Das Projekt des Sozialen Tages 2010 - Was ist bisher passiert?

Am 17. Juni 2010 fand der letzte Soziale Tag statt. Über hunderttausend Schülerinnen und Schüler gingen nicht zur Schule, sondern jobbten und spendeten ihren Lohn an die Hilfsprojekte von Schüler Helfen Leben (SHL). Neben der langfristigen Absicherung der Projekte von SHL ermöglichten sie dadurch auch die Realisierung des Projekts "Straßenkindern eine Chance" in Albanien. Auf dem Projektauswahltreffen, das vom 7. bis zum 9. Mai 2010 in Berlin stattfand, hatten sich Vertreterinnen und Vertreter der am Sozialen Tag beteiligten Schulen für die Förderung dieses Projekts entschieden.

Seit September 2010 läuft das Projekt, das von der lokalen Organisation "ARSIS - Social Organization for the Support of Youth" umgesetzt wird. Nun - vier Monate nach Projektstart - wollen wir über die ersten Aktivitäten im Projekt berichten.

Traurige Situation der Straßenkinder in Albanien

Hilfe für Straßenkinder ist in Albanien bitter nötig. Straßenkinder und ihre Familien werden diskriminiert und von der albanischen Gesellschaft weitestgehend ausgeschlossen. Viele dieser Menschen sind nicht staatlich registriert, was zur Folge hat, dass ihnen wesentliche Grundrechte verwehrt bleiben. Oft werden Straßenkinder von ihren Familien zum Betteln oder zur Prostitution gezwungen, um Geld zu verdienen. Viele leben in ständiger Gefahr, misshandelt zu werden. Arm und sozial benachteiligt, haben diese Kinder weder eine richtige Kindheit noch Aussichten auf ein besseres Leben für sich selbst oder ihre Familie. Trotzdem kümmern sich weder Staat noch Gesellschaft ernsthaft darum, die Probleme dieser Menschen zu lösen und sie in die Gesellschaft zu integrieren.

Direkte Hilfe und Einsatz für langfristige Verbesserungen

Deshalb wollen ARSIS und Schüler Helfen Leben die Situation von Straßenkindern in der albanischen Hauptstadt Tirana verbessern. Zum einen wird direkte Hilfe geleistet: Straßen- und Sozialarbeiter kümmern sich vor Ort um die Kinder. Zum anderen sollen Veränderungen in den betroffenen Familien, Gemeinden und der albanischen Gesellschaft erreicht werden, also die Strukturen für Straßenkinder langfristig verbessert und die Umsetzung von grundlegenden Kinderrechten gewährleistet werden.

In dem Projekt wenden sich Straßensozialarbeiter, ein Beruf, der in Albanien bislang kaum verbreitet ist, den Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien zu und nehmen sich ihrer Probleme an. Darüber hinaus erhalten die Kinder in einem Zentrum mit täglich offener Tür Informationen zu Themen wie Gesundheit, Hygiene, Menschen- und Bürgerrechte, Familienplanung, sowie den Voraussetzungen für Kindergarten- und Schulbesuche. Außerdem fahren die Sozialarbeiter mit einem Bus in verschiedene Stadtteile Tiranas, in denen die oben beschriebenen Probleme besonders schlimm sind. In Workshops werden auch dort grundlegende Informationen vermittelt und Spiele mit den Kindern durchgeführt.

Um nicht nur momentane Veränderungen zu erreichen, sondern nachhaltige Perspektiven für die Kinder und Jugendlichen zu schaffen, trainiert ARSIS Mitarbeiter der staatlichen Jugendschutzbüros sowie andere Straßensozialarbeiter von NGOs. Die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen auf der Straße kann sich nur dann verbessern, wenn sich Staat und Gesellschaft aktiv um die Bedürfnisse dieser ausgegrenzten Menschen kümmern.

Bilder aus dem Projekt "Straßenkindern eine Chance"

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Schon über 220 Straßenkindern konnte geholfen werden

Seit September 2010 arbeiten insgesamt 14 Menschen hauptamtlich für das Projekt. Darüber hinaus engagieren sich neun Freiwillige für die Straßenkinder. Schon jetzt wurde viel erreicht. Bis Ende Oktober konnten die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts bereits 220 Straßenkindern und Jugendlichen direkt helfen. Die meisten davon sind zwischen 11 und 15 Jahren alt.

