Bajram-Sonderedition: Die Schlachtung (Teil III)
Nachdem Adnan und ich nun das morgendliche Bajram-Programm absolviert haben, gehen wir nach Hause. Die Opferung steht bevor.
Im Garten eines Nachbarn steht schließlich schon die Kuh, die geschlachtet werden soll. Ein professioneller Metzger, der eine Tarnfarben-Hose aus den Kriegszeiten trägt und drei weitere Männer helfen bei der Schlachtung. Adnan und mir kommen eher Nebenrollen zu, was mir aber ganz Recht ist. Die Kuh guckt mich mit großen und traurigen Augen an.
In der Vorzeit wurde sie mit gutem Futter gemästet, sie musste einen ausreichend großen Stall haben und absolut gesund sein. Es darf dem Tier an nichts fehlen, damit es ein wirkliches Prachtexemplar zur Opferung wird. Die Kuh guckt mich wieder traurig an, ich meide den Blickkontakt. Merkt die Kuh, dass ihr Schlimmes bevorsteht? Angestrengt gucke ich auf meine Schuhspitzen, damit die Kuh mich nicht weiter fordernd angucken kann.
Schließlich wird die Kuh auf die Seite gelegt, drei Männer setzen sich auf ihren Bauch, damit sie sich nicht bewegen kann. Bei der Schlachtung soll sie fest auf dem Boden bleiben, damit das Blut nicht in alle Richtungen verteilt wird. ?Es wird viel Blut geben? warnt mich Adnan grinsend vor.
Der Metzter zückt sein Messer, es ist riesig. Er schärft es noch einmal mit einem Schleifstein, damit der Schnitt an der Kehle glatt, sauber und schnell geht. Die Kuh soll nicht lange leiden. Inzwischen ist der Schnee unter der Kuh geschmolzen, saftiges grünes Gras strahlt unter ihr hervor. Der Metzger setzt das Messer an der Kehle an, mit einer entschlossenen Bewegung schneidet er die Kehle auf.
Die Kuh gibt ein lautes Röchelgeräusch von sich und bäumt sich noch einmal auf. Mit aller Kraft gelingt es den drei auf ihr sitzenden Männern und den blutverschmierten Metzger, sie am Boden zu halten. Rotes Blut tropft auf den grünen Rasen. So rotes Blut und so grünen Rasen habe ich noch nie gesehen, denke ich. Auch hätte ich nicht gedacht, dass solche Massen an Blut aus der Kehle der Kuh kommen können. Das Blut schießt aus der Kehle der Kuh, eine Blutfütze bildet sich unter der Kehle der Kuh. Ich schaue weg.
Der Metzger teilt mir die ehrenvolle Aufgabe zu, mich auf den Schwanz der Kuh zu stellen, damit er nicht die ganze Zeit hin und her zuckt und Matsch vom Boden aufwirbelt und gegen die Jacken der Männer spritzt. Die Kuh zuckt noch einmal. Ein letztes Mal bäumt sie sich auf, die Männer halten sie mit aller Kraft am Boden, ich stelle meinen zweiten Fuß auf den Schwanz. Sie stirbt.
Erleichtert trete ich zur Seite. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, wenn ich auch dieses Prozedere sicher nicht als den schönsten Teil der Bajram-Feierlichkeiten im Gedächtnis behalten werde. Auch denke ich an meine Mutter in Deutschand. Sicher hätte ihr diese Schlachtung nicht so gut gefallen.
Aus Rücksicht auf Minderjährige und Vegetarier werden in diesem Beitrag auf Bilder verzichtet.
