eben jenes umzuschreiben. Erhalten bleibt ihnen jedoch das Wissen um die ursprüngliche Realität und die damit einhergehende moralische und geistige Belastung. Ist die Alternative in jedem Fall besser? Mit dieser Frage seine Protagonist/-innen allein lassend, versündigt sich der Autor an ihnen - und tritt dafür auf den letzten Seiten selbst Buße an.
Auch die zweite Erzählreihe ("Unmögliche Begegnungen"), in der sich ein Buch gleichen Namens als Thema durch die Einzeltexte zieht, vermag noch zu überraschen. Hier ist der Autor wieder mit gottgleichen Schöpfungsfähigkeiten ausgestattet, weiß dies aber selbst nicht, bis er in der letzten Geschichte von einer seiner Figuren darüber aufgeklärt wird. Auf diese Weise wird ihm auch die Möglichkeit der eigenen Unsterblichkeit durch die Verschriftlichung, die Fiktionalisierung seiner selbst, offenbart. Erweitert wird diese Metaebene noch einmal durch das vierte Buch ("Die Bibliothek"), in dessen Geschichten nicht nur die gesamte - jemals geschriebene, noch zu schreibende und potentielle - Literatur ihren Weg in virtuelle und vorgestellte Regale findet, sondern auch die Biographien aller menschlichen Leben. Diese sind bis ins kleinste Detail dokumentiert, gebunden und archiviert und von jedem Menschen einsehbar. Auch hier dreht sich Zivković also wieder um das Erkennen des Selbst im Schreiben, und um das Leben als Akt des Schreibens der eigenen Geschichte.
Obgleich die verbliebenen zwei Bücher ("Sieben Berührungen der Musik" und "Schritte durch den Nebel") im direkten Vergleich abfallen, bieten die Erzählreihen jede für sich also nicht zu wenig Bedenkenswertes. Das wahre Problem des "Unmöglichen Romans" offenbart sich erst, wenn die fünf versammelten Erzählreihen kurz aufeinander folgend gelesen werden. Sie sind sich in Struktur und Inhalt zu ähnlich, als dass sie in Kombination miteinander die Frische vor allem ihrer Wendungen erhalten könnten. Der Aufbau von Spannung durch das Anregen von Vorahnungen auf seiten der Leser/-innen - viel von Zivković genutzt - verliert so leider jegliche Wirkung, erwarten sie doch zu Recht bald nur eine erneute Variation der gleichen unmöglichen Geschichte. Sie gewöhnen sich an das Erzählte, und was gibt es Schrecklicheres über ein Werk zu berichten, als dass sich die Lesenden damit arrangieren, nicht neu herausgefordert oder überrascht zu werden? Das ist schade, aber allein der Veröffentlichungsform geschuldet. In einigem Abstand voneinander gelesen, können die Erzählreihen für sich genommen überzeugen.
Die Sammlung ist übersetzt von Margit Jugo und Astrid Philippsen im Februar 2011 im DuMont-Verlag erschienen. Zoran Zivković wurde 1948 in Belgrad geboren, wo er auch heute lebt und seit 2007 Professor an der philologischen Fakultät ist.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
David Albahari: "Die Kuh ist ein einsames Tier"
"Die Kuh ist ein einsames Tier. Kurze Geschichten und dauerhafte Wahrheiten über Liebe, Traurigkeit und den ganzen Rest", so der komplette Titel von David Albaharis Sammlung von Textminiaturen, verspricht schon zu Beginn nichts weniger als die Entführung in eine Parallelwelt der Sprache: "Der Leser, der sich an einer Stelle im Buch verliert, findet sich, allerdings verändert, an einer anderen wieder" ("Der Leser"). Durch diese zweifelt, irrt und kalauert sich der Autor zuweilen so frei, dass zunächst der Eindruck entsteht, er hätte willkürlich den Inhalt seines Notizblocks abdrucken lassen. Tatsächlich stammen die hier vorliegenden und zum Teil erstmals auf Deutsch abgedruckten Kleinstgeschichten zur Hälfte aus früheren Veröffentlichungen Albaharis von 1978 bis 2008, der andere Teil ist bisher noch nicht im serbischen Original erschienen. Hätte es sich wirklich um einen Notizblock gehandelt, so zumindest um einen äußerst relevanten.
