Interview mit Visnja vom Jugendzentrum CK13

Seit 2006 unterstützt die Stiftung Schüler Helfen Leben das Jugendzentrum CK13 im nordserbischen Novi Sad. Ende April sprachen wir mit Visnja, die dort als Programmkoordinatorin arbeitet, über ihre alltägliche Arbeit, die größten Herausforderungen des Zentrums sowie über Unbekannte, die die Außenwände des Zentrums mit "Nachrichten des Hasses" beschmierten.

 

Wie sieht eine typische Woche im Jugendzentrum CK13 aus?
Visnja (links) mit ihrer Kollegin Jasmina

Eine typische Woche im CK13 besteht aus der Planung und Umsetzung von verschiedenen Aktivitäten. Normalerweise zeigen wir pro Woche ein bis zwei Filme und  organisieren zwei Konzerte. Außerdem finden bei uns öffentliche Debatten über verschiedene soziale und künstlerische Themen und Workshops statt. Das ist das, was die Besucher des Zentrums mitkriegen. Für uns, die im CK13 arbeiten und freiwillig engagiert sind, beinhaltet eine typische Woche auch tägliche Meetings, Email-Korrespondenz, die Organisation von Ausflügen sowie die Programmplanung für die künftigen Wochen.

 

Wer besucht die Aktivitäten des Zentrums?

 

Das Publikum des CK13 ist sehr divers und unterscheidet sich von Veranstaltung zu Veranstaltung. Die meisten sind ältere Schüler und Studenten. Aber auch ältere Generationen kommen zu uns. Bei uns gibt es keine klaren Grenzen zwischen 16- und 60jährigen. Oft sind unsere Gäste auch Ausländer, die Novi Sad besuchen und sehen wollen, wie das Programm des einzigen alternativen Sozial- und Kulturzentrum der Stadt aussieht.

 

Vor ein paar Wochen haben wir gelesen, dass Slogans auf die Außenwände des Zentrums geschmiert wurden. Was stand da?
Die Außenwand des Jugendzentrums

Letzten Monat haben Unbekannte etwas auf die Wände des Jugendzentrums gesprayed. Dort stand unter anderem: "Wenn du schwul bist, komm zu AFANS". AFANS ist eine antifaschistische Gruppe, mit der wir kooperieren.

Die Slogans sind Nachrichten des Hasses. Leider bleiben solche Vorfälle wie die Schmierereien oft ungeklärt, weil sie rechtlich gesehen nur als Sachbeschmutzung angesehen werden.

In den vergangenen vier Jahren hat das CK13 mehr als 300 tägliche Aktivitäten pro Jahr organisiert, die sich mit dem Respekt vor Vielfalt, Antidiskriminierung, Antifaschismus, Antihomophobie und der Unterstützung von Minderheiten beschäftigten.

In unserem Programm und in unserer Haltung konzentrieren wir uns auf Bildung und motivieren Menschen, sich gegen alle Formen von Gewalt einzusetzen. Das beinhaltet auch Hassreden, die eine Anfangsform von schwerer Gewalt sind. Aus diesem Grund sind und bleiben die Menschen und Gruppen unsere engsten Partner, die sich gegen Faschismus einsetzen, Minderheiten unterstützen und sich für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzen - zum Beispiel die Novi Sad Lesbian Organization (NLO) und die antifaschistische Gruppe AFANS.

Wir haben eine Kampagne für das Übermalen des Slogans gestartet. Zusammen mit unseren Aktivisten, Freiwilligen und Freunden übermalten wir die Slogans und veröffentlichten einen Brief an die Verwaltung von Novi Sad. Wir erinnerten an die Aussage des Bürgermeisters. Sein Satz steht auch auf der Website der Stadt: "...die Stadtverwaltung will, dass Novi Sad ein Ort ist, an dem sich die Menschen sicher und gut fühlen". In den letzten vier Jahren hat die Stadt die Wichtigkeit des einzigen Jugendzentrums in der Stadt nicht erkannt. Das Zentrum bekommt keinerlei Unterstützung von der Stadt. Das Medieninteresse an dem öffentlichen Brief war aber sehr groß.

 

Wisst ihr, wer den Slogan geschrieben hat?

Nein, das wissen wir leider nicht. Wir haben die Polizei darüber informiert und nun ist sie dran, Untersuchungen anzustellen und die Personen zu finden, die die Slogans gesprayed haben.

 

Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit des CK13?

 

Die Hauptidee des Programms ist es, kreative Ideen und Potenziale von jungen Menschen zu stimulieren. Darüber hinaus sollen unabhängige soziale, kulturelle und künstlerische Initiativen unterstützt werden, die die Zivilgesellschaft stärken.

In unserer Arbeit treffen wir auf viele Herausforderungen. Generell kann man aber sagen, dass die größte Herausforderung die Stärkung des sozialen Engagements der jugendlichen Bevölkerung in der Stadt und der Provinz Vovjodina ist. Zusammen mit anderen Jugendlichen wollen wir das CK13 weiterentwickeln. Deshalb teilen wir das Wissen, die Erfahrung und die Fähigkeiten in Bezug auf den Aufbau und den Betrieb eines Jugendsozialzentrums mit anderen Jugendlichen. Das beinhaltet Aspekte wie Selbstmanagement und Finanzmanagement. Das alles passiert mit dem Ziel, den wachsenden Fremdenhass, Homophobie, Nationalismus, Rechtsextremismus und Faschismus zu bekämpfen.

Wir verstehen uns auch als eine Plattform, auf der sich auch Personen von anderen Jugend- und Kulturorganisationen aus Novi Sad und außerhalb über unterschiedliche Methoden und Erfahrungen in den genannten Bereichen austauschen können.

Dabei stellt es sich immer wieder als besonders schwer heraus, für die vielen Bereiche des Hauses geeignete Gruppen und Organisationen für einen produktiven Wissensaustauch oder als Kooperationspartner zu finden.



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