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Der Gewinner steht fest: Gemeinsam unter einem Dach

250 Schülerinnen und Schüler wählten am Samstag "Gemeinsam unter einem Dach" zum Projekt des Sozialen Tages 2011. In einer sehr knappen Wahl stimmten 32 Prozent der Delegierten für das Projekt, welches in Bosnien und Herzegowina liegt und mit 95.000 Euro pro Jahr gefördert wird.

 

Die aktuelle Situation

Seit dem Ende des Krieges gibt es in Bosnien und Herzegowina (BiH) zahlreiche so genannte "Zwei Schulen unter einem Dach", an denen die Kinder getrennt nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit - meist bosniakisch und kroatisch - unterrichtet werden. Diese Trennung äußert sich nicht nur in unterschiedlichen Lehrplänen, was insbesondere bei den Fächern Sprache und Geschichte zu verschiedenen Perspektiven führt, sondern oft auch in getrennten Schulhöfen. Interethnischer Kontakt unter Lehrer/-innen und Schüler/-innen ist daher selten. Auch wenn die Kinder den Krieg 1992-1995 selbst nicht miterlebt haben, werden sie unter anderem durch solche Schulen von dessen Folgen und "ethnischen Konflikten" noch heute stark geprägt. Zudem besteht an vielen Schulen ein hohes Gewaltpotenzial, zum Teil auch ethnisch motiviert. 

 

Das Programm

Workshops und andere interaktive Maßnahmen sollen an nach ethnischer Zugehörigkeit getrennten Grundschulen (Klassen 1-9) durchgeführt werden, um sowohl Schüler/- innen als auch Lehrer/-innen für interethnische Kooperation zu gewinnen.

An insgesamt zwölf "Schulen unter einem Dach" im Kanton (vergleichbar mit den Ländern in Deutschland) Zentralbosnien werden regelmäßig Workshops für Lehrer/-innen zu verschiedenen Themen angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig. Inhalte der Workshops sind beispielsweise die Erkennung von Gewaltpotenzialen von Schüler/-innen, friedliche Konfliktlösung und Kommunikation. Außerdem bekommen die Lehrer/-innen Informationsmaterial und Literaturhinweise, so dass sie selbstständig weiterarbeiten und die neuen Erkenntnisse in ihrem Unterricht umsetzen können.

An denselben Schulen werden auch speziell auf Schüler/-innen ausgerichtete Workshops zu friedlicher Konfliktlösung und Kommunikation angeboten. Außerdem sensibilisieren ca. 100 interaktive Puppentheater-Aufführungen insbesondere jüngere Kinder für die aktuelle Situation. Die Organisation hat hiermit schon mehrere Jahre gute Erfahrungen gesammelt. Die Schüler-/innen sollen so den Wert einer multiethnischen Gesellschaft erkennen sowie Respekt für alle Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe, Religion oder nationaler/ethnischer Zugehörigkeit entwickeln.

Die oben beschriebenen Aktivitäten richten sich insgesamt an 180 Lehrer/-innen und mehr als 10.000 Schüler/-innen mit unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit. Die Workshops sind zum einen ein direkter Beitrag zur gegenseitigen Annäherung. Zum anderen sind sie durch die Sensibilisierung für die Thematik der "Zwei Schulen unter einem Dach" sowie die konkrete Ausbildung in gewaltfreier Konfliktbearbeitung eine gute Voraussetzung für die weitere Arbeit an den Schulen auch über das Projekt hinaus. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem kantonalen Bildungsministerium in diesem Projekt soll auch auf staatlicher bzw. kantonaler Ebene auf eine Überwindung der "Zwei Schulen unter einem Dach" hingewirkt werden.

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