Denn vieles, was auf dem ersten Blick unfertig wirkt, offenbart beim nochmaligen Lesen Abgründe voll Witz und Traurigkeit. Die Pointen schleichen sich mit jedem Satz an die Psyche des Lesers und der Leserin heran, um - oft erst in den letzten Worten - gnadenlos zuzuschlagen:
"Meine Frau versteckt beide Hände hinter ihrem Rücken, und ich soll raten, in welcher sie etwas für mich hat. Ich tippe auf die linke, sie streckt mir die Faust entgegen, öffnet sie, zeigt die leere Hand. Ich tippe auf die rechte. Sie streckt mir die Faust entgegen, öffnet sie, aber auch diese Hand ist leer. Meine Frau ist verlegen. Sie dreht die Hände um, schaut um sich, hebt die Füße. Gerade war es noch da, sagt sie, und jetzt kann ich es nicht mehr finden." ("Das Ratespiel")
Das mag nicht vor gelegentlichem Abgleiten ins zu offenkundig in Szene gesetzte, und damit Belanglose schützen, doch bleibt dies erfreulicherweise eine Ausnahme und verblasst angesichts der Tatsache, dass die nächste, hintergründigere Geschichte schon auf der folgenden Seite wartet. Die Kürze ist dem Inhalt nicht nur angemessen, sondern dessen Verschärfung zuträglich, auch wenn einige der Erzählungen durchaus auch als längere Texte vorstellbar sind - und mensch nach der Lektüre des kleinen Bandes sich mehr wünscht.
Auch wenn ihm der Verlag mit dem Vergleich zu Franz Kafka und Thomas Bernhard im Klappentext vielleicht keinen Gefallen getan hat, lässt sich der Einfluss des letzteren - und Peter Handkes - zumindest in den Texten nicht abstreiten, in denen Albahari aufbricht, die Dinge hinter den Wörtern zu suchen und fassbar zu machen. Auch Bertolt Brecht und insbesondere sein Humor scheint immer wieder durch die Sprache des Bandes, in einer Geschichte ("Der Unterschied") wird sogar explizit auf dessen ebenfalls aus Textminiaturen stammende Figur Herr Keuner verwiesen. Das alles mag Albahari noch nicht zu einer vergleichbaren Größe der Literatur machen, in jedem Fall aber lesenswert.
Der Erzählband ist im Februar 2011 in der Übersetzung von Mirjana und Klaus Wittmann beim Eichborn-Verlag erschienen. Der Autor David Albahari wurde 1948 in Peć (heutiges Kosovo) geboren und lebt seit 1994 im kanadischen Calgary.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
Verica Tričković: "Als rettete mich das Wort"
Verica Tričković, 1999 geflohen aus dem erneut von einem Krieg erschütterten Ex-Jugoslawien, sucht - oder vielleicht besser: wird gefunden durch - die Erinnerung an ihre Herkunft. So beschäftigt sie sich auch in Deutschland in ihren Gedichten mit den Bildern ihrer alten Heimat. Seien es die "Farben der Sandklänge", so der Titel des ersten Abschnitts, in denen sie von Vergangenem berichtet - vom Skadarsee, "An der Klosterpforte - träumt erstorbener Kettenschlossklang - vom Nonnengebet" und der Hitze an der montenegrinischen Küste, "Der Tag schlürft Schweiß - vom welligen Meeresbauch" - oder "Ähren und Glut", die den Gedichtband schließen: "Aus dem Sonnenbecher - ergießen sich Ähren und Glut - Brot bist du und Wein, - das leise Glimmen im Herbstsamt". Thema ist das, was für sie einmal war.
