Interview mit Danica Bojić
Die Union Serbischer Schülervertretungen (UNSS) ist das Netzwerk der einzelnen Schülervertretungen an serbischen Schulen. Sie hat ihren Sitz in der Hauptstadt Belgrad und wird von Schüler Helfen Leben (SHL) seit 2010 unterstützt.
Danica Bojić (19) aus Belgrad ist Vorstandsmitglied und internationale Vertreterin der UNSS und arbeitet in dieser Funktion vor allem mit dem Verbindungsbüro Europäischer Schülervertretungen (OBESSU) zusammen. So war sie auch Mitglied der Arbeitsgruppe, die den 5. Europäischen Schülerkongress vorbereitet hat, der 2009 in Wien stattfand. Sie erzählte uns in einem Gespräch von den Aktivitäten der UNSS und ihrer Arbeit für die Organisation.
Wie bist du zur UNSS gekommen?
Genaugenommen über einen Verwandten von mir. Ich hab schon zu Grundschulzeiten gern mit ihm zu tun gehabt und immer gefragt "Hey, was macht ihr grad in der Organisation?" und bei kleinen Sachen ausgeholfen, sozusagen als Freiwillige. Als ich dann alt genug war habe ich auch angefangen bei den Sitzungen und Seminaren vorbeizuschauen. Ich fand das alles sehr interessant und es gab so viel zu lernen. Und dann war ich plötzlich mittendrin und bei den Planungen für ein großes Festival dabei. Danach habe ich mich auf die Position als internationale Vertreterin beworben und die Stelle bekommen - mit sechzehn.
Was sind deine Aufgaben?
Neben meiner Vorstandstätigkeit repräsentiere ich die Organisation vor allem nach außen: als Gesandte bei der OBESSU, die Schülervertretungen in ganz Europa miteinander in Verbindung bringt, und als Vertreterin der UNSS beim serbischen Bildungsrat, der Vorschläge für das Bildungsministerium erarbeitet. Mir liegen solche Aufgaben sehr. Außerdem bin ich noch Koordinatorin für den ersten Sozialen Tag Serbiens.
Was würdest du als euren bisher größten Erfolg beschreiben?
Wir haben an einem großen Projekt namens "Ein neues Modell der Schülervertretung" gearbeitet. Dazu haben wir viele Workshops veranstaltet und eine Befragung unter 8.000 Schüler/-innen und über 1.000 Lehrer/-innen aus ganz Serbien durchgeführt, um herauszufinden, worauf sie bei der Vertretungsarbeit am meisten Wert legen. Am Ende der Auswertung war klar, dass es vor allem wichtig sein würde, Schülervertretungen gesetzlich zu verankern um sie an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Also bemühten wir uns um Unterstützung von Parlamentarier/-innen. Nach sechs Monaten harter Arbeit hatten wir es geschafft: Das Gesetz wurde verändert! Danach ging die Arbeit gleich weiter, schließlich mussten wir nun den Schüler/-innen die neuen Möglichkeiten näherbringen...
Erhaltet ihr für sowas Unterstützung durch den Staat?
Leider nein. Das Bildungsministerium verspricht uns immer "Ja klar, nächstes Jahr schauen wir mal ob wir euch finanziell unterstützen können", aber natürlich kam es bisher nie dazu. Die Studierendenvertretungen an den Universitäten - größtenteils unter politischem Einfluss - bekommen etwas Geld, wir aber nicht. Deswegen schlagen wir uns meist von Projekt zu Projekt durch, indem wir uns auf Ausschreibungen verschiedener Organisation und Unternehmen bewerben. Die Wirtschaftskrise hat das natürlich nicht unbedingt einfacher gemacht und wir improvisieren viel. Die Hilfe von SHL ermöglicht es uns, nun erstmals feste Strukturen aufzubauen.
Gibt euch das mehr Möglichkeiten?
Definitiv. Wir sammeln natürlich immer noch Geld für Projekte, aber wir haben mehr Planungssicherheit, einen festen Treffpunkt und Ressourcen für Kampagnen. Ein großes Vorhaben war auch der erste Soziale Tag Serbiens, der nach dem gleichen Prinzip wie der Soziale Tag in Deutschland funktioniert. Rund tausend Arbeitsplätze standen Schüler/-innen in fünfzehn serbischen Städten offen und das so erwirtschaftete Geld fließt über eine Ausschreibung in die besten Projekte an Schulen in jeder der beteiligten Städte - es soll also möglichst vielen Menschen zu Gute kommen. Und im nächsten Jahr geht es weiter!
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