"Ein Kind ist ein Kind. Jedes hat dieselben Rechte." - Interview mit Zini Kore

Zini Kore arbeitet schon seit zwei Jahren für die Organisation ARSIS in Tirana. Seit September 2010 leitet er das Projekt des Sozialen Tages 2010 "Straßenkindern eine Chance". Am Rande eines gemeinsamen Seminars haben wir ihm vier Fragen gestellt:

 

Was sind die Ursprünge der Organisation ARSIS?

ARSIS ist ursprünglich eine griechische Organisation. Seit 2005 engagiert sie sich in Albanien, baute dort lokale Strukturen auf und ist seit 2009 auch als albanische Nichtregierungsorganisation (NGO) registriert. Die Motivation nach Albanien zu gehen, hing mit dem Einsatz gegen Kinderhandel zusammen. Da viele albanische Kinder in den Straßen Griechenlands arbeiten, entschloss sich ARSIS, den Kindern schon vor dem Aufbruch nach Griechenland zu helfen. Deshalb baute ARSIS Tageszentren für Straßenkinder in Tirana auf.

 

Was ist das Besondere an dem Projekt "Straßenkindern eine Chance"?
Zini Kore im Gespräch mit Felix Lorenzen

Das Projekt ist eine Fortsetzung unseres Einsatzes für Straßenkinder mit neuen Ideen und Ansätzen. Wir arbeiten auf drei verschiedenen Ebenen: Erstens betreiben wir Straßen- und Sozialarbeit, leisten also direkte Hilfe. Dies tun wir vor allem in sieben Gemeinden, in denen die Straßenkinder besonders schutzlos sind. Zweitens arbeiten wir im Bereich Capacity-Building, also dem Aufbau von Kompetenzen. Wir bilden die Menschen, die mit Straßenkindern zu tun haben, im Bereich Straßen- und Sozialarbeit fort. Das sind Leute aus Partnerorganisationen, aber auch Behörden. Drittens arbeiten wir im Bereich Advocacy, also Lobbyarbeit. Das tun wir sowohl auf lokaler als auch zentralstaatlicher Ebene. So engagieren wir uns in verschiedenen Gremien, Netzwerken und gesellschaftlichen Plattformen, um die Rahmenbedingungen für Straßenkinder zu verbessern. Besonders aktiv ist ARSIS in der Koalition "Zusammen gegen Kinderhandel", die 25 albanische und internationale NGOs umfasst. ARSIS hat zur Zeit die Präsidentschaft dieser Koalition inne. 

Die meisten Menschen, denen wir helfen, sind Roma. Aber wir betonen das nicht, weil ein Kind ein Kind ist. Da spielt der ethnische, soziale, politische und ökonomische Hintergrund keine Rolle. Jedes Kind hat dieselben Rechte. 

 

Wie sieht ein alltäglicher Arbeitstag für dich aus?

Das ist schwer zu sagen, weil wir auf so vielen Ebenen arbeiten. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist aber das Engagement in unserem Tageszentrum für Kinder. Es ist ein Zentrum, in das man immer kommen kann. Da gibt es keine festgelegten Zeiten für Aktivitäten. Das ist wichtig, weil die Kinder tagsüber meist in den Straßen arbeiten. Bei uns können sie eine Pause machen und ihre Probleme mit den Sozialarbeitern besprechen, einen kleinen Snack essen, sich im Winter bei einem Tee aufwärmen oder notwendige Kleidung bekommen. Außerdem können die Kinder bei uns Sport machen oder an Kunstaktivitäten teilnehmen. Damit wollen wir das Selbstwertgefühl der Kinder erhöhen.

Die Kinder betrachten wir dabei als unsere Freunde. Alles wird in dem Zentrum zusammen gemacht: Wir kochen gemeinsam und die Kinder können unsere Computer benutzen.

Was bei der Arbeit in dem Tageszentrum auch sehr wichtig ist, sind die sogenannten Aktionspläne. Jedes Kind hat einen solchen Aktionsplan, an dem es zusammen mit einem Mitarbeiter arbeitet.

Jeder dieser Pläne baut auf den individuellen Bedürfnissen eines Kindes auf. Zusammen mit den Sozialarbeitern wird dann Schritt für Schritt an der Umsetzung des Plans gearbeitet, um die eigene Situation zu verbessern. Dabei wird auch mit anderen Akteuren wie Familienmitgliedern, Schulen und lokalen Behörden zusammengearbeitet.

Darüber hinaus fahren wir mit einem Bus aber auch in andere Gemeinden und arbeiten, wie gesagt, auf vielen anderen Ebenen und Methoden als nur der direkten Straßensozialarbeit.

 

Wie sagt man "Danke" auf Albanisch?

Faleminderit.

 

Faleminderit für das Interview.


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