Da ist aber auch der Zwist, der sie vertrieben hat. Er wird deutlich in den "Sieben Fenstern", die den Blick in ein Früher ermöglichen, in dem gegensätzliche Ansprüche auf die Wahrheit selbst die gemeinsame Sprache plötzlich entzweien und Liebende einander unverständlich, der Worte beraubt, sprachlos machen: "Zwei Hände, - deine und meine, - pressen fest den gleichen Schrei - Schweigend sieht sie uns an - dich aus mir - mich aus dir". Beschlossen wird zwar die Möglichkeit des Anbruchs eines Neuen, "Pferde weiden Morgendämmerung - Zweigeteilte Sonne legt sich zusammen - in der Berührung unserer Stirnen"; Worte, Fragen, Versprechen scheinen anders als im Zurückgelassenen darin aber keine Rolle mehr zu spielen. Immer wieder taucht als Bild der auf die Nacht folgende Morgen auf, dessen Neuanfang aber die Trauer um die verwehrte Rückkehr ins Bekannte beinhaltet: "Du sagst wenn Morgen zum Heute wird - Erkenne ich mich nicht wieder". So bleibt nur das Erinnern, an die Natur und an die Liebe, von der Abschied genommen wurde. Dieser schwermütige Blick zurück an Begegnungen gleicht "Gefangenen Schatten" im Kopf: "In mir reift eine Bürde - schwer - Die Wege - wendet sie von mir ab".
Die Übersetzungen ins Deutsche sind zum Teil aus der eigenen Feder Tričkovićs, darüber hinaus präsentiert sie im Band einige direkt auf Deutsch verfasste Gedichte. Möglicherweise ist das auch, wie der Klappentext nahelegt, ein Versuch des Wiederfindens der Worte nach dem einschneidenden Moment ihrer Flucht. Doch ist das Dichten in der neuen Sprache auch ein Zeichen der Annahme einer neuen Heimat? Sie wird zwar ebenfalls thematisiert, aber durch die Zeilen scheint immer wieder der Bezug zur Vergangenheit - oder wird gar eingefordert: "Asphaltschläfer und Hunde - in Schlafdecken - auf entblößter Straße - Wem ist hier zu helfen - ruft ein Straßenfeger - An mir vorbei Richtung Flussufer rasseln Flohhändler - Versuch dich zu erinnern - wer du bist".
Tričkovićs Gedichte bestechen vor allem durch die Naturbilder voller Harmonie, jene Schönheit heraufbeschwörend, die sich in ihrer Erinnerung manifestiert hat. In deren Romantisierung offenbart sich eine zweite Flucht, eine Flucht vor der Vergangenheit-wie-sie-war hin zur ausmalenden Vorstellung des Ehemaligen, die das Gefühl des Verlustes noch einmal bestärkt.
Der Lyrikband ist Anfang 2011 im Leipziger Literaturverlag erschienen. Die Autorin Verica Tričković wurde 1961 in Nerav (Mazedonien) geboren und lebt seit 1999 bei Hannover.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
Angela Richter: "Der Engel und der rote Hund"
Rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse gibt die Slawistikprofessorin Angela Richter eine Anthologie von Kurzgeschichten heraus, die den Anspruch erhebt, die serbische Literatur nach dem demokratischen Umsturz und damit auch bisher in Deutschland weitgehend unbeachtete Autor/-innen vorzustellen. Deren/r finden sich in diesem Band neunzehn und tatsächlich sind, abgesehen von den NIN-Preis-Gewinnern Vladimir Arsenijević, Zoran Ćirić und Vladimir Pistalo sowie dem Leiter der Serbischen Nationalbibliothek Sreten Ugričić, darin weitgehend unbekannte Namen versammelt. In ihrem Vorwort stellt Richter das Gemeinsame der Texte dieser Vielzahl von Autor/-innen heraus: Sie nähmen sich Themen über den "spezifischen serbischen Kontext hinaus" an - ein Ansatz, der angesichts hinreichend eingeübter und automatisch abgespulter medialer Assoziationsketten von Balkan - Gewalt - Nationalismus - Krise geeignet erscheint, ein anderes, ein neues Bild von Serbien zu zeichnen.
Ganz davon befreien kann sich freilich auch dieser Sammelband nicht. Vladimir Pistalos titelgebende Geschichte liest sich dafür zu leicht als Allegorie auf die Immer-Wieder-Betonung ethnisch begründeter Grenzen zwischen den ehemaligen jugoslawischen Brüdern und Schwestern und Ljiljana Đurđićs Beitrag "Schokolade der Marke Pionier" ist eine offen vorgetragene Klage gegen die Kontinuität in den serbischen Eliten. Sie geben sich eine neue Fassade - oder, wie hier, eine neue Werbetafel -, letztendlich bleibt aber das Personal gleich und schaltet weiter nach eigenem Ermessen. Die "Freiheit", in die der Ich-Erzähler am Ende entlassen wird, entlarvt Đurđić so zynisch als Worthülse.