Die Art der Hilfe richtet sich nach den wichtigsten akuten Bedürfnissen. Viele Kinder und Jugendliche brauchen - vor allem im Winter - warme Anziehsachen. Daher haben die ARSIS-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kleidungsstücke an insgesamt 118 Straßenkinder und -Jugendliche verteilt. Außerdem bekamen 57 von ihnen notwendige Hygiene-Utensilien.

Zugang zu Bildung steht im Mittelpunkt

Neben dieser kurzfristigen Hilfe steht aber - wie bei allen Projekten von Schüler Helfen Leben - der Zugang zu Bildung und die Teilhabe an der Gesellschaft im Mittelpunkt der Arbeit von "Straßenkindern eine Chance". Deshalb klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts die Kinder und Jugendlichen in direkten Gesprächen im Zentrum des Projekts und auf der Straße über ihre Rechte auf. Des Weiteren stellten sie insgesamt 78 auf der Straße lebenden Schülerinnen und Schüler Schulmaterialien zur Verfügung - eine Investition in die Zukunft, die die Kinder nicht selbst finanzieren könnten. Das Projekt hilft aber auch bei bürokratischen Vorgängen. Gerade die Hilfe in solchen Fällen, wie etwa dem  Ausstellen von Impfpässen und Geburtsurkunden, ist ein wichtiges Element der Arbeit von ARSIS. Diese Dokumente sind ein notwendiger Schritt, um Zugang zu staatlichen Leistungen - insbesondere dem Schulbesuch - zu erlangen. In den Monaten September und Oktober konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts 50 Kindern und Jugendlichen bei solchen administrativen Vorgängen helfen. Zudem halfen sie 75 Straßenkindern bei der Registrierung für Bildungseinrichtungen und 48 bei der staatlichen Registrierung. Diese Hilfestellungen reflektieren allerdings nur einen kleinen Teil der Arbeit: Seit Start des Projekts wurden außerdem Englischkurse, juristische Unterstützung für Straßenkinder, Sportaktivitäten, verschiedene Workshops sowie Ausflüge ermöglicht.

Straßenkinder im Parlament

Darüber hinaus ist die Organisation ARSIS Mitglied in der zivilgesellschaftlichen Initiative "Altogether Against Child Trafficking" ("Zusammen gegen Kinderhandel"), setzt sich dort mit Partnern gegen den Kinderhandel ein und betreibt Lobbyarbeit für die Rechte von Straßenkindern. So kommentieren die Initiative und ARSIS zum Beispiel Gesetzesvorhaben von albanischen Ministerien und machen Vorschläge für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Straßenkindern. 

Durch die Lobbyarbeit von ARSIS und anderen Akteuren wurde vom albanischen Parlament im November 2010 ein Kinderschutzgesetz verabschiedet. Aus diesem Anlass organisierte ARSIS am 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte, eine ganz besondere Aktion: Zusammen mit 120 Straßenkindern besuchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Organisation das albanische Parlament, um das neue Gesetz zu feiern und es bekannt zu machen. Dass sie dabei von der Präsidentin des Parlaments herzlich begrüßt wurden, ist dabei nur ein ganz kleiner, aber symbolischer, Teil des Erfolgs.

Straßenkinder im Parlament

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Die Kinder saßen in weißen T-Shirts, auf die sie vorher ihre Rechte gemalt hatten, im Plenarsaal des Parlaments. Gegenüber der Parlamentspräsidentin, Parlamentsmitarbeitern und Medienvertretern formulierten sie ihre Anliegen und schilderten ihre Lebensbedingungen, die sie oft vom Schulbesuch - und damit an der Umsetzung ihres Rechts auf Bildung - hindern.  

Schüler Helfen Leben und ARSIS werden weiter daran arbeiten, den Straßenkindern in Tirana durch Bildung eine bessere Zukunftsperspektive zu bieten. "Das Projekt 'Straßenkindern eine Chance' konnte bereits in den ersten Monaten viel für Straßenkinder und -Jugendliche in Albanien erreichen" sagt SHL-Mitarbeiterin Sandra Khusrawi, die das Projekt betreut und im kommenden Februar nach Albanien reisen wird. Anschließend folgen weitere Informationen über das Projekt.



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