Bajram-Sonderedition: Bajram mubarek sherif olsun! (Teil I)
Am 8. und 9. Dezember 2008 hat das Warten vieler Muslime ein Ende: Bajram hodze, eines von zwei Bajram-Feierlichkeiten, wird gefeiert. 70 Tage zuvor feierte man an Ramazan Bajram das Ende des Fastenmonats Ramazan. Dagegen wird mit Bajram hodze oder auch dem Opferfest die verhinderte Opferung Ismaels gefeiert.
Nach arabischer Überlieferung gilt Ismael als der Stammvater der arabischen Vöker. Sein Vater Ibrahim wurde von Gott aufgefordert, seinen einzigen Sohn Ismael zu opfern. Ibrahim zog also im Morgengrauen mit seinem Sohn Ismael los, um ihn zu opfern. Als er das Messer zum Schnitt ansetzen wollte, sprach Gott zu ihm, dass er seinem Sohn Ismael nichts tun solle. Es habe sich lediglich um eine Probe des Glaubes gehandelt. Nun aber war Gott sich der Treue Ibrahims sicher und statt des einzigen Sohnes wurde ein Lamm geschlachtet. Wenn Sie vermuten, diese Geschichte bereits zu kennen, liegen Sie absolut richtig. Abgesehen davon, dass im christlichen Kulturkreis statt von Ibrahim von Abraham und statt von Ismael von Isaak die Rede ist, handelt es sich um genau die gleiche Geschichte.
Arabische Darstellung der Abrahams-Geschichte
Während in Mekka tausende Pilger die große Pilgerreise der Haddsch durchführen, feiern die Heimgebliebenen das Opferfest, das in der Türkei und Bosnien und Herzegowina Bajram hadze genannt wird. Den Heimgebliebenen war es nicht vergönnt, die teuer Pilgerreise nach Mekka durchzuführen und damit einer von fünf Säulen des Islams, der haddsch, gerecht zu werden. Jeder volljährige Muslim, männlich wie weiblich, ist verpflichtet, nach gesundheitlicher und finanzieller Möglichkeit nach Mekka zu pilgern. Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass die Bezeichnung "haddsch" der Pilgerreise mit dem hebräischen Wort "Chag", was Fest bedeutet, verwandt ist.
An Bajram hadze spielt diese Opferungsgeschichte für die Heimgebliebenen eine wichtige Rolle. Es geht um die Gottestreue, die man in Form einer Opferung zeigt. Die Heimgebliebenen feiern also den Höhepunkt der Haddsch mit der Schlachtung einer Kuh oder eines Lammes, in anderen Ländern wird sogar zuweilen ein Pferd oder ein Kamel zu diesem Anlass geschlachtet.
Da die Bajram-Feierlichkeiten ein Feiertag in der Föderation Bosnien und Herzegowinas ist (in der serbischen Republik dagegen nicht), entschied ich mich nicht weiter nach meinem deutschen Kalender zu arbeiten. Ich nahm mir zwei Tage frei und fuhr nach Fojnica, zu meinen bosnischen Ursprüngen, zu meiner Gastfamilie.
Dort angekommen, wurde ich erneut herzlich begrüßt. Ganz besonders Fatima, die mich vermutlich nicht wieder erkannte, war sehr erfreut über meine Ankunft und bat mich, mich doch hinzusetzen in ihrem Zimmer. Mittlerweile war mein bosnisch schon ein wenig weiter, sodass ich mich nun schon mit ihr über ihre Kühe unterhalten konnte. Die Kühe entstammen ihren Erinnerungen, aber sie erzählte mir dennoch sehr zufrieden, dass es ihnen gut gehe, "Gott sei Dank" ("hvala bogu"), wie sie ernst anfügt.
