Intolerante Aussagen in Schulbüchern in Bosnien und Herzegowina

In Bosnien und Herzegowina wächst eine Generation von Kindern und Jugendlichen heran, die viel Kontakt mit nationalistischem Gedankengut und wenig mit Angehörigen einer anderen Bevölkerungsgruppe hat.

Ein Beleg dafür sind die Schulbücher aus "ethnisch empfindlichen" Fächern wie Geschichte, Landeskunde, Religion und den Muttersprachen. Sie sind reich an nationalistischen und intoleranten Aussagen über die anderen Bevölkerungsgruppen, insbesondere wenn es um den Bürgerkrieg geht. 2006 analysierte ProMENTE, eine Beratungsagentur für Sozialforschung, Schulbücher aus verschiedenen Landesteilen Bosnien und Herzegowinas.

Im Folgenden listen wir einige der intoleranten und nationalistischen Aussagen auf.

Landeskunde-Lehrbuch von Bosniaken:

  • "Islam ist die beste Religion" (Bosniaken gehören dem islamischen Glauben an)
  • "Muslime greifen keine heiligen Objekte an - im Unterschied zu den anderen" (Im Bürgerkrieg wurden zahlreiche religiöse Objekte zerstört)
  • "Alle Serben haben Bosnien und Herzegowina angegriffen und den Genozid durchgeführt" (Bosnien und Herzegowina wurde von serbischen Soldaten der JNA - der Jugoslawischen Volksarmee - angegriffen. Der Angriff und der Genozid wurde nicht von der gesamten serbischen Bevölkerung ausgeübt oder gebilligt)

Landeskunde-Lehrbuch von bosnischen Serben:

  • "Republika Srpska ist ein unabhängiger Staat" (Die Republika Srpska ist neben der Föderation Bosnien und Herzegowina eine von zwei Entitäten oder Teilrepubliken des Staates Bosnien und Herzegowina)
  • "Orthodoxes Christentum ist die wichtigste Religion" (Die Mehrheit der Serben sind orthodoxe Christen)
  • "Auf diesen Karten sind alle serbischen Staaten zu sehen... Belgrad ist die Hauptstadt aller Serben" (Die Hautpstadt von BuH ist Sarajevo. Laut dieser Aussage orientieren sich die Serbinnen und Serben in Bosnien und Herzegowina in Bezug auf ihre Nationalität nicht an ihrem Staat, sondern an Serbien)

Landeskunde-Lehrbuch von bosnischen Kroaten:

  • "Muslime sind eine ethnische Gruppe und keine Religion"
  • "Bosnien und Herzegowina ist ein jahrhundertealter kroatischer Staat" (In Bosnien und Herzegowina leben seit Jahrhunderten Kroaten, bosniakische Muslime und Serben)

Wenn drei unterschiedliche Landeskunden, Geschichten und Muttersprachen gelehrt werden, ist die Idee nicht fern, dass man in unterschiedlichen Staaten lebt. Der Menschenrechtsaktivist Nerin Dizdar hebt hervor: "Den Jugendlichen wird beigebracht, dass der Andere eine Bedrohung für sie darstellt. Das schafft Ignoranz und Hass und dies sind die Hauptzutaten für zukünftige Konflikte." Daher gilt es, sich weiterhin im nicht einfachen Prozess der Verbesserung des Schulsystems in Bosnien und Herzegowina zu engagieren, um Verständigung und Frieden zu fördern.

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