Zuweilen driften einige der Texte inhaltlich ins Belanglose und vermögen auch sprachlich nicht zu überzeugen. Zoran Ćirić ("Auch die Liebe weiß, was sich gehört") mag in seiner südserbischen Heimatstadt Nis mit Schwellkörpern und Schwafel noch provozieren, im von zehn Jahren in der Popliteratur ersoffenen Deutschland bedarf es dazu aber inzwischen minderjähriger Autor/-innen, die sich genauso freizügig wie sie sich in ihren eigenen Texte geben an denen anderer Menschen bedienen. Und Igor Marojević ist in "Der Krieg um die Ehre der Moana Pozzi" alles egal, zuallererst aber die Lesbarkeit: "German entgegnete etwas mit Worten, die Boris vollkommen schleierhaft vorkamen. Er fragte ihn, ob er irgendeines von Moanas Büchern gelesen hätte." Wer fragt hier wen und warum interessiert das nicht einmal den Autoren?
Mit solchen Ausfällen versöhnen können Geschichten wie "Die Stadt, die nie schläft", in der Mihajlo Spasojević erklärt, warum in ebenjener die Menschen eben genau das nicht tun und nebenbei über das Vergehen und Verpassen der Liebe berichtet. Am Ende erscheint bei ihm der Alltag und das Ausbleiben des Unerwarteten, des Ausnahmezustands, beinahe tröstlich. Jovica Aćin schließlich nimmt sich des bewährten Sprichworts der Überlegenheit des Wortes gegenüber dem Schwert an und erweitert es um poststrukturalistisch anmutende Unsicherheit: "Nicht nur hinsichtlich der Schwerter, sondern auch der Wörter weiß ich nicht, ob sie wirklich sind, und deshalb werde ich niemals wissen, wann der Tod wahr ist und wann ich in der Lage sein werde, alles Unbegreifliche, jeden Tropfen, der aus uns fließt, zu deuten."
In der Anfang 2011 in der Edition Noack & Block erschienen Anthologie sind außerdem Texte von Jelena Lengold, Sasa Ilić, Ljubica Arsić, Đorđe Jakov, Srđan Tesin, Milica Mićić-Dimovska, Biljana Kosmogina, Vule ?urić, Laslo Blasković, Marko Vidojković und Sava Damjanov vertreten. Die Herausgeberin Angela Richter ist Professorin der Südslawistik aus Halle (Saale), die Übersetzungen sind aus einem ihrer Seminare heraus entstanden.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |
Goran Petrović "Die Villa am Rande der Zeit"
"Nach der Klassifikation des alten Haarspalters Goethe gibt es drei Sorten von Lesern: Der erste genießt, ohne zu analysieren. Der dritte analysiert, ohne zu genießen. Aber dazwischen gibt es denjenigen, der genießend analysiert und analysierend genießt, und der ist es, der das Kunstwerk im Grunde neu erschafft."
Goran Petrovićs "Liebeserklärung an das Lesen" (so der Klappentext) ist vielmehr als das noch ein Geständnis seiner Liebe für Leserinnen und Leser dieser Zwischenkategorie, fähig nicht nur der Analyse und des Konsums, sondern der Übersetzung von Schriftzeichen in neue Welten. Ein solcher Leser ist Adam Lozanić, am Rande der Armut lebender Slawistikstudent aus dem Belgrad des ausgehenden 20. Jahrhunderts, der den sonderbaren Auftrag bekommt, ein bereits vor Jahrzehnten verlegtes Buch umzuschreiben. Das "Vermächtnis" eines, wie er bald herausfindet, bereits 1936 in der Donau ertrunkenen Anastas Branica.
Schnell wird deutlich, dass die Schaffung neuer Welten und das Eintauchen in ein literarisches Werk hier keineswegs nur metaphorisch gemeint sind - sondern ganz real stattfinden. Adam sieht sich bei der Lektüre des Buches in dessen Welt hineinversetzt, und erfährt dabei nicht nur die im gedruckten Wort beschriebenen Sinnesempfindungen, sondern auch die sich daraus ableitenden Zwischentöne und Folgeeindrücke. Er erlebt den Roman. Damit ist er nicht allein: Bald trifft er in Anastas Branicas "Vermächtnis" nicht nur seine Auftraggeber, sondern auch andere Mitleser/-innen. Da ist der unfreundliche Gärtner, dessen Absichten bis zum Ende unklar bleiben; eine Familie, verfolgt von einem sie überragenden Schatten; eine gehörlose Köchin und vor allem die alte Natalija Dimitrijević mit ihrer jungen Begleiterin Jelena, in die sich Adam bald verliebt.
Die besondere Rolle Natalijas und ihre Verbindung zum unglücklichen Autor Anastas Branica werden in einer zweiten Handlungs- und Zeitebene beschrieben. Auch er hat sich bei der Lektüre eines Buches verliebt - in eine bereits jemandem anderen versprochene Französin, die ihn bei der einmaligen Begegnung jenseits der Literatur, auf den realen Straßen Belgrads, nicht einmal erkennen vermag. So entspinnt sich ihre Liebe nur innerhalb der Briefe, die Anastas ihr schreibt, die sie zeitgleich lesen und vor allem erleben, und die später zu seinem "Vermächtnis" werden sollen. In ihnen beschreibt Anastas in allen Details eine prachtvolle Villa inmitten eines weitläufigen Gartens inmitten eines Tals, fernab sogar der bloßen Möglichkeit eines Rests der Welt - eine "Villa am Rande der Zeit". Ständig auf der Suche nach neuen Phrasen, Beschreibungen und Wörtern, die dieses erlebte Schreiben und Lesen einzigartig machen sollen, beschäftigt er Expert/-innen verschiedenster Gebiete aus der gesamten Welt. Sein geheimes Leben offenbart er dabei nur der jungen Natalija, die ihn in heimlicher Liebe unterstützt.
Genau wie im Roman im Roman, dem "Vermächtnis", dient auch bei Petrović die Sprache vor allem einem Zweck: Schön zu sein. Seine Beschreibung von Natalijas Bibliothek als Garten, mit blühenden Büchern inmitten der Spaliere von Regalen gibt den Ton an für den Rest des Werks. Langwierig wird die Lektüre dabei nur, wenn der Autor später von der Beschreibung in die Aufzählung fällt, und ganze Seiten wie Huysmans in "Gegen den Strich" mit bloßen Listen mutmaßlicher Schönheit füllt - das Nachempfinden aber mangels sprachlicher Darstellung schwierig wird. Zudem durchdringt "Die Villa am Rande der Zeit", wie viele andere Werke im Stil des magischen Realismus, zuweilen eine schwere Süße, die eine nicht immer nur angenehme Trägheit erzeugt. Dies zum Trotz brechen immer wieder - und meist rechtzeitig - manchmal leise, manchmal laute Verweise auf die reale Historie die sich ausbreitende Lethargie. Die jugoslawische Geschichte im 20. Jahrhundert ist alles andere als konfliktarm, und so betten Königsmorde, Erster und Zweiter Weltkrieg, Säuberungen im Sozialismus und still, in der Kälte des Ostwinds Ko?ava anklingend, auch die jugoslawischen Bürgerkriege die zwei Handlungsebenen des Romans in einen verbindenden zeitlichen Rahmen.
Nicht zuletzt wiederholt Petrović mit der Neuerschaffung und der damit verbundenen Veränderung des Werkes durch das erlebende Lesen natürlich auch die schon von früheren Postmodernist/-innen aufgeworfene Frage nach dem Eigentum des Textes und der darin beinhalteten Gedanken. Gehören sie allein dem Autor, der Autorin, oder ist die Beanspruchung durch die Leserschaft legitim - und wenn ja, wer von ihnen darf Besitz anmelden?
Der Roman ist im Dezember 2010 in der deutschen Übersetzung von Susanne Böhm-Milosavljević im dtv-Verlag erschienen. Das Original wurde 2000 unter dem Namen "Kod srećne ruke" veröffentlicht und mit dem wichtigsten serbischen Literaturpreis, dem der Zeitschrift NIN, ausgezeichnet. Der Autor Goran Petrović wurde 1961 in Kraljevo (Serbien) geboren und lebt in Belgrad.
Autor: Benjamin Hanke
| Tweet | Teilen |









